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Lycidas
Vampir




Dabei seit: 20.06.2010
Beiträge: 76
Char: Charakterblatt

Das Ende einer Reise Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       IP-Information Zum Anfang der Seite springen

„Das macht dann 10,50 Dollar“, sagte der Taxifahrer und sah zu dem Schwarzhaarigen auf, der bereits aus dem Taxi gestiegen war und sich nun vor einem Fünf-Sterne-Hotel befand. Er reichte dem Mann sein Geld, wandte sich anschließend ab und betrat das prunkvolle Gebäude, welches sich über viele Stockwerke vor ihm erstreckte.

Erst als er die großzügig gefasste Eingangshalle mit Rezeptionsbereich betrat und die Tür hinter ihm vom Portier geschlossen wurde, setzte er, wenn auch wirklich sehr ungern, seine Sonnenbrille ab. Er hatte es sich seit einer Weile angewöhnt, dieses Accessoire öfters zu tragen, da er oft mit zu grellem Licht in Gebäuden und auf der Straße zu kämpfen hatte.
Doch er wusste, dass Anpassung das A und O war, um nicht aufzufallen und somit lästigen Fragen und Blicken aus dem Weg zu gehen.

Nachdem er seine Brille sicher in seiner Manteltasche verstaut hatte, begab er sich an die Rezeption, wo ihm sofort eine freundlich wirkende Empfangsdame entgegen kam und ihm mit einem freundlichen „Schönen guten Abend und herzlich Willkommen im Royal Palms Resort!“ begrüßte.

„Ich brauche ein Zimmer für ein paar Nächte. Der Preis ist egal, es sollte jedoch dunkle, lichtundurchlässige Vorhänge oder Rollläden besitzen …“ Er lächelte charmant und fügte hinzu: „… ich habe empfindliche Haut und mein Arzt meint, ich soll mich nicht unnötig der Sonne aussetzen … Sie verstehen?“

Er hatte mit der Zeit gelernt, dass Frauen auf sein Erscheinungsbild meist positiv reagierten und deswegen hatte er angefangen - und sich angewöhnt - an den richtigen Stellen zu lächeln oder den richtigen Spruch auf den Lippen zu haben, damit bestimmte Extrawünsche - gerade wenn es um die Zimmerbuchung ging - auch erfüllt wurden. Dies hatte jedoch nichts damit zu tun, dass er ein geübter Frauenheld war oder Routine im Umgang mit dem anderen Geschlecht hatte.

Nein, es war lediglich eine eingeübte Rolle, die sich schon in etlichen Hotels, Motels oder Herbergen bewährt hatte … Wenn es nun um ‚wirkliche’ Konversation ging- gerade mit Frauen - hatte er nicht den leisesten Schimmer wie er sich da am besten verhielt. Doch er hatte auch nicht wirklich Lust das herauszufinden. Wenn man ihn ein ruhiges Zimmer gab, würde er, bis zu seiner Abreise, kein Sterbenswörtchen mehr mit der Dame wechseln und somit waren Konversationen auf Small- Talk- Ebene ausgeschlossen … - gut so!

Die Frau lächelte auf seine Erklärung hin und fiel voll und ganz auf seine Lüge herein. „Einen Moment, ich sehe nach ob wir etwas haben, das für Sie in Frage kommt.“ Sie tippte etwas in den Computer ein und nach wenigen Augenblicken verstärkte sich das Lächeln auf ihrem Gesicht. Sie war sichtlich froh, dass sie den neuen Gast nicht wieder fort schicken musste. „Sie haben Glück! Gerade heute Morgen ist ein Zimmer frei geworden, das ihren Ansprüchen genügt. Sie werden einen wundervollen Ausblick auf die Stadt haben, es ist eine unserer besten Suiten.“

„Klingt gut. Ach eins noch … ich wünsche während meines Aufenthalts nicht gestört zu werden, weder vom Zimmerservice noch vom Reinigungspersonal.“ Die konnten schließlich sauber machen, wenn er wieder weg war. Das war sowieso sicherer für alle Beteiligten. So wie er das sah, war er eine tickende Zeitbombe und für jeden eine Gefahr, der sich in seiner Gegenwart aufhielt. Nicht umsonst hatte er solche Killerfertigkeiten!


„Natürlich, ganz wie Sie wünschen“, versicherte ihm die Dame. „Wünschen Sie, dass ihr Gepäck schon für sie aufs Zimmer gebracht wird?“ Wenn er Gepäck gehabt hätte, dann sicher. Doch bisher hatte er es immer so gehalten, dass er sich, wenn er etwas Neues zum Anziehen gebraucht hatte, dies auch direkt neu gekauft hatte und das Alte dann in der Mülltonne gelandet war. Aber auch hierfür hatte er eine wirklich plausible Lüge parat.

„Mein Gepäck ist leider auf dem Flug verloren gegangen, ich werde morgen gleich losgehen und mich mit dem Nötigsten eindecken.“ Wieder sein charmantes Grinsen, welches sich auf seine Lippen stahl. Sein Gegenüber konnte einfach nicht anders als darauf hin ebenfalls in ein schüchternes Lächeln zu verfallen. „Das ist wirklich ärgerlich, dann hoffe ich, dass Sie morgen fündig werden.“

„Danke, ich bin zuversichtlich.“ Nachdem dann alle Formalitäten geregelt waren, konnte Lycidas endlich sein Zimmer in Beschlag nehmen. Der Architekt, der dieses Zimmer entworfen hatte, schien eine besondere Vorliebe für Gold und Kitsch zu haben. An den Rändern vergoldete Möbel, goldfarbene Vorhänge, ein paar in Goldfarbe gestrichene Wände und, wie könnte es anders sein, eine Badewanne und ein Waschbecken komplett in schön glänzendem, dekadentem Gold. Er war zwar sichtlich froh endlich seine Ruhe zu haben, da er solche Plaudersituationen hasste, meist waren sie jedoch unumgänglich, doch in dieser Suite fühlte er sich eher wie ein weiterer Dekorationsgegenstand … Wohlfühlen sah jedenfalls anders aus …

Eins stimmte jedoch, was er der Frau gesagt hatte, neue Kleidung brauchte er wirklich. Die, die er trug, hatte er bereits seit ein paar Tagen an und so langsam wurde es unangenehm.
Da es noch ein paar Stunden bis Sonnenaufgang waren und er sowieso nur herumsitzen würde, konnte er sich genauso gut gleich um neue Sachen kümmern. Um die Zeit hatten wahrscheinlich glücklicherweise auch noch ein paar Läden offen, denn es war für ihn immer etwas unangenehm, irgendwo einzubrechen, meist in private Haushalte, um etwas für den Eigenbedarf zu entwenden.

Bevor er ging, ließ er es sich jedoch nicht nehmen, einen Blick vom Balkon auf die Stadt zu werfen. Er hatte auf seiner Reise viele Orte, Landschaften und wundervolle Ausblicke erlebt und hatte eine kleine Vorliebe dafür entwickelt. Es war bemerkenswert, was der Mensch im Laufe der Zeit, in den einzelnen Metropolen und Städten errichtet hatte. Es ist, als ob sich auf der Erde zwei verschiedene Welten entwickelt hatten, die jedoch beide nach demselben Prinzip funktionierten: Fressen oder gefressen werden.

In der Natur erfolgte dieses Prinzip lediglich auf härtere und unerbittlichere Weise, wie in der Stadt. Doch im Grunde lief es auf dasselbe hinaus. Wobei … es war fraglich, ob die Natur wirklich unerbittlicher als die Stadt war. Dies lag jedoch wohl im Auge des Betrachters …
Das Schlimmste, was einem Lebewesen jedenfalls in der Natur passieren konnte, wenn es einen Fehler machte, war, dass es von einem stärkeren und größeren Lebewesen gefressen oder getötet wurde. In der Stadt waren die Folgen jedoch, zumindest aus Lycidas’ Sicht, weitaus schlimmer.

Wenn einem normalen Durchschnittsmenschen ein Fehler unterlief, z. B auf seiner Arbeit, konnte es unter Umständen dazu führen, dass er seinen Job verlor und so schnell an keinen neuen herankam. Dies wiederum könnte zur Folge haben, dass er sein Haus oder Apartment verlor, daraufhin seine Frau sich von ihm trennte und er irgendwann auf der Straße saß. Die Folge wäre der soziale Ruin, ein Leben allein und auf der Straße, ohne zu wissen, wann man die nächste Mahlzeit bekam.

Wieder einmal führte er sich selbst vor Augen, weshalb er es vorzog, lieber allein zu bleiben. Nicht nur weil er so niemandem Schaden konnte, nein, auch er selbst konnte so von niemandem verletzt werden. Es war der problemloseste und bequemste Weg, den er gewählt hatte und das wusste er auch, doch er sah keinen Grund, dies in absehbarer Zukunft zu ändern …



Etwa zwanzig Minuten, nachdem er das Für und Wider seiner Reise erörtert und in den Abgründen seiner Seele geforscht hatte, befand er sich auf einer belebten Straße von Phoenix, von der er sich versprach, noch den ein oder anderen Klamottenladen zu finden. Tatsächlich hatten die meisten Läden noch geöffnet und so dauerte es auch nicht lange, bis er den richtigen Laden fand und sich ein neues Outfit zusammengestellt und bezahlt hatte.

Eigentlich hatte er vor, den schnellsten Weg wieder ins Hotel zu nehmen, nachdem er sich gestärkt hatte, doch der Plan ging nicht ganz auf. Ein geeignetes Objekt für seine Sättigung war zwar schnell gefunden und die Tat schnell verübt, doch anschließend wurde seine Aufmerksamkeit nur Minuten später wieder in Anspruch genommen.

Der Mensch, von welchem er getrunken hatte, und welchen er in einer dunklen Gasse zurückgelassen hatte, damit dieser sich erholen konnte (natürlich hatte er dessen Gedächtnis gelöscht), war nicht länger allein. Zwei Vampire, die noch relativ jung schienen, näherten sich dem entkräfteten Körper, wahrscheinlich selber gerade auf der Jagd und dankbar für dieses gefundene Fressen.

Lycidas konnte nicht glauben, was er da sah. Er wusste zwar von den Vampiren, die keine Skrupel hatten und Menschen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, töteten, um ihren Blutdurst zu stillen. Doch dass es welche gab, die selbst vor einem bereits am Boden liegenden, bei dem bereits Blut genommen wurde, nicht halt machten, fand er einfach nur widerlich.

Ein normaler Mensch hatte zwar nicht den Hauch einer Chance gegen einen Vampir, doch ab und zu gelang es trotzdem dem ein oder anderen den Klauen der Jäger zu entkommen und sich im Menschengetümmel zu retten. Einem Menschen, der jedoch bereits einem Vampir zum Opfer gefallen war und wohl bis zum nächsten Tag brauchte, um wieder zu Kräften zu kommen, wurde dieser geringen Chance beraubt, da er wahrscheinlich nicht mal merkte, wenn sich ein Angreifer näherte. Dass es in diesem Fall sogar zwar zwei waren, die diese bestialische Tat vollbringen wollten, verbesserte seine Chancen nicht wirklich.

Lycidas hatte keine Wahl, er musste eingreifen … sich einfach abzuwenden und zu gehen, würde er sich nie verzeihen und es war auch nicht seine Art. „Lasst diesen Menschen in Ruhe, ich habe bereits von ihm getrunken!“, sagte er, hielt jedoch genug Abstand von den beiden, sodass sie ihn nicht sofort attackieren konnten.

Die beiden wandten sich zu ihm um und sahen nicht gerade glücklich darüber aus, dass er ihnen ihre Mahlzeit streitig machen wollte. „Verschwinde, das hier geht dich nichts mehr an!“, antwortete einer der beiden und trat einen Schritt auf Lycidas zu, wobei er in einen der Lichtkegel des Mondes fiel, die in kleineres Abständen die Gasse durchfluteten.

Die Situation wurde gefährlicher, mit jeder Sekunde, die er länger hier blieb, das spürte er genau. Die Anspannung war den beiden Seiten deutlich anzumerken und sein Handeln würde entscheiden, ob diese Konfrontation friedlich auseinander ging, oder ob es im Kampf enden würde.

„Das sehe ich anders … Geht und sucht euch jemanden, der zumindest den Hauch einer Chance hat.“ Am besten gleich zwei, dann müsstet ihr niemanden töten, dachte er, obwohl er wusste, dass er die zwei als vollkommen Fremder moralisch niemals so prägen konnte, dass sie komplett einfach so auf das Töten verzichten würden und sich dafür pro Nacht mehr als nur einen Menschen suchen würden, doch er würde nicht zulassen, dass sie einen Mord begingen, solange er da war und es verhindern konnte.

Kurz tauschen die zwei einen Seitenblick aus. Er wusste, dass sie unmittelbar zum Angriff übergehen würden, denn schon oft hatte er sich in solch einer Situation befunden und er wusste mittlerweile, was die Gestiken und Mimiken von Verbündeten untereinander hießen.
Und genauso war es dann auch. Die beiden setzen zum Angriff an. Ihren Attacken auszuweichen, gestaltete sich nicht als all zu schwer. Er hatte mit seiner Einschätzung Recht behalten; die beiden waren noch sehr jung und dementsprechend unerfahren.

Doch der Tumult in der Gasse blieb nicht ganz unentdeckt. Immer mehr Menschen sammelten sich vor ihr und langsam wurde es ungemütlich. Die Leute sahen wahrscheinlich nicht viel, doch sie hörten alles und wenn sie den Mann am Ende der Gasse und die drei sahen, dann würde dies noch zu einer kostenlosen Unterbringung im städtischen Gefängnis führen. Und nichts läge Vampiren ferner als zu viel Aufsehen zu erregen und die Justiz auf sie aufmerksam werden zu lassen.

So als ob die beiden seine Gedanken lesen konnten, ließen sie sofort von ihm ab und suchten schleunigst das Weite. Natürlich hatte er ebenfalls nicht vor hier noch länger zu verweilen und tat es ihnen gleich.

Eigentlich hatte er ja vor gehabt, noch diesen Abend einen neuen Flug zu buchen, um in der nächsten Nacht direkt weiter zu ziehen, doch als er jetzt vor seinem Laptop saß, kamen ihm Zweifel. Sollte er wirklich weiter machen wie bisher und diese Stadt sich selbst über lassen?
Immerhin wäre dieser Mensch heute Nacht sicher ums Leben gekommen ohne ihn und es wirkte auf ihn nicht so, als wäre dies der einzige Fall der in solch eine Richtung ging, schließlich schien es für die beiden vollkommen normal gewesen zu sein, von einem Menschen zu trinken, der bereits bewusstlos in der Ecke lag. Vielleicht konnte er seinem schlechten Gewisse ja Abhilfe schaffen, wenn er für eine Weile hier blieb und weiterhin solche Taten, rücksichtsloser Vampire vereiltelte.

Dies waren zwar ziemlich egoistische Beweggründe, doch er hatte sich dazu entschieden, es zu versuchen … Hier zu bleiben und einen ganz neuen Lebensabschnitt zu beginnen.

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Dieser Beitrag wurde schon 3 mal editiert, zum letzten mal von Lycidas am 11.08.2010 19:20.

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