[Phoenix|M]: Emma Marlene Bearbaum

Hier finden sich alle Vampir-Charaktere, die dem Konsortium anhängen und dem entsprechend i.d.R. dem liberal-revolutionären Kodex angehören. Abkürzungen: F = Engster Kreis der Konsortiumsspitze/Familie | A = Auftragnehmer | M = Unterstützung/allgemeines "Mitglied"
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Emma
Vampir
Beiträge: 13
Registriert: 22.09.2016, 22:24
Posts: 1-2x/Monat
Charname: Emma Marlene Bearbaum
Alter: 26-28 Jahre
Vampiralter: 307 Jahre
Augen: zweifarbig grün
Haare: schwarzbraun
Größe: 170cm
Stadt: Phoenix
Rasse: Vampir
Kodex: Konsortium
Beruf: Künstlerin, Autorin (Emma-Chroniken)
Fähigkeiten: 1. Gedankenlesen
2. gedankliche Befehle
3. Kraft des Entzückens
Hauptchar: aBraXaS
FAQ: http://faq.vampir-rollenspiel.de
Kontaktdaten:

[Phoenix|M]: Emma Marlene Bearbaum

Beitragvon Emma » 01.10.2016, 17:16

Charakter von aBraXaS

Steckbrief

» Name, Alter, Rasse
» Einstellung
» Herkunft, Beruf/Finanzen
» Aussehen
» Eigenarten
» Bevorzugte Opfer
» Fähigkeiten/Stärken
» Schwächen
» Waffen
» Vorlieben
» Abneigungen
» Charakter
» Ziele
» Sonstiges
» Leben in Phoenix/Venedic



Name
Emma Marlene Bearbaum


Menschliches Alter
Man schätzt sie meist zwischen 25 und 27 Jahren ein, könnte aber auch glauben, sie wäre schon 27 Jahre alt. Leicht ist es in keinem Fall, vor allem eben deswegen, weil sie ihr Äußeres ständig wechselt und mit verschiedenen kleinen, unterbewussten Botschaften spielt. Somit kann sie auch mal 19 Jahre alt wirken. Fragt man sie allerdings nach ihrem Alter, antwortet sie meist, sie sei 25 Jahre alt. Das ist für sie das passendste Alter, wie sie findet, auch wenn sie der Frage auch mal gern aus dem Weg geht und einfach mit einem Lächeln zwinkert und es für sich behält.


Rassenbedingtes Alter
307 Jahre alt


Art/Rasse
geborene Vampiress (weint allerdings keine blutigen Tränen)

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Einstellung
Speziell/Kodex:
Konsortium


Menschen/Vampire:
Sie hat keine sonderliche Einstellung zu Menschen oder Vampiren. Sie respektiert und akzeptiert sie so, wie sie sind, gleich welcher Art sie sein mögen und stört sich nicht an verschiedenen Eigenheiten, die andere vielleicht abstoßen oder heftigst anziehen könnten. Das Individuum ist für sie wichtig und wenn sie glaubt, es passt, dann unterhält sie sich auch gerne mit diesen Personen.

Allerdings sei hier zu sagen, dass sie einige Vampire in jedem Fall für viel zu eingefahren hält. Vor allem, was die Kodextreue angeht. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass - vor allem in der Gothic- und/oder Vampyrszene - die Leute davon ausgehen, dass es sich um einen Vampyr handelt, wenn von Vampiren erzählt wird oder aber, dass sie es einfach akzeptieren, wenn jemand von sich behauptet, ein Vampir zu sein.

Es fällt dort von ganz allein nicht auf, dass es eine Tatsache ist, denn die Bewunderung zur Legende ist so weit gefächert und so intensiv bewundert, dass man im Hinterkopf "weiß", dass es eben keine "echten" Vampire gibt. Sie hat nie ein Problem damit gehabt, die Wahrheit zu sagen, aber gleichzeitig nicht zu verraten, dass es Vampire wirklich gibt. Die Szenen, in denen sie sich bewegt, akzeptieren ohne weiteres, dass sie sich als Vampiress bezeichnet und zeigen keine aufhorchenden Verhaltensweisen, die darauf schließen ließen, dass Emma jetzt etwas erzählt haben könnte, was Menschen eigentlich nicht wissen dürfen.

Unter diesem Aspekt scheinen verschiedene Vampire, vor allem die nostalgischen, die Sache nicht zu betrachten. Viel auffälliger ist natürlich ihr eigenes Verhalten, wenn sie beobachtet und "enttarnt" werden und dann bestätigend reagieren, als einfach zu sagen: "Natürlich bin ich ein Vampir." Schon würden sich, so Emmas Auffassung und Erfahrung, die Leute umdrehen, nicken und nicht weiter darüber nachdenken. Er/sie wäre in diesem Fall nur ein weiterer "Freak", ob nun bewundert oder verabscheut, aber eben ein Mensch, der behauptet ein Vampir zu sein. Emma ist der Auffassung, dass diese Vampire es sich viel zu schwer machen, in der menschlichen Gesellschaft unerkannt zu bleiben. Sie machen sich zuviel Druck und viel zu viele Gedanken.

Natürlich können einige ihr Verhalten weder verstehen, respektieren, noch tolerieren, somit muss sie immer damit rechnen, dass ein engstirniger, kodextreuer Artgenosse ihr nach dem untoten Leben trachtet. Ein resignierendes Aufseufzen ist dann allerdings das einzige, das sie von sich gibt, vielleicht gepaart mit einem leicht entnervten, aber dennoch überaus ruhigen Augenverdrehen, bevor sie zu den Waffen greift und sich gegen ihren Angreifer wehrt... bis dieser zu Staub zerfällt.

Nicht alle Kämpfe waren so einfach zu bestehen, aber ihre Fähigkeiten und ihr Alter, ihr Wissen und Können haben sie schon oft davor bewahrt, selbst zu unterliegen. Alle anderen Male fand sie einen schnellen Abgang aus der Szene und ward nicht mehr gesehen. Das allerdings ist etwas, das sie doch ziemlich nervt, denn nicht immer will und kann sie einfach in die nächste Stadt umziehen, wenn ihr Aufenthaltsort Zielort dieser Attacken wird. Sie hofft nun in Phoenix einen Ort gefunden zu haben, an dem sie ihr Dasein so fristen darf, wie es ihr genehm ist.


Sonstiges:
-

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Herkunft
Das Land der Dichter und Denker: Deutschland im 18. Jahrhundert in den südlicheren Gefilden. Danach London, England für eine lange Zeit bis es sie nach New York verschlug. In dieser Stadt fand sie ihre ersehnte Freiheit, musste dann allerdings aus verschiedenen Umständen heraus nach San Fransisco umsiedeln. Ein festes Zuhause fand sie nun erst hier in Phoenix, zumindest glaubt und hofft sie daran, dass sie es hier gefunden haben könnte, auch wenn sie New York noch immer sehr vermisst.


Beruf/Finanzen
Emma ist Künstlerin und Schriftstellerin. Sie hat beispielsweise die (Ingame) bekannten Vampirreihe "Emma-Chroniken" herausgebracht (im Charakterwissen befindet sich eine Zusammenfassung).
Des Weiteren betreibt sie eine Galerie ("Galerie Noir"), in der sie unter anderem Blutbilder verkauft (von ihr gemalte Bilder mit Blut derer, die ein solches von ihr wünschen).


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Aussehen - Übersicht
  • Augen:
    zweifarbig - heller grün und dunkler grün, beide etwas leuchtend und nicht ganz so natürlich, wie man es von einem Menschen gewohnt wäre

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  • Haare:
    tiefschwarz (Natur dunkelbraun), rückenlang, manchmal bunte Strähnen
  • Frisur:
    unterschiedlich, je nach Laune, gerne so:

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  • Größe:
    170cm
  • Figur:
    schlank, erotisch weibliche Rundung mit breitem Becken
  • Gesicht:
    sehr hellhäutig
  • Stimme:
    angenehm, nicht zu hell
  • Kleidung:
    komplett unterschiedlich - vom Teeny/Mary-Jane-Look bis hin zur gestanden Vampiress des Adels - nur Jeans trägt sie ungerne, lieber Kleider und Röcke; Zuhause ist eine Ausnahme, da kann sie auch mal Boxershorts & Ringelsocken tragen; grundsätzlich aber kleidet sich Emma gerne bewusst lasziv
  • Schmuck:
    divers, meist passend zur Kleidung; was aber immer:

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    ein Anhänger mit dem Blut ihrer Mutter und ihrem eigenen; Emmas vampirisches Blut bildet den dunklen Tropfen in der Mitte
    Ansonsten: einfacher, silberner Ring am rechten Ringfinger; manchmal welche am rechten Daumen mit Ornamentstrukturen, Fußknöchelkettchen, Halsbänder (Samt, Leder, what ever) etc.
  • Piercings:
    Lippenpiercing (nicht immer; silberner Ring mit winzigem Diamanten; mittig); linker Nasenflügel winziger Saphir; mehrere um die Ohrmuscheln und im Knorpel des rechten Ohrs; Bauchnabelpiercing, Intimpiercing
  • Tattoos:
    -
  • Narben:
    -
  • Besonderheiten:
    -

Aussehen - Beschreibung
Absolut und ungewöhnlich. Emma hat ihren ganz eigenen Stil, lässt sich in keine Szene oder Gruppierung einsortieren, wird aber hin und wieder - je nach dem, wie sie sich kleidet - in die ein oder andere Schublade gesteckt. Es kann mitunter sehr amüsant sein, sie jeden Tag zu sehen und sie immer wieder neu kennenzulernen, denn Kleider machen Leute und sie tritt den vorgefertigten Meinungen mit ihrem Aussehen definitiv extravagant entgegen. Doch beginnen wir mit den natürlichen Zügen, die nur durch Farbe hervorgehoben werden.

Ihre Augen sind zweifarbig, jedoch nicht braun und blau, wie es oft bei den betroffenen Personen ist, sondern in zwei verschiedene Grünabstufungen gehalten. Mancheiner würde ihr nicht glauben, dass sie keine Kontaktlinsen trägt. Geschminkt ist sie grundsätzlich mit schwarzem Kajal und gleichfarbigem Mascara. Wenn sie Lust darauf hat, kann es gut sein, dass sie grünen oder schwarzen Lidschatten verwendet, ganz nach Outfit, ganz nach Stimmung und die ist, wie weiter unten beschrieben, sehr wankelmütig.

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Ihr Haar ist in der Grundfarbe tiefschwarz, in Natura wäre sie dunkelbraun, und lang bis in den Rücken hinein. Sie hat allerdings hin und wieder grüne, blaue oder auch mal pinke Strähnen im Haar, wie es ihr gerade in den Sinn kommt. Es war auch schon einmal in tiefes Weinrot getaucht, doch es ist selten, dass sie ihr Haar gänzlich färbt. Die Strähnen jedoch, können sich nach Laune, auch täglich ändern oder sie bleiben auch mal wochenlang unifarben. Ihr Haar selbst ist sehr fest und dicht, es ist glatt, kann sich aber in feuchtem Zustand wie beispielsweise bei nebligem oder regennassen Wetter, auch leicht wellen, an den Spitzen einige Locken bilden.

Ansonsten ist ihr Haar so beschaffen, dass man mit ihm viele verschiedene Frisuren leicht zustande bekommt. Ob nun edel hochgesteckt mit frechen Fransen oder gänzlich etwas wilder, nahezu verrucht, offen, Seiten- oder Zickzackscheitel und nach hinten gedreht, zu einem Dutt geformt, mit einem Bleistift hochgesteckt, Zöpfe geflochten, Zöpfe gedreht, Pferdeschwanz, zwei Dutts oben auf dem Hinterkopf mit knallfarbigen, langen Bändern umbunden oder wilde Mähne, wellig gefallen, alles ist möglich, alles auch schon mindestens einmal ausprobiert. Zeitweise hatte sie auch eine Kurzhaarfrisur, darauf allerdings legt sie heute kaum noch einen Wert.

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Emma ist 170cm groß, hat eine schlanke Figur und weiße Haut. Nicht nur, weil sie ein Vampir ist, sondern auch, weil sie es ästhetisch viktorianisch findet, ist sie stolz auf diese samtigweiße Bleiche. Ihre Brüste sind rund und fest und etwas mehr als jeweils eine Hand voll groß. Erotisch weibliche Hüften bewegen sich anmutig und sie hat die richtigen Rundungen an den richtigen Stellen und auch die ein oder andere Weichheit mehr, steht ihr überaus gut. Allerdings würde man sie immer noch als schlank bezeichnen. Schön anzusehen ist in jedem Fall, dass sie einfach durchweg gut proportioniert ist. Ihre Beine sind nicht zu dünn zum Körper gesehen und ihre Schultern nicht zu schmal oder gar zu breit. Ihre Hände sind feingliedrig und eigen, aber nicht zerbrechlich. Ihr Schlüsselbein zeichnet sich leicht ab, doch ihre Rippen scheinen nicht durch die helle Haut hindurch. Es ist für sie das, was sie als perfekten Körper bezeichnen würde. Eine Frau, die zufrieden mit sich selbst und mit der Welt im reinen ist.

Um nun auf ihre Kleidung zurückzukommen, die extravaganter nicht sein könnte, beginnen wir mit einem "Tages"ablauf, den sie sowohl außerhalb als auch innerhalb ihrer vier Wände verbringen kann. Es interessiert sie mitnichten, was andere Leute von ihr halten und somit öffnen wir den Kleiderschrank, an deren zwei, in seiner Pracht und Inhaltsvielfalt.

Steht sie auf, so kann man gut und gerne einer Snoopy-Boxershort mit weißem Unterhemd begegnen, das sich eng an ihren Oberkörper legt, manche sind sehr weiblich geschnitten. Auf der Straße würde sie dies natürlich nicht tragen, jedenfalls nicht die Boxershorts, aber sie hat diverse Trägeroberteile mit und ohne Motive, die sie hin und wieder doch gerne einmal trägt, vor allem dann, wenn sie einfach so für sich in die Stadt geht. Motivvorzug in jedem Fall "Hello Kitty" und "Emily - The Strange". Kurze Röcke jeglicher Art, solange mit Stil, passen für sie hier sehr gut zusammen. Mitunter kann man natürlich auch Ringelsocken und bunte Söckchen mit Motiven bei ihr finden, diese werden allerdings nicht sichtbar für die Öffentlichkeit getragen. Sprich: zuhause oder aber in geschlossenen Schuhen.

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Darunter zieht sie allerdings auch gerne entweder einen bodenlangen, unifarbenen Wickelrock oder weite schwarze Röcke an, die allerdings ebenso bis kurz über ihre schwarz-ledernen Stahlkappendocs reichen oder auch bequeme, weite Hosen mit ebenso weitem Schlag, auch mal Armyhosen in schwarz. Was sie nicht trägt, sind Jeans. Aber Hosen sind generell überaus selten. Es soll nur darstellen, welche Art von Hosen sie tragen würde, wenn sie welche trägt. Aber man wird wahrlich selten in diesen "Genuss" kommen.

Man kann sie allerdings auch in Schottenröcken antreffen, die sie verspielt mit hohen, weißen Kniestrümpfen kombiniert, einer weißen Bluse, die unterhalb ihres Busens mit einem Knoten zusammengebunden wird und wenn ihr danach ist auch mit einer schwarzen Krawatte und einer französischen Mütze, die sie seitlich auf ihrem Haupt drapiert.

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Ganz dem Schulmädchen-Manga-Style gleich, leicht frech mit zwei Zöpfen oder auch offenem Haar und auch hier ihre Docs oder aber auch mal schlichte, weibliche Mary Janes, die sie nicht nur in der samtenen Version besitzt, sondern auch eine Nachbearbeitung mit breiterem Absatz aus weichem, schwarzem Leder.

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Geht Emma aus, so wird es hier schon extravaganter, vielleicht nicht unbedingt in der Szene, in der sie sich bewegt, doch sicherlich für die "Normalbevölkerung", die die Szene schon als solches als beängstigend exotisch wahrnimmt. Korsetts sind zwar nicht an der "Tages"ordnung, aber sicherlich ein gelungener Nebeneffekt, sich zu präsentieren. Wobei hier gesagt werden muss, dass es ihr nicht um die Präsentation ihrer selbst geht, denn vorrangig möchte sie sich einfach selbst wohl und schön finden, gleich, ob das ihr Umfeld ebenso sieht.

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Sie mag es, wenn ihr Dekollete leicht nach oben gerückt wird und schmiegt sich gerne in die Enge der Korsage, was ihr weniger Probleme bereitet als mancheinem Menschen, da das Atmen nicht notwendig für ihre vampirische Existenz ist. Farblich sind sie alle dunkel gehalten. Dunkelrot, dunkelgrün, dunkelblau, dunkelviolett oder auch schwarz. Gepaart mit hübschen, bodenlangen und teilweise Gotik-angehauchten Kleidern aus Seide, Samt und Tüll - der gotische Stil angepasst an die zeitlich modernere Gothic-Szene. Sie betrachtet sich selbst oft als Kunstwerk und ist hier sehr penibel mit sich.

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Kontroverserweise können das aber auch Punk-Outfits mit rissigen, halterlosen Strümpfen sein, die sie in dieser Selbstperfektion aussucht und anzieht. Das Gesamtwerk mag unwirsch und vielleicht schlampig wirken, doch jedes Detail ist für sie in die richtige Szene gesetzt und in das richtige Licht gerückt, sodass sie auch hier ihre Penibilität vollkommen ausleben kann. Hat sie Lust auf Punk, werden die Farben etwas schriller. Meist werden die kurzen Schottenröcke dann mit eben diesen halterlosen ganzen oder zerlöcherten Strümpfen getragen, dazu eine etwas ausgefranste Frisur, etwas mehr Farbe auf den Lidschlägen und etwas knalligeren Lippenstift in rot. Dann bleiben die Riemenschuhe zuhause und sie trägt ausschließlich ihre geliebten Docs. Ihre Unterwäsche allerdings passt sich nur farblich leicht an, sie ist aber durchgehend aus einem Satin-Baumwollgemisch und unifarben dunkel gehalten, wie die Korsetts, die sie bevorzugt. Es kann allerdings auch einmal vorkommen, dass sie keine Unterwäsche trägt.

Bis auf die selten getragenen Army- und dunklen Stoffhosen ist sie, wie schon erwähnt, keine Hosenträgerin, obwohl sie zuhause, wenn sie ihren Leidenschaften in Lesen und Kunst nachgeht, auch hier auf ihre Jeans-Abneigung verzichtet und sich in schlumpfig-große Latzhosen kleidet, von denen ein Träger immer herunterhängt und unter dieser sie die oben erwähnten Unterhemden und Trägerhemdchen trägt, wenn überhaupt etwas - oftmals malt sie auch nackt, wie wir bei den Eigenarten feststellen werden.

Aber um auf die Latzhosen zurückzukommen: nach draußen geht sie mit diesen nur, wenn ihr die Acrylfarbe ausgeht und sie schnell neue besorgen muss. Sie hat aber auch hier kein Problem sich so der Öffentlichkeit zu stellen, sollte ihr der Sinn danach stehen. Doch sind das wieder privaten Momente, die sie außerhalb der "Szene" verbringt, in der sie sich vorzugsweise bewegt.

Schmuck ist ein Thema, das auch für sie einen großen Stellenwert in ihrem eigenen Gesamtkunstwerk hat. Silber bevorzugt und das ohne Ausnahme bis auf Weißgold, das der "Farbe" des Silbers doch sehr ähnlich ist. Sie liebt den Glamour in Diamanten, die Leidenschaft in Rubinen und die ungezähmte Wildheit eines Saphirs. Für sich würde sie niemals Strasssteine durch diese ersetzen, da sie der Ansicht ist, dass jeder Stein eine Seele innehat, die nicht durch eine Kopie ersetzt werden kann. So kann ein täuschend echt wirkender, aber falscher Diamant, ihr niemals vorgaukeln, er sei, was er scheinen mag.

Schmuck, den sie trägt, variiert natürlich auch hier in ihrer Garderobe, allerdings gibt es eine silberne, feingliedrige Kette, die bis zum Ansatz ihrer Brüste reicht, an dessen Ende ein Anhänger baumelt, den sie zu jeder Zeit mit sich trägt. Dieser Anhänger, geformt als winzige Phiole, beinhaltet einen einzigen Tropfen des Blutes ihrer geliebten Mutter, die ihr zugleich zu Lebzeiten auch die beste Freundin war, sowie ein Tropfen ihres eigenen Blutes. Diese Kette würde sie niemals ablegen.

Selbstverständlich wurden die Tropfen in eine gewisse konservierbare Substanz gegeben, wie sie heute mit alkoholähnlichen, chemischen Flüssigkeiten verwendet wird, um das Blut am Gerinnen zu hindern und ihm eine Umgebung zu schaffen, in der es überleben kann. Ebenso wie ihre beiden Seelen in Emmas Herzen weiterleben. Das vampirische Blut von Emma bildet einen dunkleren Tropfen im menschlichen Blut der Mutter.

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Weitere Schmuckstücke, die es Emma angetan haben, sind Diademe für den Ausgehabend, leicht strange angehauchte Colliers mit schwarzen Steinen und Piercings. Manchmal trägt sie ein Lippenpiercing (silberner Ring mit einem winzigen Diamanten), den sie mittig auf ihrer Unterlippe trägt, da sie es allerdings immer wieder neu durchstechen müsste, weil ihr Vampirkörper die Verletzung zu schnell heilt, bedient sie sich hier eines Halbringes, den sie einfach über ihre Lippen drücken kann. Sie hat im linken Nasenflügel einen kleinen Saphir und durch die Heilung, nimmt sie diesen nie raus, sodass die Haut hier um das Piercing verheilen konnte. Weitere Stecker zieren ihre Ohrmuschel und den Knorpel ihres rechten Ohrs, des weiteren hat sie ein Bauchnabelpiercing und ein Intimpiercing (ein keiner Stab oberhalb ihrer empfindlichsten Stelle).

Emma trägt des weiteren einen einfachen, silbernen Ring am rechten Ringfinger und wenn es zum Outfit passt, auch hin und wieder einen zweiten seiner Art mit wenigen Ornamenten am rechten Daumen. Feingliedrige, silberne Kettchen haben es ihr um die Fußknöchel angetan, aber diese können sich mitunter auch um ihre zierlichhübschen Handgelenke legen. Nietenarm- und Halsbänder passen sich dem ein oder anderen Outfit an oder aber sie trägt ein etwa ein Zentimeter breites Samtband eng an ihrem Hals anliegend, an welchem sich manchmal auch ein kleiner Rubinanhänger befindet. Auch Stirnbänder können sich in ihrer Mode wiederfinden. Jedoch variiert sie immer alle Schmuckstücke und Accessoires dezent, sie tragen nicht auf und wirken niemals übertrieben, sondern jeweils passend zu dem, was sie an Kleidung trägt.

Sonstige Besonderheiten/Accessoires in ihrem Aussehen sind sicherlich auch die lackierten Nägel an ihrem Körper, die bei den Füßen immer identisch zu den Fingernägeln gestaltet sind. Meist ist der Grundton schwarz und darauf finden sich dann ein farbiger Strich oder eine Marmorierung in passendem Look. Bei sich trägt sie auch immer wieder verschiedene Taschen. Ihr liebste ist von der Collection "Emily the Strange", doch es könnte auch eine einfache Armytasche sein oder auch mal gar keine, wenn diese so gar nicht zum Outfit passen möchte. Wenn sie einen Mantel trägt, was sehr selten der Fall ist, dann nur einen langen Ledermantel oder aber einen hüfthohen, taillierten aus weichem, synthetischen, schwarzen Stoff.

Einem qualitativ hochwertigem Regencape ähnlich, welches sie als solches ebenso besitzt, dieser allerdings hat im Gegenzug eine weite Kapuze. Ein gutes Mittel die Nacktheit zu verbergen, um jemanden auf recht hübsche Weise zu überraschen, dazugehörig dann natürlich der knallrote Regenschirm, der an einer kleinen Stelle durch ein Emblem verrät, dass auch dieser von der "Emily-"Collection stammt.

Für die wirklich absichtlich erotischeren Nächte trägt sie auch gerne heiße, knappe Outfits, die nach Laune wechseln. Ansatzweise könnten auch einfach die halterlosen Strümpfe durch Strapsennylons mit Spitzen ausgetauscht werden. Man darf sich zumindest immer überraschen lassen, wie sie sich in einem Moment des Aufeinandertreffens fühlt.

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Eigenarten
Ihr Aussehen ist schon eine Eigenart in sich, hier fügt sich dann auch ihr Musikgeschmack an. Neben den typischen Klängen von Gothic, EBM, Melodic und Dark, gesellen sich dann auch strange Töne dazwischen, die zwischen Nick Cave & The Bad Seeds (aber nur "Hiding all away" und "There she goes, my beautiful world"), Marlene Dietrich, Frank Sinatra, Glen Miller, Louis Armstrong, Elvis Presley und Jazzabwandlungen wie besondere Interpretationen der folgenen Songs: Summertime, Nothing Compares 2 U, I'm linke a bird, Don't know why und True Colors

Weitere Eigenarten sind sicherlich komplett in ihrem Wesen zu finden, das definitiv extravagant ist, sich nicht daran stört, was andere zu ihrem Äußeren oder ihrem Verhalten sagen. Beispielsweise singt sie unter der Dusche und auch, wenn sie sich künstlerisch betätigt oder aber mit irgendetwas anderem intensiv beschäftigt ist (natürlich nicht beim Sex, was aber nicht heißen soll, dass sie diesen nicht weniger intensiv auslebt). Ihre Stimme und die Klangfarbe dieser sind zwar sehr angenehm, aber sie kann nicht singen, es hört sich zwar nicht schräg an, aber dennoch würde sie dafür niemals einen Plattenvertrag bekommen.

Was mit der Kunst derweilen noch zusammen hängt, ist, dass sie gerne auch mal mit Blut malt. Sei es ihr eigenes oder das eines Freiwilligen, der sicherlich einen leichten Fetisch mit sich trägt, um sich darauf einzulassen. Beziehungsweise bietet sie auch an, Gen-Bilder zu malen, die blutorientierte Leute sicherlich als außergewöhnliches Geschenk anziehend finden. Mitunter hat sie auch die Angewohntheit, wenn sie dafür bezahlt wird, ihr "Portrait"-Objekt zu malen, wenn sie selbst nackt oder nur halb angezogen ist. Es gibt verschiedene Kleinigkeiten, die sie in ihrem "Geschäft" anbietet, aber diese würden dann Ingame im entsprechenden Bereich beschrieben werden.

Blutspielchen sind für sie generell eine nette Abwechslung. Nicht nur, weil sie als Vampir auf diesen Lebenssaft angewiesen ist, sondern auch aus reiner Lust. Sie wird daher in der menschlichen Vampyrszene ohne weiteres als ihresgleichen aufgenommen und akzeptiert, auch wenn sie hier, wie in jeder anderen Szene, nicht dieses Zugehörigkeitsgefühl verspürt. Sie ist einfach sie selbst, kann aber nach außen hin schon in die ein oder andere Schublade gesteckt werden, wenn ihre Gegenüber sie schon irgendwo einteilen müssen. Nur Lustigerweise könnte sich das in der nächsten Nacht in neuer Erscheinung sicherlich wieder wenden, wenn der gleiche Gegenüber sieht, dass sie irgendwie auch woanders unterzuordnen sein könnte.

Ihr Favel für "Emily the Strange" und "Hello Kitty" könnten man auch als Eigenart bezeichnen, da es als jugendlicher Eigencharme abgetan wird oder werden kann, der zu ihrem Alter in dieser Form natürlich nicht passt. Sie liebt zuhause ebenso Ringelsocken oder welche mit lustigen Motiven und auch das würde man ihr, wenn sie abends ausgeht, nicht wirklich zuschreiben. Dazu kommt, dass sie als Vampiress eine Vorliebe für Zucker entwickelt hat. Immer wieder wird sie anzutreffen sein, wenn sie eine dieser zauberhaften Zuckerpailletten auf der Zunge zergehen lässt. Es ist das einzige, das sie zu sich nehmen kann, solange es nicht zu viele auf einmal sind, von dem ihr nicht übel wird und sie sich übergeben muss.

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Des Weiteren ist auch ihr nicht vorhandener Freundeskreis eine Eigenart. Sie könnte viele mehr oder weniger echte Freunde haben, denn ihre extravertierte Art auf Leute zuzugehen, würde es leicht machen, Kontakte zu knüpfen, dennoch zieht sie es vor, sich eben nicht freundschaftlich zu binden. Ihre Eigenwilligkeiten sind so sehr auf sich bezogen ausgerichtet, dass sie es als Störung empfinden würde, darin unterbrochen zu werden. Auch hat sie nicht das Bedürfnis, sich anderen anzuvertrauen und wüsste auch nicht, was sie ihnen erzählen sollte. Vielleicht aber liegt das daran, dass für sie einfach alles einen plausiblen Sinn ergeben muss und sie "Freundschaften" als solches nicht für sinnvoll erachtet, wenn man keine Probleme hat oder ähnliches. Sie hat es nicht anders kennengelernt (außer im Bezug auf ihre Mutter, die natürlich den höchsten Stellenwert in diesem Zusammenhang erhält) und hatte nie ein wirkliches Problem mit sich selbst, kann also nur aus Zeitschriften und dem Fernsehen oder von Erzählungen heraus feststellen, wie eine Freundschaft "funktioniert".

Sie betrachtet solche Dinge eher nüchtern, aber wer weiß, ob sich das nicht auch ändern kann. Es ist also eher unterbewusst, dass sie nicht viel erzählt. Sie spricht offen über sich und das, was in ihrem Leben passiert, aber das sieht sie als Bericht an, nicht als Emotion aus ihrem Inneren. Ihre Gedanken- und Gefühlswelt ist hier etwas verdreht. Sie macht sich dementsprechend nicht wirklich große Gedanken darüber, wie Freundschaften in ihrem Leben integriert werden könnten oder sollten. Sie wehrt sich gegen nichts, was sich entwickelt, aber irgendwie gibt sie auch ohne es zu wissen gar keinen Raum frei, in dem sich etwas derartiges entwickeln könnte.

Nebenbei erwähnt, hat Emma eine Vorliebe für Filme und ihre Wohnung sieht dementsprechend - wenngleich wirklich kunstvoll und ansprechend - dekoriert aus. Meistenfalls findet man an den Wänden nicht nur ihre eigenen freizügigen, fetischlastigen Gemälde und Photografien von sich selbst, sondern auch Zeitungsausschnitte von bestimmten Filmstars, alte Plakate und Werbetafeln, die sie ansprechend gefunden hatte - alles Originale versteht sich.

Eine weitere Eigenart ist in jedem Fall ihr Künstlerdenken. Sie gibt nicht gerne die Hand zum Gruß, wie viele Künstler diese Geste nicht schätzen. Und sie hat eine mehr oder weniger ausgeprägte exhibitionistische Neigung.

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Bevorzugte Opfer
Da sie sich hauptsächlich in der dunklen Szene aufhält, sind auch dort ihre Opfer zu finden. Sie macht allerdings keinen Unterschied zwischen männlich und weiblich. Mitunter verbindet sie die "Nahrungsaufnahme" mit dem Sex. Sie trinkt immer wieder gerne von jemandem hier oder dort, ohne die Person töten zu müssen. Für sie ist es ein Spiel. Nichtsdestotrotz hat sie bei wirklichem Durst keine Skrupel auch zu töten. Sie denkt nicht darüber nach, es passiert einfach. Entweder es ist so oder anders, sie plant es nicht. Mit dem Tod an sich geht sie recht unterkühlt um.

Es kann vorkommen, dass sie bedauernd auf das "Opfer" sieht, das seinen letzten Atemzug getan hatte, und sich ärgert, dass sie es nicht noch etwas hinauszögern konnte, weil die Situation gerade so schön war, bevor sie über das Opfer hinwegsteigt und einfach ihrer Wege geht, ohne sich weiter damit zu beschäftigen. Es ist eher wie ein Schulternzucken. Hätte sie die Fähigkeit des Vergessens, würde sie sie wohl nicht anwenden. Warum auch? Geht doch auch so.

So in etwa lässt sich ihr Verhalten beschreiben. Aber wie gesagt, findet sie meist sogar Freiwillige, die sich auf die Blutspielchen der "strangen Vampiress" einlassen, weil sie selbst drauf stehen. Bluttrinken an sich ist für sie Leidenschaft, lebensnotwendiges Spiel und purer Sex. Sie liebt die Erregung, die sich in ihr dabei ausbreitet und genüsslich genießt sie jeden einzelnen Tropfen, den sie erhaschen darf, kann oder einfach nimmt.

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Spezialisierte Begabungen & weitere Stärken
  • ausgereifte Form des Gedankenlesens
  • gedankliche Befehle
  • Kraft des Entzückens

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Schwächen
Sicherlich ihre Offenheit, die sie zum Ziel für Vampire macht, die nicht verstehen können, dass sie trotz ihrer Offenlegung bezüglich ihres Daseins, die Rasse der Vampire nicht gefährdet. Sie wird so mehr als oft zum Ziel für Attacken oder Auseinandersetzungen. Einige allerdings haben auch begriffen, dass sie keine Gefahr für ihre eigene Rasse darstellt. Leider sind es nicht alle.

Blut ist vor allem ihre Schwäche. Sie lässt sich gern von hübschem Äußeren damit locken, vergisst sich gerne in diesen Situation und gibt sich diesem Rausch vollkommen hin, sodass sie ihre Umgebung nur mehr oder weniger wahr nimmt. Sollte dies jemand für seine Machenschaften ausnutzen, hat er ein mehr oder weniger einfaches Spiel, sie zu überwältigen, denn sie geht bestenfalls immer davon aus, dass die Leidenschaft des Angebotes ebenso auch beim Gegenüber vorhanden ist und dieser sich auf dieses Spiel des Spieles Willen einlassen möchte und nicht, dass es eine Falle sein könnte.

Auffällige Situationen durchschaut sie allerdings und lässt sich entweder zum Schein oder gar nicht darauf ein. Es muss schon überzeugend "gespielt" sein, damit man sie wirklich auch in diese Situation bringen kann.

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Waffen
Einen Dolch, fünf schwarze, hübsche Wurfsterne, die an ihren Rändern in reines Silber getaucht worden waren und eine silberne Colt Double Eagle. Die Kunst der Verführung (Kraft des Entzückens) und ihre weiblich-vampirische Schönheit sowie die Gedanklichen Befehle als ihre weitere Fähigkeit zu Manipulieren, welche gegen Vampire natürlich machtlos sind.

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Vorlieben

  • Musik:
    Neben den typischen Klängen von Gothic, EBM, Melodic und Dark, gesellen sich dann auch strange Töne dazwischen, die zwischen Nick Cave & The Bad Seeds vornehmlich aber nur die Songs "Hiding all away" und "There she goes, my beautiful world", Marlene Dietrich, Frank Sinatra, Glen Miller, Louis Armstrong, Elvis Presley und Jazzabwandlungen von: Summertime, Nothing Compares 2 U, I'm linke a bird, Don't know why und True Colors
  • Farbe:
    rot
  • Ambiente:
    bizarr, stilvoll
  • Eigenschaften:
    Ehrlichkeit
  • Aussehen:
    extravagant
  • Geschlecht:
    beide
  • Hobbies:
    zeichnen, schreiben, malen, flirten, Sex, Blutspielchen, Mode, Zuckerpastillen lutschen, lesen
  • Allgemeines:
    -

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Abneigungen
  • Musik:
    kommerzielles
  • Farbe:
    fast keine
  • Ambiente:
    langweiliges, verbohrtes Ambiente
  • Eigenschaften:
    gibt diverse
  • Aussehen:
    unhygienisches Sein, langweiliges Äußeres
  • Geschlecht:
    -
  • Aktionen:
    divers
  • Allgemeines:
    -

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Charakter

Kurzbeschreibung:
s.u.

Ausführliche Beschreibung:
Eigen. Fast schon reicht das aus, um sie zu beschreiben, oder man versucht sich an einem Roman und findet kein Ende. Aber um ihren Charakter zumindest im Groben zu umreißen, sei gesagt, dass sie neben ihrer "Strangeness" und ihres so ganz eigenen, extremen Geschmacks eine sehr offene und umgängliche Person ist. Emma ist sehr extravertiert und in den meisten Fällen einfach ehrlich, ob man es nun glauben möchte oder nicht, was sie sagt. Sie hat ihre so ganz individuelle Art und Weise mit ihren Gegenübern umzugehen. Sie verstellt sich niemals, sondern ist immer so, wie sie sich fühlt und trägt nach außen, was sie denkt, ohne das groß zu erklären oder es weiter zu kommentieren.

Mancheiner, der sie noch nicht länger kennt oder sie öfter erlebt hat, könnte das Gefühl bekommen, sie sei egoistisch und wohl auch etwas egozentrisch. Es ist richtig, dass Emma sehr selbstbewusst ist und genau weiß, was sie möchte und das auch äußert und zeigt, aber mitnichten beansprucht sie alles und jeden für sich oder rückt sich selbst absichtlich in den Mittelpunkt. Es passiert meist von selbst, allein schon durch ihr extravagantes Auftreten, aber liegt nicht in ihrer Natur sich dafür so anzuziehen oder sich deshalb so zu verhalten. Sie ist wie sie ist und das bringt sie von selbst in den Mittelpunkt, den sie manchmal nicht einmal so gerne hat. Viel lieber sieht sie andere dort stehen und erfreut sich mit diesen über ihre Besonderheiten.

Auch wenn sie keine Freunde hat, zumindest nicht für sich bewusst und gelebt, sehen viele andere sie als ihre Freundin und zählen sie zu ihrem Freundeskreis. Sie wehrt sich nicht gegen eine Vorstellung a la "Das ist eine Freundin von mir." Sie würde es nicht revidieren, aber auch nicht bestätigen. Es hat für sie keinen Stellenwert, denn sie respektiert alle Wesen um sich herum, wie sie sind und kommt von sich aus mit vielen einfach ohne weiteres klar.

Sie sagt direkt, was sie denkt, aber niemals mit Hintergedanken. Falsche Schmeicheleien liegen ihr fern. Sie kommentiert, wenn es ihr in den Sinn kommt oder macht sich einfach nur ihre eigenen Gedanken, äußert diese dann auch nur, wenn sie danach gefragt wird. Es passiert alles einfach, es ist nicht wissentlich oder gewollt. Auch hier kann man sich nur wiederholen, wenn man sagt: Sie ist einfach wie sie ist. Und für diese Natürlichkeit wird sie gemocht, auch wenn sie dem ein oder anderen mit ihrer Ehrlichkeit vor den Kopf stößt. Im Nachhinein wird genau das dann doch geschätzt, auch wenn sie offen sagt: "Du bist nicht mein Fall, ich kann Dich nicht leiden." Man weiß einfach, im Gegensatz zu vielen anderen, woran man bei ihr ist.

Ihre offene Art hat es ihr sehr erleichtert, sich mit den Neuerungen der Moderne anzufreunden, sehr schnell Anschluss dazu zu finden und sich zurechtzufinden. Sie nahm alles offenen Herzens auf und nahm sich einfach heraus, was für sie gut und passend erschien und so spiegeln sich mitunter auch "alte Zeiten" in manchen Outfits wieder. Es kommt ihr nur gelegen, dass viele in der Gothic-Szene (und auch in anderen Bereichen) Korsagen und Korsetts ansprechend finden und sie wieder zur Mode zählen. Aber auch wenn es nicht so wäre, hätte sie diese Detailvorliebe aus einer anderen Zeit beibehalten. Jedoch soll dies nur ein kleines Beispiel dessen sein, was sie sich aus der Zeit beibehält. Es ist ihr einfach egal, was andere denken, sie nahm sich von jeher die für sie positiven Eigenheiten einer Epoche mit und wandelte diese in ihre eigene Interpretation und Sicht der Dinge um, lebt sie weiterhin und findet immer wieder neues.

Gerade die heutige Zeit bietet ihr Möglichkeiten, die sie zuvor nicht für möglich gehalten hätte. Immer mehr Dinge gibt es, die sie für sich bezeichnend findet und annimmt. Gerade auch was die Musikentwicklung angeht, ist sie sehr angetan, dass es scheinbar jemand schafft, ihren Stil zu treffen. Es gab in den Vergangenheiten immer wieder Musikstile, die sie als angenehm empfand, doch gerade in der heutigen Gothiczeit fand sie Musik, die endlich auf ihr Inneres abgestimmt zu sein scheint. Manchmal kommt der Gedanke in ihr auf, dass sie in einer ganz falschen Zeit geboren wurde, denn erst heute kann sie zu ihrer vollen Blüte heranreifen.

Gespannt auf die Dinge, die da noch kommen mögen, genießt sie ihr untotes Leben in vollen Zügen. Es gibt seltenst einmal etwas, das in ihr wirklich melancholische Gefühle auslöst, außer es handelt sich um die Ungerechtigkeiten des Lebens, die sich in keiner der Zeitepochen, die sie durchlebte, je geändert hatten. Sie reagiert auf diese allerdings nicht mit Mitleid oder Trauer, sondern vor allem mit Wut über die Ignoranz, die Blindheit der Menschen oder über die Gewalt, die sich viele gegenseitig antun oder vor allem Schwächeren. Sie ist keine Märtyrerin und sieht sich nicht als Robin Hood, aber wenn sie aktiv einer Szene gewahr wird, schreitet sie ein und das mit vollem Temperament und oftmals auch tödlichem Ausgang, wenn es sein muss.

Emma kennt keinen Skrupel, wendet aber auch nur selten absolute Reaktionen an. Auch hier passiert dies nicht bewusst, sondern eher deshalb, weil sie es in diesem Augenblick so fühlt. Aggression selbst ist ihr eigentlich fremd, wenn es keinen wirklich triftigen Grund dafür gibt. Gerne wäre sie komplett pazifistisch, aber leider machen manche Vampire, die ihre offene Art nicht zu schätzen wissen, diesen Wunsch zunichte, weil sie in Notwehr handeln muss, sollte es nicht gleich einen Weg geben, sich aus der Situation hinauszustehlen.

Die Vampiress hat einen eigenen, trockenen, manchmal auch zynisch ironievollen Humor. Sie bedient sich hier der Situationskomik, aber niemals macht sie sich über Schwächere lustig oder lästert. Gerne lacht sie auch über sich selbst oder mit anderen über eigene Missgeschicke, die allerdings nicht all zu häufig passieren. Sie sieht das Leben als Geschenk an und ist der Meinung, dass jeder seine Daseinsberechtigung hat, obwohl dies nicht im Einklang damit steht, dass sie ohne mit der Wimper zu zucken töten kann.

Zu erklären ist dies für sie im Lauf der Dinge und des Lebens, leben, überleben, sterben, der natürliche Kreislauf von fressen und gefressen werden. Denn hier schließt sich der Kreis, da der Vampir ebenfalls seine Daseinsberechtigung hat und dieser sich auf ganz natürliche Weise vom Blut eines Menschen ernährt und es eigentlich in seiner Natur liegt, diesen Menschen auch zu töten. Allerdings geht sie nicht mit solch einem Gedanken auf die Suche nach einem Opfer. Eher sucht sie auch gar nicht nach einem Opfer, sondern nach einer Person, die die Liebe des Blutes mit ihr, wenngleich auf andere Art und Sichtweise, teilt und sie sich in einem Spiel wiederfinden, in dem sie allerdings die dominantere Person bleibt. Schließlich ist es nicht ihr Bedürfnis, den Menschen umzuwandeln, allerdings könnte dies natürlich auch passieren, wenn sie nicht aufpasst.

Ist es schon einmal passiert? Normalerweise sucht sich Emma gleich jemanden, der eher die devotere Haltung einnimmt und nicht einmal in die Versuchung kommt, von ihr zu trinken. Mitunter hat sie einen guten Blick dafür entwickelt und Emma kann durch das Gedankenlesen auch schnell herausfinden und mitbekommen, welche Taten folgen mögen. Somit konnte sie sich bisher davor schützen, ungewollt jemandem zum Vampir zu machen. Hat sie die Lust, es andersherum zu erleben, verzichtet sie darauf, selbst zu trinken, oder aber setzt es ganz ans Ende der Situation, die oftmals dann allerdings tödlich für das Gegenüber ausgeht, da sie sich zu lange zurückhielt und der Durst sie überwältigt.

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Ziele
eine offene, aufgeschlossene Welt, wo man sich gegenseitig in Ruhe lässt

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Sonstiges
betreibt eine Blutgalerie

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Leben in Venedic/Phoenix/New York
folgt


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Re: [Phoenix|M]: Emma Marlene Bearbaum

Beitragvon Emma » 01.10.2016, 17:23

Lebenslauf


1699 - Wie alles begann

Aufrichtige Liebe stand in seinen Augen, als er ihr Gesicht in seinen Händen und seine Lippen auf den ihren bettete, sie dann fest in seine Arme zog und sie beide lachend in das kühle Gras fielen, auf dem sie es sich unter sternenklarem Himmel gemütlich gemacht hatten. Das helle, schöne Lachen der Frau ließ die Rehe aus ihrem Schlummer aufhorchen, doch kannten sie die Stimme und ruhten alsbald weiter, vielleicht mit einem inneren Lächeln, in ihren Kuhlen.

"Niemals will ich, dass es endet, Augustin, niemals, hörst Du? Versprich mir, dass es niemals enden wird." Und sie strahlte, ihre Augen strahlten, ihr Mund strahlte, sie war für ihn das helle Leuchten, heller noch, als es der Mond jemals sein konnte. "Karoline, meine Liebe, ich werde Dich nicht verlassen, niemals, das verspreche ich. Nicht so lange ich mir meines Lebens sicher bin." Und auch ihm war anzusehen, dass er es ehrlich meinte und dennoch wussten beide, dass diese Liebe niemals unendlich sein konnte. Und niemals war genauso wörtlich zu verstehen, wie unendlich, eine Unendlichkeit, die er eigentlich hätte leben dürfen. Sie wussten es beide.

Sie hatten darüber gesprochen, sie hatten lange Gespräche darüber geführt, doch es war für sie nicht möglich, sie konnte sich nicht überwinden, noch nicht. Und er wollte sie weder drängen, überreden, noch zwingen, sich seines Lebens anzunehmen. Vielleicht einmal später, doch im Augenblick war für die Herberia die Sonne wichtig, ebenso wie der Mond. Sie konnte und sie wollte ihre Schützlinge, ihre Freunde nicht verlassen und er konnte es nur zu gut verstehen.

In einer Vollmondnacht war es um ihn geschehen. Gewandert war der einst adlige durch die Wälder, geritten auf seinem Pferd, zu sehen, wo er neue Hoffnung schöpfen konnte. So viele Jahrzehnte war er nun allein gewesen, so viele Jahrzehnte hatte er um sein Weibe getrauert, das durch eine Verfolgung einen bösartigen Tod erlitten hatte. Er war aus seiner Trauer kaum mehr aufgewacht bis zu jenem Tage, als sein Anwesen niedergebrannt wurde, weil das Volk in ihm einen Dämon sah. Einen Dämon, weil er nie am Tage aus dem Haus zu gehen schien, weil er sich abschottete von den Menschen und weil es Tote gab, alle paar Tage, immer wieder, gab es einen Toten und er sah so bleich aus, als wäre ihm das Blut entzogen worden. Nur einen Schluss schien es zu geben, es musste der Dämon sein im Anwesen vor dem Dorf. Wie recht sie doch hatten und wie unrecht zugleich.

Augustin musste fliehen in die Welt hinaus, hatte keine Kraft sich gegen das Ansinnen zu sträuben, hätte keinen Ausweg gefunden, zu erklären, wäre getötet worden, wie seine liebe Frau getötet worden war, wenngleich aus anderen Hintergründen. Der Zeitpunkt einer Entscheidung war gekommen und er wollte leben, er wollte nicht weiter in die Ewigkeit hinein sein Dasein fristen, ohne gelebt zu haben - ohne... zu lieben. Die Liebe zu seiner Frau würde nie verblassen, doch glaubte er sie in einem Traum vernommen zu haben, dass sie ihn freigab, dass sie wünsche, er möge endlich wieder glücklich sein. Solange hatte er sich gegen diesen immerwiederkehrenden Traum gewehrt. So lange... dann gab er nach. Die Flammen taten ihr Übriges die letzten Erinnerungen zu zerstreuen und so begann seine Reise Nacht um Nacht durch das Land der Dichter und Denker.

Dann in diesem Wald, sehr nahe einer Stadt, weitab von seiner eigenen Heimat, weit ab von dem Dorf, aus dem er stammte und doch noch immer in den Grenzen der Ländereien seiner Sprache sah er sie. Sie, wie sie im Mondenlicht auf dem Boden kauerte und Kräuter pflückte. Vorsichtig, ja, beinahe zärtlich hatte sie die Blätter dieser angehoben und die feine Sichel oberhalb ihrer Wurzel angesetzt und mit einem feinen, klaren Schnitte nahm sie, was sie begehrte, ließ leben, was noch lange nicht soweit war und zupfte totes von dem Grün herab, damit die Pflanzen weiter wachsen und gedeihen konnten.

Und es war nicht nur das, es war nicht, dass es so ungewöhnlich war, eine junge Frau nachts mitten im Wald zu entdecken und zu hören, wie sie fröhlich leise vor sich hinsummte, nein, es war auch ihre atemberaubende Schönheit. Rote Locken lebten unbändig und munter um ihre feinen, hellen Gesichtszüge herum, ihr Duft, so rein und klar wie er zu dieser Zeit nur sein konnte, strömte auch in unweiter Ferne zu ihm herüber und ihr Antlitz, die grünen Augen, sie verzauberten sein Sein. Er würde nie vergessen, was sie nur Minuten vor ihrer ersten richtigen Begegnung getragen hatte.

Ihre Bluse, einfach und hell, die Schultern freigelegt und ein Dekollete offenbarend, wie es nur selten einmal wirklich so rein hätte gezeigt werden können, hineingelassen in einen weiten grün-beigen Rock, leicht, wie es in dieser Zeit nun einmal üblich war, gereift und mit gerade so vielen Unterröcken versehen, dass er weich fiel und sie nicht beim Gehen oder Sitzen behinderte. Sie war ein einfaches Mädchen, aus einfachen Verhältnissen, hatte die Zwanzig schon ein paar wenige Jahre überschritten und doch wirkte sie so alterslos, fast schon zeitlos - so unberührt.

Sie richtete sich auf, als er sich einen Schritt genähert hatte und blickte unverhohlen in seine Richtung. In die Dunkelheit, in der sie nichts erkennen, von der aus er aber alles sehen konnte. Bare Füße traten einen Schritt auf ihn zu. Sie blickte angestrengt, aber nicht ängstlich, fast so, als hätte sie vor nichts und niemandem Angst, gleich was in dieser Dunkelheit auf sie warten würde. Als wäre es ihr Schicksal, was auch immer es war, ihr Schicksal, dem sie sich ohne Widerworte beugen würde, anstatt sich ihm zu entziehen.

Er trat aus den Schatten hervor, sein Pferd an den Zügeln führend, und blieb in angemessenem Abstand zu ihr stehen und verbeugte sich. "Augustin von Leer. Ich wollte Euch nicht erschrecken. Verzeiht." Er entschuldigte sich förmlich und lächelte sie wohlgesonnen an und sie erwiderte mit einem angedeuteten Knicks. "Karoline, Herr. Ein Namen für die Familienschaft ist nicht vorhanden."

Sie musste das Schlimmste befürchten. Ein "von" mit einem solchen Ross in solch edler Gewandung, sie eine Frau, nachts, mitten im Wald, wo sie nicht hingehörte und das in einer Zeit der Hexenverfolgung. Sie musste mit Recht fürchten, dass er sie der Obrigkeit vorführte, obwohl die Verbrennungen abgenommen hatten. Wild schlug ihr Herz, wie sollte sie erklären, was sie hier tat? Im Mondlicht, mit einem flachen Korb an Kräutern und einer Sichel in der Hand. Und doch ging von dem Fremden eine Ruhe aus, die sich in seiner scheinbaren Wohlgesonnenheit widerspiegelte. Doch konnte sie sich ihrer Wahrnehmung sicher sein? Ketzer strömten von überall herein ins Land und suchten - und fanden.

Scheinbar konnte sie nicht gut genug verhehlen, denn er blickte besorgt und sprach gleichwohl auch aus, was er dachte. "Oh, bitte, habt keine Angst, ich möchte Euch nichts Böses, ich bin auf der Reise in ein noch unbekanntes Nirgendwo und habe Euch einfach nur hier sitzen sehen. Verzeiht meine Direktheit, aber Ihr habt mich verzaubert, doch wenn Ihr wünscht, so gehe ich, ich möchte Euch nicht bedrängen meine Gesellschaft zu ertragen." Und schon wandte er sich ab, da lief sie unbedacht noch zwei Schritte vor und wusste selbst nicht, was sie ritt, ihn zurückzuhalten. "Nein, bitte. Leistet mir doch Gesellschaft, wenn es Euer Wunsch ist..." Es sollte nicht die einzige Nacht sein, in der sie sich trafen. Wo er schlief, wohnte, wo er Unterschlupf fand, wusste sie nicht, er war nur jede Nacht am selben Ort, unweit ihrer Hütte, in der sie allein lebte und in der sie sich bald auch zusammen liebten.

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Als sie erfuhr, was er war, es war schon einige Zeit vergangen und für beide war es die große Liebe, war er überrascht, wie ruhig sie es aufnahm. So, als hätte sie es geahnt und eben dies teilte sie ihm auch mit. Sie konnte nicht wissen, dass es Vampire gab, doch sie gab zu, eine Ahnung gehabt zu haben. Eine Ahnung davon, dass irgendwas anders war, dass er irgendwie anders war. Sie war keine Hexe und glaubte an wunderliche Dinge, und doch hielt sie vieles für möglich, was andere als Legende abtaten und da sie selbst eine Ausgestoßene war, wenngleich ihr dies auch niemand ins Gesicht sagen mochte, wenn sie auf dem Markt Gewürze und Tee verkaufte, so war sie sich dessen bewusst und hatte im Laufe der Jahre ein Gefühl für Ebensogesinnte aufgebaut. Ein Gefühl der Akzeptanz und Toleranz, ein Gefühl, gespeist mit einer Intelligenz, wie sie in ihrer Zeit nicht wirklich üblich war.

Jetzt, nach einigen Wochen, wusste sie alles, was auch er wusste und natürlich hatte Augustin gefragt, ob sie nicht mit ihm die Ewigkeit teilen wolle, doch sie konnte nicht. Sie hielt an ihrem Glauben fest, an den Göttern der Natur, sie brauchte den Mond, aber auch die Sonne. Sie brauchte das Gefühl, eins zu sein mit dem, was um sie herum blühte und er verstand. Viele Tränen waren geflossen, sowohl aus ihren, wie auch aus seinen Augen und sie versprach, sie würde ihm mitteilen, wenn sie sich umentscheiden konnte, wenn sie ein Zeichen ihrer Götter bekam, das es an der Zeit war, seinem Weg zu folgen, doch solange sollte er ausharren und er harrte. Sie waren jung und sie hatten Zeit, sie konnten sich mit dieser Entscheidung noch lange Zeit lassen, bevor ihre Schönheit langsam verwelken würde. Darüber dachten sie beide nicht mehr nach. Genießen wollten sie, was in der Gegenwart geschah, vergessen die Vergangenheit und nicht darüber sinnierend, was zukünftig geschehen könnte.

"Ich muss Dir etwas sagen, Liebster." Drang nun ihre liebliche Stimme an sein Ohr, als ihr Lachen verklungen war und sie Seite an Seite auf dem Rücken im Gras liegend still die Sterne betrachteten. "Und was wäre das?" Er hatte noch immer sein von ihr so geliebtes Lächeln in der Stimme. "Ich glaube, wir sind bald nicht mehr allein. Ich spüre es..." Abrupt richtete er sich auf und blickte sie erfreut-erstaunt an. "Meinst Du das wirklich, ich meine.. bist Du Dir sicher?" Seine Stimme überschlug sich förmlich vor Freude, vor allem auch, weil er so gar nicht bewusst daran gedacht hatte, ein Kind mit ihr zu haben, aber nur so hatte es zustande kommen können und jetzt, da er den Schein ihrer Aura näher betrachtete, schien wahrlich etwas verändert und er spürte, dass ihre Worte Wahrheit sprachen. "Ich bin sicher." Und auch sie strahlte ihm entgegen. Diese Nacht würde von keinem je vergessen werden...

Das Glück, das die beiden empfanden, ließ sie auf Wolken schweben. Sie schienen nicht mehr Herr ihrer Sinne und auch nicht mehr in der Realität verweilend, so sehr freuten sie sich auf ihr Kind. Es sollten jedoch nur zwei Monate sein, in denen sie sich freuen konnten, es sollten nur zwei Monate sein, in denen sie ihre eigene Ewigkeit genießen durften. Denn Jäger hatten die Spur des Vampirs aufgenommen. Karoline würde nie erfahren, wie es dazu kam. Er wollte sie besuchen, wie in jeder Nacht, dann hörte sie einen erbitterten Kampf unweit ihrer kleinen Hütte, in der sie schon das Kaminfeuer angezündet hatte, damit sie beide es wohlig warm hatten, denn der Herbst hatte sich schon vor ein paar Tagen angekündigt. Heute wollte sie ihm sagen, dass er doch zu ihr ziehen, bei ihr wohnen sollte... alles sollte anders kommen.

Karoline rannte aus der Hütte und sah nur schemenhaft, wie ein Schwert den Kopf von einem Rumpf trennte und augenblicklich dieser zu Staub zerfiel. "Nein... oh nein..." Es war mehr ein entsetztes Flüstern mit weit aufgerissenen Augen, als sie den beiden noch verbliebenen Männern auf ihren Pferden entgegenlief, dann rannte. "NEEEIN!!" Jetzt schrie es aus ihrem Herzen, so laut, dass die Vögel aus den Baumkronen stoben und sich in alle Himmelsrichtungen in der tiefen Nacht verteilten. "Gute Frau, es ist vorbei, er kann ihnen nichts mehr tun." Einer der beiden Männer war von seinem Pferd gesprungen und versuchte sie zurückzuhalten. Sie wehrte sich, schlug sich frei und sank zu Boden, auf dem nur noch Asche und Staub zu finden war. "Nein.. Was habt Ihr getan, WAS - HABT IHR - GE-TAN?!" Sie fand keine anderen Worte mehr, nur Verständnislosigkeit stand in ihren Augen, als sie die ratlosen Jäger anblickte.

"Wir haben Euch das Leben gerettet, junge Frau, Ihr braucht keine Angst mehr zu haben, was Ihr gesehen habt, ist nicht von Bedeutung. Fragt nicht weiter danach, wir sind von der Kirche, wir haben den Auftrag, das Böse, das der Teufel aussandte, zu vertreiben. So habt keine Angst mehr, gute Frau." Es hatte der andere gesprochen, er war jünger als der erste. Ihre Gesichter waren grau in grau, die Dunkelheit verschluckte den Rest und hinterließ nur Schatten. Karoline musste sich sammeln, sie hatte schon viel zu viel gesagt.

Erst jetzt begriff sie, dass sie selbst die nächste sein konnte, wenn sie weitersprach. Sie hatte ein Kind unter ihrem Herzen - sein Kind, sie musste es schützen, egal wie gerne sie ihm auch gefolgt wäre. "Ja.." Sie würgte jedes Wort hervor, versuchte zu vertuschen, versuchte Worte zu finden, die eindeutige Lügen waren, sie musste die Männer vertreiben. "Ich habe wohl den Verstand verloren für einen Augenblick. Das Böse habt Ihr ausgetrieben und ich danke Euch von Herzen für mein Leben, edle Herrn. Ich muss dies nun erst verwinden und nein, ich werde nicht nachfragen, das Böse hat keine Berechtigung, das man nach ihm fragt. So geht Euren Weg, ich komme zurecht und seid gewiss, dass ich Euch ewigen Dank schulde."

Karoline hatte sich wieder aufgerichtet und unterdrückte die Tränen, die Qualen, die sich in ihr ausbreiteten. Die Männer nickten. Scheinbar hatten sie noch ein Stück des Weges zu gehen, wollten feiern, es war nicht schwer, sie von dannen zu scheuchen. "Nun denn, dann geht wieder in Euer Heim zurück, auch wenn Euch hier keine Gefahr mehr erwartet. Für eine Frau gehört es sich nicht, in der Nacht zu verweilen, man könnte auf falsche Gedanken kommen und Ihr könntet wahrlich nicht erklären, was hier geschah." Der erste stieg wieder auf sein Pferd, während der andere den Hut anhob und sie beide von davon ritten, ohne eine Antwort abzuwarten. Sie blickte ihnen nach, bis sie außer Sicht- und Hörweite waren, dann brach sie zusammen...



4 Monate später

Es war eine harte Zeit gewesen, Karoline wurde bettlägerig, viel zu sehr litt sie unter dem Verlust ihrer einzigen und großen Liebe. Sie hatte die Asche bewahrt, sie wollte sie mit ihrem Kind begraben, sobald dieses alt genug war, um zu verstehen. Fast allerdings hätte sie ihren Lebenswillen verloren. Es war eine gutmütige, schon ältere Frau, die einzige im Dorf, die gut mit Karoline stand und nicht an die Gerüchte hinter vorgehaltener Hand glaubte, die unter den Bürgern und Bauern erzählt wurden, kam fast täglich, um nach Karoline zu sehen.

Sie war selbst die Amme gewesen, als Karoline vor so vielen Jahren das Licht der Welt erblickt hatte. Sie war die einzige, der Karoline sich immer anvertrauen konnte. Die alte Frau war die beste Freundin ihrer eigenen Mutter gewesen, die im Kindbett starb, sie wusste um den Glauben an die Kräuterkunde, sie wusste, dass an den Gerüchten keine Wahrheit haftete, wusste aber auch um die Existenz der Vampire, obwohl Karoline vermieden hatte, es so auszusprechen. Diese Frau, mit Namen Anna, schien schon lange zu wissen und das teilte sie unverhohlen mit, als sie in ihrem Verdacht immer mehr Bestätigung fand. Woher und über das Warum schwieg sie sich aus. Doch Karoline war mehr als nur erleichtert, dass sie sich jemandem gänzlich anvertrauen konnte.

Aufgepäppelt hatte Mütterchen Anna, wie sie von den Dorfbewohnern als Frau des Korbmachers genannt wurde, die junge Frau, ihr Mut zu gesprochen, sie immer wieder daran erinnert, dass sie das Leben ihres Liebsten unter dem Herzen trug und Karoline brauchte diese wiederholenden Worte immer wieder aufs Neue, um neue Kraft zu schöpfen, um den Willen zu haben, weiterzuleben. Sie war nach einigen Wochen wieder auf die Beine gekommen und kraftvoll der Zukunft entgegengetreten.

Am Tage der Geburt des Kindes war die Sonne schon untergegangen. Die Amme schon längst zuhause und so musste Karoline ihr Kind unter größten Schmerzen allein zur Welt bringen. Es war viel zu früh - für einen Menschen - doch Karoline wusste darum Bescheid, dass dieses Kind kein Mensch sein würde und es viel früher kam, als alle anderen Kinder.

Doch als der erste Schrei durch die Nacht gellte, ging die Türe auf und das Mütterchen stand in dieser, beeilte sich jedoch schnell mit ihren Leinenlaken hineinzukommen und sich sofort um die junge Frau mit ihrem Kinde zu kümmern. Auch hier sollte es auf ewig ein Geheimnis bleiben, welch Intuition diese Frau geritten hatte, zu wissen, dass es heute Nacht so weit war. Dankbar blickte Karoline ihr entgegen, bevor sie in eine minutenlange Ohnmacht fiel, die es der Amme ermöglichte, das Kind gänzlich zu holen, es zu säubern und zu tun, was getan werden musste, dass die junge Mutter nicht verblutete.

Mit einer zuvor angebrannten Nadel stach die alte Frau sich in den Finger und legte diesen an die Lippen des Kindes, das sich beruhigte und sofort begann, begierig ihren Lebenssaft in sich aufzunehmen, dann trat sie an das Bett zurück, in dem Karoline langsam unter Decken erwachte. "Hier nimm, mein Kind, Du hast viel Blut verloren, aber Du musst ihm zu trinken geben, es braucht diesen ersten Kontakt." Und so überreichte Anna ihr das Kind und Karoline legte es an die Brust. Leicht perlte das Blut unter den winzigen Lippen hervor und Tränen standen Karoline in den Augen, als sie in dem Kinde den Vater wiedererkannte. Um nichts in der Welt würde sie zulassen, dass diesem Geschöpfe etwas geschah, das schwor sie sich in dieser Nacht.

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Emma mit etwa 5 Jahren

10 Jahre später (1710)
Tagtäglich war Mütterchen Anna zu ihnen gekommen und hatte dem jungen Glück geholfen, wo es nur ging. Doch die Jahre vergingen und so wurde auch die ältere Frau zu einer alten, die silbersträhnigen Haare zu grauen. Heute wusste Karoline, dass sie es getan hätte - sie hätte die Ewigkeit mit Augustin geteilt, doch wie es nun einmal war, war man hinterher - dann, wenn es zu spät war - immer klüger.

Sie hatte ihr Kind nach ihrer eigenen Mutter benannt - Emma. Es wuchs so viel schneller als Menschenkinder, es sprach und lief viel eher und konnte Gespräche Jahre vor der "normalen" Zeit verstehen. Mittlerweile war Emma 10 Jahre alt und reif wie eine junge Frau mit 15 Jahren, wenngleich auch nicht körperlich, obwohl die Knospen des Frühjahrs sich zu ihrer natürlichen Schönheit des Sommers entwickelten und der Kokon sich zu einem Schmetterling entpuppte. Es schien wie ein faszinierendes Schauspiel.

Emma war ein Wildfang mit dunkelbraunen, dicken Locken, die sich erst später glätten sollten. Farblich ganz der Vater und gesund wie die Mutter. Sie sprang unter dem Schutz des Mondes durch die Wälder und war schon sehr früh selbständig auf "Nahrungssuche" gegangen. Die Tiere des Waldes schienen ihr hörig und sie gaben dem Kind zu trinken und Emma dankte es ihnen, in dem sie ihnen das Leben ließ. In Wahrheit musste Emma diese natürlich einfangen und halten, doch sie nahm ihnen die Wehr nicht übel. Es war der Lauf der Dinge, der Kreis der Natur. Mutter und Tochter hatten nie darüber gesprochen, es schien klar zu sein, dass Emma zu jung war, um sich Menschen zu suchen und auch, dass es zu gefährlich war für beide.

Mutter und Tochter wurden zu Freundinnen, wurden zu Verbündeten, und die Vertrautheit zwischen ihnen war mehr, als es bei jemand anderen sein konnte. Wer unter solchen Bedingungen das Licht der Welt erblickte, spürte schon im nichtdenkenden Alter, wohin es gehörte. Karoline versuchte zu jeder Zeit aus allem ein Spiel zu machen, versuchte dem wissbegierigen Kind so viel beizubringen, wie es ihr möglich war, doch auf viele Fragen wusste sie selbst keine Antwort. Oftmals wünschte sie sich Augustin herbei, sooft dachte sie an ihn, vermisste ihn, doch sie musste nur in das Gesicht ihrer hübschen Tochter blicken, um zu wissen, dass er direkt vor ihr war, in ihr, in ihrem Herzen und im Herzen seines Kindes.

Es war wieder so ein Augenblick, in dem Karoline sie zärtlich anblickte, die Hand auf Emmas Wange legte und lächelte. Die Geschichte von der Begegnung bis zu seinem Tod mit Emmas Vater hatte sie schon viele Male erzählt, doch immer wieder einen kleinen Bogen um das Ende getan. Tränen traten ihr in die Augen und wie so oft, wenn sie dem Kind davon erzählte, weil es danach verlangte, legte dann auch Emma ihr die kindliche, vampirkalte Hand auf die warme Wange und nickte, als wäre sie eine Erwachsene. "Ich weiß." Sagte sie dann nur zu Karoline und lächelte gutmütig wie eine weise Frau.

Dass Gedankenlesen zu Emmas Fähigkeiten gehörte, hatte sich schon sehr bald auf diese Weise herausgestellt und so musste Karoline die harten Worte nicht aussprechen, um zu erklären, was passiert war. Heute jedoch war es etwas anders, denn Emma fügte etwas an, an das eben auch Karoline gerade gedacht hatte. "Es ist Zeit, dass wir auf Wiedersehen sagen." Sagte die Kleine und schaute die Große mit ihren großen Augen an - die so unterschiedlich grün waren, dass allein das schon bei vielen Menschen eine Gänsehaut verursacht hätte.

Jetzt fanden Karolines Tränen auch einen Weg über ihre Wangen. Dicke, unverhohlen bittere Tränen der Sehnsucht und des Schmerzes, die die Kleine in ihrer Hand auffing und dann die schlanken Arme um den Hals der Mutter schwang, um sie zu trösten. An diesem Tage würden sie die Asche nehmen, die Karoline all die Jahre in einem Holzkasten aufbewahrt hatte, und sie der Freiheit überlassen.

Karoline nahm das Kästchen, zwei Kerzen und ein paar getrocknete Blütenblätter und die beiden gingen zu der Lichtung im Wald, auf der Karoline und Augustin sich so oft die Sterne angesehen hatten. Karoline war seit seinem Tod nicht einmal mehr hier gewesen, gemieden hatte sie diesen wunderschönen Ort und so brach die Trauer abermals über sie herein, als sie zu dem Platz traten, an dem sie so viele Stunden liegend verbracht hatten. Worte waren nicht nötig. Karolines Gedanken waren so offen, dass Emma diese jederzeit vernehmen konnte, wenn sie die Mutter intensiv anblickte und so taten sie beide, was für das Ritual der Freiheit notwendig war. Emma hob eine kleine Mulde in der Erde aus und sie steckten die Kerzen in sie hinein. Eine weitere brennende hatten sie mitgenommen, um diese beiden zu entfachen.

Die Blütenblätter fanden ihren Platz in einer größeren Mulde, zwischen den beiden Kerzen, und ein bisschen der Asche fand Platz auf diesen. Zärtlich streichelte Karoline mit den Fingerspitzen darüber und weitere Tränen rannen ihr die Wange hinab, tropften auf das Blumengrab und verschleierten ihr die Sicht. Leise beteten sie ihre Worte in Gedanken, dann nahmen sie die Asche und verstreuten sie in den Wind, zärtlich von den Händen gepustet, immer wieder, bis sie in alle Himmelsrichtungen verstreut schien.

Nur das kleine bisschen auf dem Blütenbett ruhte auf der Erde, war gemischt mit dem Wasser, den Tränen von Karoline und fand nun mit den brennenden Kerzen, die Karoline seitlich neben es legte, einen kühlen ruhigen Ort unter der lockeren, braunen Erde. "Mögen die Elemente der Natur, möge das Gefühl der Liebe und die Freiheit auf ewig Dein sein, mein Liebster." Karoline flüsterte tränenerstickt und Emma legte vorsichtig ihre Hand auf die der Mutter. Lang blieben sie so sitzen und standen erst auf, als der Morgen langsam graute. Die Gestalt hinter den Bäumen bemerkten sie beide nicht.


5 Jahre später - Emma ist 15 Jahre alt (1715)

Die Zeit der Hexenverbrennungen loderte wieder auf und die Gerüchte um Mütterchen Anna wurden verhärtet, vor allem weil sie so viele Stunden draußen im Wald bei dieser Karoline verbrachte, die von jeher immer wieder von bösen Zungen betitelt wurde. Nie gab es jedoch einen Grund für die Obrigkeit, diesen Gerüchten nachzugehen. Der Korbmacher vergaß immer öfter irgendwelche Einzelheiten und auch sein Verhalten wurde immer verrückter für die damalige Zeit. Dass dies alles einer Krankheit angehörte, wusste dortmals niemand und da der Korbmacher ein beliebter und geachteter Mann war und die Vorwürfe hinter vorgehaltener Hand sehr laut waren, Mütterchen Anna würde sich viel öfter außerhalb ihrer vier Wände aufhalten, als bei ihrem Mann sein, wurde beim Tod des liebenswerten Mannes die Hand nicht mehr vor die Lippen geschirmt und öffentlich gehandelt, dass Mütterchen Anna der Hexenmagie nachginge und ihren Mann verhext habe, damit er sie nicht im Zaume hielt, zuhause zu bleiben.

Was sie im Wald bei dieser Karoline tat? Sicherlich Hexenmagie. Diese Frau war so selten in der Stadt gewesen seit Jahren und alle waren froh, wenn sie der Gemeinde fern blieb. Dann öffnete auch ein Mann, der Förster, dessen Stimme noch mehr Wert hatte, seinen Mund und sprach, er habe Karoline mit einem fremden Mädchen in der Nacht im Wald bei einem Hexenritual gesehen. Stundenlang hätten die beiden dort verbracht und das Mädchen sei so schön gewesen, dass er geblendet gewesen war und nichts gesagt hatte.

Ein Aufschrei ging durch die Sitzung, die eigens für diese Vorwürfe im Geheimen abgehalten wurde. Er sei nun geheilt, er habe jahrelang zu Gott gebetet und habe auf Erlösung gehofft. Er sprach dies, um nicht selbst geächtet zu werden und nach der Sitzung bekam er ein Schulterklopfen und weibliches Nicken, dass sie alle froh waren, dass er so stark war, sich gegen diese Hexerei zu wehren und nicht auch dem Bösen, dem Teufel verfallen war.

Für alle war klar, dass es sich bei diesem unsagbar schönen Mädchen, mit der weißen Haut und den roten Lippen, wie er es beschrieb, um eine Gestalt des Teufels handeln musste. Und niemand wusste darum, dass Karoline eine Tochter geboren hatte, niemand wusste um deren Existenz. Und Mütterchen Anna nahm nichts davon wahr, spürte nur, wie sie geschnitten wurde, wusste nur, dass etwas im Argen lag und kümmerte sich nicht weiter darum, wie sie sich nie um das Geschwätz der Leute gekümmert hatte.

Karoline währenddessen ahnte nichts. Die Nacht war hereingebrochen und sie fühlte sich etwas kränklich. Einige Tage schon hatte sie leichtes Fieber, aber es würde vorbeigehen, es war nichts weiter Schlimmes. Die Kräuter würden helfen. Dennoch hatte sie sich Gedanken darum gemacht, wie es weitergehen könnte, wenn sie einmal nicht mehr war. Auch Anna wurde immer älter und konnte schon lange nicht mehr sooft vorbei kommen und Vorräte bringen, wie vor Jahren, auch wenn sie noch immer oft da war und den beiden half, wo es nur ging.

Der Bund zwischen Karoline und Emma war so dicht geworden, dass eine Bindung entstanden war, wie sie nur Seelenverwandte spürten. Sie verstanden sich ohne Worte, lachten gemeinsam und manchmal saßen sie draußen auf der Lichtung und sponnen Geschichten. Man spürte nicht den Altersunterschied, sah ihn höchstens an den ersten grauen Strähnchen, die das Haar der Mutter durchzogen.

Sie träumten von einer weit entfernten Zukunft, die die Mutter nicht mehr erleben würde, wenn sie nicht wurde, was ihre Tochter, was ihr Liebster gewesen war. Sie rang noch immer mit sich. Damals hätte sie es tun sollen, doch heute? Sie konnte es sich nicht vorstellen, und jetzt wurde die Zeit knapp. Emma sah sie immer wieder fragend an, aber Karoline brauchte nur den Kopf zu schütteln und Emma verstand, dass ihre Mutter und Freundin nicht bereit war und so sollte es sein, auch wenn beide einen innerlichen Schmerz in ihren Herzen trugen.

Karoline war es wichtig, dass Emma in dieser Welt etwas erreichen konnte, sie wollte, dass sie allein zurecht kam und erzog sie dementsprechend offen, wie es in dieser Zeit überhaupt nicht üblich war. Aber Karoline hatte sich schon immer von der Allgemeinheit abgehoben, hatte sich nie zu den Menschen der Stadt gezählt oder des Dorfes, was es einst war. Einfältig und engstirnig betrachteten diese die Welt, für sie gab es nur einen Gott, für sie gab es nur einen Weg und das war nicht Karolines Weg gewesen.

Emma selbst hatte das Gefühl, nicht in diese Welt zu gehören. Sie wollte wissen, lernen, sie wollte alles sehen, was es gab und immer wieder scheiterte sie daran, dass sie nichts fand, was ihr irgendwelche Befriedigung gab. Nur einmal, da schien die Welt vollkommen. Es war ein junges Mädchen gewesen, vielleicht 16, kaum älter als Emma es war, das nachts im Wald umherirrte.

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Sie war schön - für einen Menschen wunderschön und Emma kauerte hinter einem Busch, um das Mädchen zu beobachten. Es wirkte, als wäre sie von zuhause davon gelaufen. Vielleicht, weil ihr Vater sie mit dem reichen Bauernsohn des Nachbarhofes vermählen wollte, ihre Kleidung sprach dafür. Sie trug ein weißes Leinenkleid mit Stickereien und einen Blumenkranz auf dem dunkelbraunhaarigen Haupt. Immer wieder wandte sie sich um, aber Emma spürte, dass sie niemand verfolgte, auch die junge Frau schien sich irgendwann sicher und rastete. Emma sah ihre Chance und stand auf.

"Sei gegrüßt." Hatte sie gesagt und das Mädchen hatte sich erschrocken, doch gleichwohl sich auch sofort wieder beruhigt, als sie sah, dass von Emma keine Gefahr auszugehen schien. Eher eine Faszination, die sie sich wohl nicht erklären konnte. "Guten Abend." Sie hatte so schüchtern geantwortet, dass Emma leichtes Herzklopfen bekam, zu ihr trat und sich neben sie an das Ufer des Waldsees setzte. Sie konnten beide gut sehen, Emma durch ihre Fähigkeiten und das Mädchen durch das Vollmondlicht, das sich im Wasser leicht spiegelte.

"Bist Du davongelaufen?" Und das Mädchen nickte leicht zögerlich, doch schien sie Vertrauen zu fassen, vielleicht auch aus ihrer Naivität heraus. "Ich bin Alice, und Du?" - "Emma." Und sie lächelten beide, bevor sie dann ihren Blick über den See schweifen ließen. Doch es dauerte nicht lange, bis Emmas feine Nase einen unsäglich süßen Duft wahrnahm, der ihr die Sinne raubte, der ihr Herz zum Vibrieren brachte. Unbeobachtet sah sie das Mädchen an, in dem sie sich etwas nach hinten lehnte. Ein dünnes Rinnsal Blut wanderte ihr weißes Handgelenk entlang, scheinbar hatte sie sich an den Dornen der Büsche im Wald verletzt, als sie unachtsam einfach nur fort kommen wollte.

"Du bist ja verletzt." Und sie fragte nicht, ob sie sich die Wunde anschauen durfte, sondern nahm nur die weiche Hand Alice' in ihre, betrachtete die Wunde und führte sie dann langsam zu ihren Lippen, während sie den Blick in Alice' Augen hob, die leicht irritiert dreinblickte. "Ich werde es fortküssen." Sagte Emma nur und auch wenn sie nicht wusste, was das Mädchen von ihr dachte, sie schien es zuzulassen, vielleicht auch zulassen zu wollen.

Die Kraft des Entzückens schien geboren und ihren Lauf zu nehmen. Emma schloss ihre Lippen über die kleine Schnittwunde, küsste das Blut von dannen, schloss dann ihre Lieder und genoss die Hitze, die in ihr aufstieg und mit einem Mal dann über ihren ganzen Körper hereinbrach, als sie auch ein leicht erhitztes Seufzen ihrer Gegenüber vernahm. Emmas Eckzähne verlängerten sich langsam, ihre Lust nach mehr von diesem süßen, so unglaublich feinen Geschmack des Blutes dieses Mädchens wurde übermächtig, aber auch die körperliche Leidenschaft des Begehrens übermannte sie und Emma küsste den Arm der Schönen entlang, die Schulter, von der sie das Kleid leicht gestreift hatte, und das Schlüsselbein.

Langsam glitten die Körper aufs Gras und immer wieder schnitt die Spitze ihres Zahnes eine sachte Linie in die helle, seidige Haut des fremden Mädchens. Tropfen ihres Blutes quollen über diese Linie und Emma nahm sie leidenschaftlich mit ihrer Zunge auf, woraufhin die Wunden sich alsbald wieder schlossen. Alice ließ geschehen was geschah, sie spürte die Lust und auch Erregung, ohne sich wehren zu wollen, als wäre es das Normalste der Welt. Ihre Sinne waren betört von Emmas Leidenschaft, von ihrer Verzückung, die sie so unbewusst einsetzen konnte und erst später herausfinden sollte, wie ihr dies alles möglich war.

Ihre Körper entblößten sich in einer immer steigenderen Leidenschaft, bis sie nackt im Mondlicht lagen und sich liebten. Emma fand immer wieder zu den runden, kleinen Brüsten der Hübschen zurück, liebkoste ihre Knospen, ihre Haut und küsste sich hinab in die sonst so beschützten Lustquellen, bis Alice laut stöhnte und auch Emma sich kaum mehr zurückhalten konnte, den Weg zurück zu Alices Lippen fand und diese intensiv küsste. Sie verschmolzen zu einem bebenden Kuss, bis Emma sich nicht mehr zurückhalten wollte und in den Hals der Schönen biss, als diese ihren Höhepunkt erlangte. Ihre Körper bebten, zitterten und wogten im gleichen Takt bis Alices Körper schwächer und schwächer wurde und Emma ein paar Tropfen vor ihrem Tod zu trinken aufhörte. Ein letzter Blick, ein letzter Atemzug und so entglitt Alice dieser Welt, dieser Wirklichkeit in sanftem Hauch. Emma streichelte zärtlich über die Wange der Schönen und küsste ihre Stirn, bevor sie ihr die Lider schloss und ihres Weges weiterging...

Es war der erste Mensch, den Emma biss und dabei tötete, die erste Erregung, die sie beim Anblick eines anderen oder in diesem Falle einer anderen verspürt hatte, die erste körperliche Liebe, die sie erlebte und der erste Blutrausch, dem sie von da an verfallen war. Und seit diesem Augenblick wusste sie, dass ihre Mutter recht behielt, wenn sie ihr menschliches Dasein nicht tauschen wollte. So gut die beiden sich auch verstanden, so unterschiedlich waren ihre Ansichten, doch beide respektierten einander, respektieren ihre Glauben und auch ihre Rasse.

Sie sprachen nie darüber und Karoline sollte bis zu ihrem Tode nicht erfahren, dass ihre Tochter nun den Tieren abschwor und sich an Menschen ernährte und diese durch sie den Tod fanden. Doch immer war sie darauf bedacht, dass es keine Menschen des Dorfes oder aus der Stadt waren, immer junge Wanderer, die sie verführte. Niemals seither jedoch wieder so ein hübsches, weibliches Wesen, denn des Nachts schienen diese sich im Schutze ihrer Häuser, Hütten oder Zelte zu befinden, bewacht von ihren männlichen Begleitern, die ihr Leben schützen wollten.

Und dennoch, immer wieder vernahm die Stadt die Geschehnisse, immer wieder bekamen sie mit, dass unweit leblose Körper aufgefunden worden waren. Weiß wie Schnee, ob des entzogenen Blutes. Angst machte sich in der Menge breit und die Hexenverfolgung loderte immer weiter auf. Hinter jedem Tod stand ein Dämon, ob nun die Altersschwäche ihn dahinraffte oder wahrlich solche Leichen gefunden worden waren. Immer wieder andere Schuldige, meist Frauen, kaum einmal wirklich auch ein Mann, wurden beschuldigt, Verantwortung für diese Szenerien zu tragen. Folter wurde angewandt, bis die Angeklagten gestanden, weil sie dem Schmerz entgehen wollten, weil sie sich sicher waren, dass der Tod ihre einzige Rettung war.

Niemals durfte jemand verbrannt und öffentlich zur Schau gestellt werden, wenn er nicht gestand und so wurde die Folter immer grausamer, immer heftiger. Der Henker, gleichwohl auch Arzt, verband die Wunden, um sie gleich am Tage später wieder aufzureißen und die Schrauben fester zu ziehen. Er heilte die Knochenbrüche und Prellungen, um dann neue hinzuzufügen, um die Knochen wieder zu brechen.

Doch kaum eine Frau hielt wirklich so lange aus, viele gestanden schon nach Tagen, teils sogar nach wenigen Stunden, sie seien es gewesen, sie hätten Kontakt mit dem Teufel, dem Grauen gehabt, hätten sich lüstern mit ihm vertrieben und dafür gesorgt, dass sie ihm Opfer darbringen konnten, um weiter dieser Lust mit dem Gehörnten frönen zu können. Sie erfanden phantastische Geschichten, nur um dieser Folter zu entkommen und... sie nannten Namen, weil es auch für die Obrigkeit eindeutig war, dass eine Hexe allein dies alles nicht zustanden bringen konnte, da ein Mann allein stark genug war, einer einzelnen Frau standzuhalten, die das Böse in sich trug.

Und so wurde von Hexenzirkeln und Ritualtreffen gesprochen, so wurde mit weiterer Folter erzwungen, dass Namen genannt wurden und in ihrer Verzweiflung kamen Namen von den Lippen der angeklagten Frauen, der vermeintlichen Hexen, die solche nicht waren. Sie nannten viele Namen, Listen voller Namen, nur um weiterer Folter zu entgehen, manche jedoch erhängten sich selbst an den Ketten des Kerkers, um niemand anderen diese Qualen zugestehen zu müssen.

Und dennoch: so wurde der Freundeskreis ermittelt und weitere Frauen wurden verhaftet - es war ein einziger Teufelskreis, ein einziges grausames Schauspiel und die Menge tobte, grölte und lachte, als verurteilte Unschuldige nackt auf dem Marktplatz zur Schau gestellt wurden, dreckig, mit rasiertem Haar und ohne Kleidung. Durch die schmutzige Umgebung krank, Durchfall und Erbrechen und die Menge lachte, lachte ob der Schande, die sie selbst nicht ertragen mussten, lachten ob der Schadenfreude, dass andere Schmerzen erlitten. Jubelten, wenn das Feuer hochloderte und kreischten vor Entzücken, als die züngelnden Flammen das Fleisch der Verbannten verbrannte, ergötzten sich auf so unmenschliche - oder gar menschliche (?) - Weise an den Schmerzesschreien und an ihrem Tod.

Sie formierten sich in dieser Nacht. Es wären nur zwei Männer nötig gewesen, aber zwei Dutzend schlossen sich dem Grüppchen mit Fackeln und Laternen, Hüten und dicken Mänteln und Kreuzen auf der Brust und in der Hand an. Heugabeln und Männergegröle - sie brachen auf. Wateten mit von Stolz aufgeplusterter Brust durch die pflastersteinbelegten Gassen in Richtung des kleinen Hauses von Mütterchen Anna, die nichtsahnend gerade ihr Stickzeug in den Nähkorb zurücklegte und das Feuer löschte. Sie trauerte um ihren toten Mann, sie trauerte, in dem sie das Taschentuch fertig bestickte, dass sie ihm zum Hochzeitstage hatte schenken wollen, noch kurz bevor er von ihr gegangen war.

Sie hatte ihn so sehr geliebt, er hatte sie mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützt, er hatte gewusst... er hatte gewusst, verstanden, geholfen und unterstützt. Immer und immer wieder, so war doch seine Mutter selbst einst gebissen worden, aber von Vampirjägern kläglich abgeschlachtet bis sie zu Staub zerfiel. Er hatte sich seiner Gattin anvertraut und sie hatte ihm durch die schwere Zeit geholfen und er, er hatte sich geschworen, dass er immer offen war, wenn er diesen Geschöpfen der Nacht helfen konnte. Seine Mutter war so eine herzensgute Frau gewesen und sie war es noch, nach der Verwandlung, die sie von ihrem Liebsten gewünscht hatte. Kein Groll, nur Liebe...

Karoline währenddessen war nun mit ihrer Tochter wie sooft auf die Wiese gegangen und sie sprachen abermals darüber, wie es sein könnte in ein paar Jahrzehnten, vielleicht in ein paar Jahrhunderten. Was wünschte sich Emma, hatte sie gefragt und Emma überlegte. "Nun eigentlich wünschte ich, dass ich frei sein könnte, dass ich mich nicht immer nur verstecken müsste. Dass die Menschheit offener wäre und verstehen würde, dass dies alles der Lauf der Natur ist. Und ich wünschte mir die Freiheit, als Frau tun und lassen zu können, was ich möchte."

Sie dachte dabei an die Geschichten, die ihre Mutter ihr über das Volk der Umgebung erzählte oder auch, was Mütterchen Anna immer wieder einmal berichtete über die Gerüchte. Sie erinnerte sich an Sätze wie "Sei froh, dass Du nicht unter uns lebst, Du müsstest Dich an so viele Vorschriften halten und immer wieder würde Dir gesagt werden, Deine Meinung sei nichts wert, weil Du kein Mann bist." "Ich möchte, dass Frauen wie Männer gleichbehandelt werden." Und Karoline nickte. Es waren wahre Worte, die ihr Kind hier sprach und sie wünschte sich mit ihr, dass es eines Tages soweit kommen mochte, auch wenn sie es sich kaum vorstellen konnte. Die Menschen waren so engstirnig und ignorant, so von sich eingenommen und konservativ. Darüber konnte sie von jeher immer nur den Kopf schütteln, liebstenfalls so stark, dass ihre roten Locken flogen.

"Und was wünschst Du Dir für Dich?" Hatte sie dann gefragt und betrachtete das hübsche Gesicht ihrer Tochter, das nun das einer jungen Frau war. Sie war so schnell herangewachsen, viel schneller als andere Kinder in ihrem Alter. Ihr Körper hatte sich zu einer Blüte der Schönheit entfaltet und ihre Haut war so makellos und rein, wie ihr Wesen es war, auch wenn Karoline sehr wohl spürte, dass temperamentvolle, aufbegehrende Züge im Wesen Emmas lagen, die nicht in diese Zeit passen wollten, in der sie geboren worden war. Die besten Voraussetzungen ein langes Leben zu führen und den Wandel der Zeiten zu erleben, zu verstehen und annehmen zu können.

Emma war viel stärker als sie selbst es je gewesen war, und Karoline machte sich keine Sorgen darüber, dass das Mädchen ihren Weg lange und gut beschreiten konnte und würde. Sie hatte ihr alles Wissen gegeben, das sie selbst von Augustin erhalten hatte. Sie hatte versucht, ihr eine Freundin und auch gute Mutter zu sein, eine Ratgeberin und jemand, der sie für die große weite Welt vorbereitete, so gut es irgend ging. Sie war zuversichtlich, dass es ihr gelungen war.

Mütterchen Anna hatte ihr das Lesen, Schreiben und Rechnen beigebracht, was Karoline selbst nicht konnte und auch nicht mehr lernen wollte oder musste. Sie hatte ihr gleichwohl auch von fernen Ländern erzählt, in denen sie mit ihrem Gatten gewesen war, um neue Arten der Korbflechterei zu erlernen, bevor sie in dieses Land und diese Gegend zogen und hier ansässig wurden, da sie ein Kind erwartete. Auch stammte Mütterchen Anna ursprünglich aus einer Gauklerfamilie und hatte eine ganz eigene Geschichte und eine vor allem ganz eigene Sichtweise zu dieser Welt und seiner Gesellschaft. Es war schwer für sie gewesen, sich in das bürgerliche Leben einzufinden, doch da auch ihre gute Freundin Emma ein Kind erwartet - Karoline - und sich hier am Rand des Dorfes im Wald niederließ, weil diese sich nicht unterordnen, aber bei ihrem Mann und ihrer Freundin verbleiben wollte, fiel es ihr einfacher zu bleiben, auch wenn es nur eine kurze Zeit dieses Zusammenlebens war.

Karolines Vater hatte sich aufopferungsvoll um seine Tochter gekümmert, doch musste er arbeiten und es fehlte viel Zeit, weswegen Anna schon damals intensiv den Sprössling umsorgte und tat, was in ihrer Macht stand. Als Karolines Vater starb, war sie 21 Jahre alt gewesen. Er hatte sie nie zu einer Hochzeit gezwungen und sie immer ehrlich und aufrichtig erzogen. Er war als Mann gestorben, der ein Leben voller Freude gelebt hatte, auch wenn er bis zum Ende seiner Frau nachtrauerte, so wie Karoline nun Augustin nachtrauerte. Dennoch war er nie voller Gram gewesen und konnte viel lachen. Karoline empfand es als beruhigend zu wissen, dass er nun mit ihrer Mutter wieder vereint sein würde.

"Ich? Ich möchte die Welt sehen und ich möchte erleben, wie es weitergeht. Ich möchte das Beste für mich herausziehen und nur tun, was mir gefällt." Beide lachten. Es war eine perfekte Vorstellung von Freiheit und Zukunft und Karoline wünschte sich von Herzen, dass ihre Tochter es leichter haben würde, als sie selbst. Es gab nicht viel, das sie besaß, aber jeden Heller, den sie irgendwie sparen konnte, hatte sie für das Mädchen auf die Seite gelegt und auch Augustin hatte ihr vor seinem Tode ein Säckchen Münzen zur Verwahrung gegeben. "Falls mir etwas passiert." Und immer wieder hatte sie ihm geantwortet: "Dir wird nichts passieren... sprich nicht so." Und es war passiert und nun war sie froh, dass sie ihrer Tochter dieses Geld mit auf die Reise geben konnte, sollte sie denn irgendwann einmal aufbrechen wollen. Sie hatten sich beide immer um dieses Thema gedrückt, hatten es nie ausgesprochen, doch jetzt, da Karoline sie so betrachtete, war ihr klar, dass es bald soweit sein musste. Sie konnte das Kind, welches lange schon keines mehr war, nicht festhalten, nur weil sie selbst nicht loslassen konnte.

"Wann wirst Du gehen?" Es war das erste mal, dass sie es aussprach, aber sie spürte schon länger, dass es an der Zeit war, den Zukunftswünschen einen Weg zu geben, auch wenn die Traurigkeit tief in ihrem Blick zu finden war. "Ich... will nicht gehen." Überrascht blickte die 15-jährige ihre Mutter an. "Du weißt, dass Du irgendwann gehen musst. Du kannst nicht Deinen Lebtag hier verbringen, wenn Du Deine Träume erfüllt sehen möchtest, Emma." Und Emma wusste, dass ihre Mutter Recht hatte, dennoch sträubte sie sich gegen diesen Gedanken, hatte sich schon längst eine Antwort auf diese Frage gegeben, die bisher nie angesprochen worden war.

"Ich werde bleiben, solange ich bei Dir sein kann. Mein Leben ist die Ewigkeit, Mama, das kann ich auch beginnen, wenn ich Dich verlassen muss, weil die Natur es so wünscht." Und sie lächelte kläglich, sie wollte nicht darüber nachdenken, dass Karoline irgendwann einmal sterben würde. Karoline nickte verstehend und beließ es dabei. Sie würde sich darauf vorbereiten, dass ihre Tochter irgendwann ginge, auch wenn sie noch am Leben war, würde sich aber auch darüber freuen, wenn sie bliebe, bis sie selbst nicht mehr war.

"Dennoch möchte ich Dich fragen, ob wir nicht unsere Seele in unserem Blut am Leben halten, Liebes. Dein Vater hatte von seiner ersten Frau eine Phiole um den Hals getragen. Eine sehr kleine wohlgemerkt, kaum einen Daumennagel groß. In dieser befand sich das Blut von ihm und seiner Frau, eine Erinnerung, die er von jeher über seinem Herzen trug. Ich möchte Dir gerne ebenfalls solch ein Amulett schenken, wenn Du bereit dafür bist. Anna besorgte mir vor einigen Tagen reinen Alkohol und ich habe ihn mit verschiedenen Kräutern stehen lassen, damit das Blut nicht gerinnt und immer flüssig bleibt." Schon beim Gedanken an Blut schwindelte es Emma leicht, aber das wollte sie ihrer Mutter nicht sagen, sie sprachen niemals wirklich über diese Art der Nahrungsaufnahme, denn auch wenn Karoline Verständnis hatte und wusste, dass es zu ihrer Natur gehörte, so war es ihr dennoch etwas befremdlich. Man musste nicht alles aussprechen, was man ohnehin wusste und so hielt sie es weiterhin.

Beim Gedanken, ein so intim bleibendes Geschenk zu erhalten, strahlten ihre Augen jedoch auf und sie nickte erfreut. Und so geschah es, dass sie beide in einem kleinen, selbstausgedachten Ritual von sich jeweils einen Tropfen Blut in eine winzige Phiole tropften und es mit einem starken konservierenden Lösungsmittel vermengten.

Interessant war zu sehen, dass Karolines Blut sich in die Flüssigkeit schmiegte und sie tiefrot färbte, Emmas Blutstropfen jedoch zu einem Herzen wurde, das in der Mitte des kleinen Glasbehälters schwebte. Sie verschlossen es gut und Karoline streifte die lange, silberne, feingliedrige Kette über ihren Kopf, die sie schon immer Tag und Nacht getragen hatte. Es war die Kette ihres Vaters gewesen, die er einst seiner Frau geschenkt hatte, bevor diese starb. Diese durchfädelte sie nun durch die winzige Öse und streifte die Kette über das brünette Haupt ihrer Tochter. Lächelnd und mit Tränen in den Augen sahen sie sich an, bevor sie sich sanft umarmten und die Umarmung immer fester wurde, sie sich nicht mehr loslassen wollten...

Es klopfte und als die Tür geöffnet wurde, begehrte das Grölen der Männer wieder auf, sie drückten sich in die winzige Stube und hielten ihre Heugabeln und Fackeln bereit. "Ihr werdet der Hexerei bezichtigt..", begann der Hauptmann, doch weiter kam er nicht. Das Herz der alten Frau war nicht mehr stark genug, es konnte der Angst, dem Schrecken und der Erkenntnis, was nun folgen würde, nicht standhalten. Mütterchen Anna fasste sich an die Brust, rang nach Atem, Tränen traten ihr in die Augen und ihr letzter Gedanke galt Karoline und Emma. Sie hoffte inständig, dass die beiden sich in Sicherheit bringen konnten, denn ihr war in dieser Sekunde der Erkenntnis über diese Worte klar, dass diese Männer sich nicht damit zufrieden geben würden, wenn sie den Tod einer alten Frau zu verantworten hatten... dann wurde es dunkel um sie herum...

Karoline löste sich langsam aus der Umarmung ihrer Tochter und streichelte ihr zärtlich eine Strähne aus dem Gesicht, als sie mit einmal Mal ein Gedankenblitz durchzuckte. Sie konnte nichts erkennen, sie konnte nur fühlen. Es war nicht das erste Mal. Schon ihr Leben lang hatte Karoline diese Vorahnungen oder fühlte Situationen geliebter Personen mit, auch wenn sie sich nicht in ihrer Nähe befanden. Ihr Blick wurde starr, ob dieses Gefühls, das sie nun übermannte und sie dazu zwang, sich auf den Stuhl an ihrer Seite zu setzen. "Mama, was... was ist los.." Emma blickte erschrocken auf das entsetzte Gesicht ihrer Mutter und versuchte ihre Gedanken zu lesen, doch sie schaffte es nicht. In diesem Zustand waren die Gedanken Karolines so verschlossen, dass es nicht möglich war, an sie heranzukommen.

"Du musst weg von hier, Emma, sofort, Du musst von hier weg und darfst nie wieder zurückkehren." Der Blick Karolines wurde wieder klar und blickte nun entschlossen zu ihrer Tochter hoch. "Nein, ich gehe nicht, warum... warum sollte ich? Was.. was hast Du gesehen?" - "Nichts. Du musst gehen, Emma." - "Ich.. nein, ich gehe nicht, nicht ohne Dich..." Brach es dann lauter aus ihr heraus, als sie es gewollt hatte, aber es war ihr Ernst. Und wie konnte sie nichts gesehen haben und doch so sicher sein, dass Emma... war sie in Gefahr? "Ich würde Dich nur hindern, sie würden uns verfolgen, wenn ich mit Dir ginge, Emma. Ich weiß nicht, was geschehen ist, aber ich weiß, dass Anna nicht mehr lebt... und ich spüre die Wut vieler Menschen, spüre so viel Wut und Zorn und soviel Unverständnis. Du musst gehen, hörst Du."

Jetzt war sie aufgestanden und hatte ihre Tochter an den Schultern gepackt, sie fest gedrückt und versuchte in ihr Gewissen zu sprechen. "Ich..." - "Du musst gehen, Du musst jetzt gehen, Emma." Und sie ließ ihre Tochter los, suchte unter einer lockeren Diele im Boden nach dem Säckchen Münzen und begann damit, die wenigen Kleidungsstücke in ein Tuch einzuwickeln, das sie oben zuband. Erinnerungen, alles, was wichtig war, was wichtig sein konnte und... Karoline zögerte... und alles, was auch ihr wichtig war und ihre Tochter erhalten sollte, wenn sie starb, das alles kam in diesen Beutel. Emma konnte nur regungs- und fassungslos beobachten, was hier gerade vor sich ging. Karoline drückte ihr den Stoffbeutel in die Hand und kommentierte sie zur Tür.

"Ich kann Dich nicht hier lassen." Jetzt standen Emma Tränen in den Augen. Sie begriff, dass es richtig war zu gehen, dass sie ihr Leben retten wollte, aber sie musste auch das Leben ihrer Mutter retten, sie konnte doch mit diesem Wissen nicht das Haus verlassen. "Sie würden keine Ruhe geben, bis sie mich haben." Und aus Karolines Worten sprach die bittere Wahrheit und auch ihr standen nun die Tränen in den Augen, sie zog ihr Kind an sich, drückte es fest gegen ihr Herz und beide standen sie minutenlang da und weinten... bis Emma das Rufen und Schreien einer wilden Meute wahr nahm, die immer näher kamen. "Sie kommen...", flüsterte sie nur und blickte ihre geliebte Freundin und Mutter fehlend an, aber sie wusste, sie würde nicht mit ihr gehen.

"Sie werden Dich foltern..." Emma wollte es nicht aussprechen, aber sie musste und weitere Tränen rannen ihr übers Gesicht. "Nein, werden sie nicht. Vertrau mir." Und Karolines Blick war entschlossen. Emma verstand, doch noch mehr Tränen fanden ihren Weg. Sie wollte nicht gehen, nicht so, nicht jetzt... "Geh." Und noch einmal drückten sie sich aneinander. "Ich liebe Dich!" - "Ich liebe Dich auch, mein Schatz..." Es war nur ein Flüstern und die letzte Umarmung der wärmenden Arme der Mutter brannte sich in Emmas Gedächtnis, bevor sie sich abwandte und in die Nacht, in den Wald hineinlief, so weit sie konnte, so schnell ihre Beine sie trugen, ohne ihre Fähigkeiten zu nutzen, bis sie nicht mehr konnte und nicht mehr wusste, wo sie war... und weinend zusammenbrach.

Karoline hatte ihrer geliebten Tochter nachgesehen bis die Tränen ihren Blick komplett verschleierten und die Stimmen jetzt auch für sie hörbar wurden und immer näher kamen, lauter wurden. Sie wandte sich um und schloss die Türe hinter sich. Es war eine selige Ruhe in sie eingekehrt, als sie geistesgegenwärtig den Dolch von ihrem Regal nahm, sich vor den kleinen, selbstgebastelten Altar kniete, auf dem eine Kerze brannte für ihren Vater und eine für Augustin. Sie zündete eine weitere an für Anna und entflammte dann noch eine... Es klopfte an der Tür, die waren jetzt ganz nah, sie hörte nichts. Sie blickte in das Flackern des gelben Kerzenlichtes, dachte voller Liebe an ihr Kind und stach ohne mit der Wimper zu zucken den Dolch in ihre Brust, mitten ins Herzen, als die Türe zerbarst und die Meute hereinstürmte, sich gegenseitig hereindrückte. Karoline starb, noch bevor sie Hand an sie hatten legen oder Worte an sie richten können.

"Sie werden Dich foltern..." - "Nein, werden sie nicht. Vertrau mir. - Geh."
"Ich liebe Dich!" - "Ich liebe Dich auch, mein Schatz..."


Die nächsten Jahre (1715-1750)

Sie hatte nicht gewusst, was sie jetzt tun sollte. Immer war sie bei ihrer Mutter gewesen, nie hatte sie darüber nachgedacht, was wäre, wenn sie schon jetzt, viel zu früh, von ihr gehen sollte. Sie hatte dort im Wald gekniet und geweint. Sie spürte, wie ihre Mutter gespürt hatte, dass Anna nicht mehr am Leben war, dass auch ihre Mutter nicht mehr am Leben war. Das Gefühl zerfraß alles in ihr, alle Schönheit und Leichtigkeit, die zuvor in ihren trotz der Reife noch kindlichen Gedanken seine Melodie gespielt hatte. Die Trauer nahm Einzug in ihr junges Herz und die Erkenntnis, nun ganz allein auf der Welt zu sein, schlug so heftig auf das junge Gemüt ein, dass sie einige Zeit brauchte, bis sie überhaupt realisierte, dass sie weitergehen musste, dass keine Zeit bliebt, denn die Nacht würde bald in das Morgengrauen wechseln. Sie brauchte eine Unterkunft und wusste nicht wohin. Emma traute sich nicht, zurückzugehen.

Sie durfte nicht zurückblicken. So oft hatte Ihre Mutter zu ihr gesagt, dass sie sich niemals zur Vergangenheit umdrehen sollte, wenn sie Abschied genommen hatte. Aber hatte sie Abschied genommen? Sie empfand es nicht so, sie war doch noch überhaupt nicht bereit gewesen, Abschied zu nehmen, aber es war so gekommen und jetzt musste sie nach vorn blicken. Emma berührte die Phiole, die ihr eigenes Blut und das der geliebten Mutter enthielt und schloss kurz die Augen, bevor sie sich aufrichtete und weiterlief. Immer würde sie bei ihr sein, niemals würde sie sie verlassen. Sie war da, Emma glaubte es zu spüren. Nicht zurücksehen, sondern nach vorn...

Emma hatte den Weg aus dem Wald gesucht und war auf eine weite Flur gekommen, auf der sie eine Scheune ausmachen konnte. Da der Morgen nun tatsächlich graute, konnte sie nur hoffen, dass der Bretterverschlag dicht genug genagelt war, damit das Sonnenlicht nicht hineindrang und so drückte sie sich durch die Türe und kletterte eine alte Holzleiter hinauf auf den Heuboden, zog die Leiter zu sich hinauf und kroch zwischen die Strohballen, sodass diese ihr auch zusätzlichen Schutz boten, falls wirklich irgendwelche undichte Stellen das Tageslicht hindurchlassen sollten. Sie fiel sogleich in einen unruhigen Schlaf, der jedoch nicht lange anhielt und kaum erholsam war. Es war noch später Nachmittag, als sie erwachte. Sie spürte, dass die Zeit noch nicht gekommen war, sich hinauszutrauen und so war sie gefangen zwischen getrocknetem Gras und mit ihren Gedanken allein.

"Nach vorn sehen..." Immer wieder musste sie sich selbst ermahnen, um nicht darüber nachzudenken, was mit ihrer Mutter passiert war. Sie brauchte einen Plan. Man brauchte immer einen guten Plan, um überleben zu können. Sie hatte einige Stunden Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, bis sie es wagen konnte, das sichere Versteck und die Scheune zu verlassen. Die beste Lösung war eine größere Stadt am besten am Hafen, doch wie sollte sie an die Küste gelangen? Sie war nie an einer Küste gewesen, war niemals auch nur in die Nähe einer Küste gekommen, hatte immer nur von Anna davon gehört, dass man mit dem Schiff über das Meer, welches sie weit und endlos beschrieben hatte, fahren konnte, um in andere Länder zu reisen. Weit weg... ja, Emma wollte weit weg von hier, von diesem Ort des Grauens. Es hielt sie nichts mehr hier und so ging sie weiter in eine Richtung, in der sie das Meer vermutete.

Es dauerte nicht lange, als sie an einen breiten Fluss kam. Sie entschloss sich, diesem zu folgen und konnte weiterhin nur hoffen, dass sie rechtzeitig einen neuen Unterschlupf fand. Sie traf niemandem auf ihrem Weg, mied die Dörfer und Städtchen, die sich ihr auftaten und rastete nur, wenn der Morgen sich meldete. Oftmals konnte sie Unterschlupf in Scheunen finden, einmal verkroch sie sich in einer nahegelegenen, alten Bärenhöhle und einmal verscharrte sie sich gar in der Erde selbst, weil die Verzweiflung, zu spät bei einem Unterschlupf anzukommen, zu groß wurde.

Zur Nahrungssuche allerdings, musste sie näher an die Siedlungen heran. Zu selten traf sie auf ihrem Weg auf jemanden und oft dürstete sie es mehrere Nächte und sie spürte, wie schwach sie wurde, wenn sie nicht trank. Sie wusste nicht mehr, wie lange sie unterwegs war, sie wusste nicht, wo sie sich befand, aber es mussten mehrere Tage gewesen sein, bis sie an einer Weide vorbei kam, auf dem einige Pferde grasten oder viele schon zu schlafen schienen. Es war niemand zu sehen bei dem kleinen Hüttchen, das unweit der Aue stand und Emma kletterte über den Zaun und lockte ein Pferd mit etwas Gras, das sie aus dem Boden gerupft hatte. Dem frischen Futter konnte der Vierbeiner kaum widerstehen.

Das Pferd ließ sich locken, nahm den Leckerbissen dankbar an und erlaubte Emma, dass diese sich ohne Sattelzeug und Zügel auf dessen Rücken schwang. Als Kind hatten sie noch kurze Zeit das Pferd ihres Vaters gehabt und sie hatte auf diesem gelernt zu reiten, doch es starb an Altersschwäche, als Emma 8 Jahre alt gewesen war. Von jeher hatte sie wie ein Mann auf Pferden geritten. Es gab nur diesen einen Sattel ihres Vaters und dieser erlaubte kein seitliches Sitzen, wie die reichen Damen es machten. Aber es interessierte sie auch nicht.

Emma sprang mit dem Braunen über den Zaun und die Reise verlief so nun um einiges schneller, auch wenn es sehr oft schwierig war, das Tier am Tage zu verstecken, doch irgendwie hatten sie beide Glück. Das Pferd folgte Emma auf den Fuß und in einer Nacht stahl die junge Vampiress einen Sattel und Zaumzeug, um ihre Sachen besser auch in den Satteltaschen verstecken zu können. Der Braune schien auch hiermit einverstanden und so verbrachten sie viele Strecken gemeinsam, ohne irgendwelche Zwischenfälle zu erleben, bis sie tatsächlich eines Nachts an einen riesigen See ankamen, der so riesig war, dass es nur das vielbeschriebene Meer sein konnte.

Emma konnte nicht fassen, es wirklich erreicht zu haben, doch scheinbar hatte sie es erreich. Nach Wochen endlich gestattete sie es sich, sich von einer Leine ein neues Kleid zu stehlen, denn das alte war verschmutzt und vom langen Reiten durchgescheuert. Rasmus, wie sie den Braunen getauft hatte, brachte sie dann in die wenige Meilen entfernte Hafenstadt, in der sie Einlass verlangte. Die Wache am Stadttor wollte sie nicht durchlassen ohne Papiere, mitten in der Nacht. Die Sperrstunde war schon längst überschritten, doch Emma blickte ihn nur verführerisch an, trat an ihn heran und betörte ihn mit ihren Sinnen. Auch hier fühlte sie von Neuem, dass sie Menschen mit ihrer Ausstrahlung betören konnte und scheinbar schien dies wirklich eine weitere Fähigkeit zu sein, die sie einsetzen konnte, um ihren Willen zu bekommen. Sie ließ es sich nicht nehmen, den jungen Wachposten zu beißen und ihr Spielchen mit ihm zu spielen. Sie hatte schon herausgefunden, dass sie viele nicht töten musste, wenn sie es geschickt anstellte und den Menschen kaum spüren ließ, dass sie wirklich zubiss und sich an dessen Blut labte.

So war es nun nicht schwer, in die Stadt gelassen zu werden, er wies ihr zusätzlich den Weg zu einem Wirthaus, in dem er sie in der nächsten, seiner freien Nacht besuchen kommen wollte. Sie nickte gespielt erfreut und brachte sogar ein kurzes Erröten zustande. Sie solle dem Wirt sagen, wer sie geschickt habe und würde so auch noch zu später Stunde eingelassen werden und so tat sie, wie ihr geheißen und fand in dieser Nacht einen Unterschlupf in einem hübschen Zimmer, dessen Fensterläden sich lichtdicht verschließen ließen.

Am nächsten Abend, lange noch bevor der Wachmann zu ihr kommen wollte, ging sie aus dem Haus, nahm ihr Pferd aus dem angrenzenden Stall und fand den Weg zum Hafen, in dem einige Schiffe vor Anker lagen. Sie fragte die Matrosen eines besonders großen Schiffes nach einer Möglichkeit, doch sie lachten nur. Und da die Betörung dieser beiden keinen Sinn hatte, da es viel zu viele weitere Matrosen gab, denen es aufgefallen wäre, versuchte sie es beim nächst kleineren Schiff, doch auch hier erntete Emma lediglich lüsterne Blicke und anzügliches Gelächter.

"Ihr möchtet auf die andere Seite des Ozeans reisen?" Emma wandte sich zu der tiefen, ruhigen Stimme um, die scheinbar sie angesprochen hatte, als die Schiffsjungen wieder in ihre Kajüten gingen oder auch in die angrenzende Fischergaststätte, aus der lautes Grölen zu vernehmen war. "Ich... ja,... ja, das würde ich gerne." Und sie erkannte ihn dem hochgewachsenen, schönen Mann einen ihrer Art. Er trug feine Kleidung und einen schwarzen Hut auf dem Kopf. Seine Schultern und Arme bedeckte ein ebenso schwarzer Umhang, vor seiner Weste ließ eine Silberkette vermuten, dass er eine Taschenuhr mit sich führte. Seine Schuhe waren blankpoliert und Emma ließ ihren Blick wieder zurück in das helle, unbärtige Gesicht wandern, aus diesem zwei stechendblaue Augen die Nacht zu erhellen schienen.

"Nun denn, ich nehme Erschreckenderweise an, dass Ihr allein seid mit Eurem tierischen Gefährten. Ich biete Euch einen Platz in meiner Kajüte, mein Weg führt mich nach England. Es soll heißen, dass dort in London unseresgleichen eine etwas leichtere Art haben, auszukommen. Backsteinhäuser, in die kein Licht dringt. Vielleicht mögt Ihr mir Gesellschaft auf der Überfahrt sein. Natürlich ohne den Hintergedanken an weiteres." Er schien ehrlich daran interessiert, einer jungen geborenen Vampiress Hilfe zu leisten und für Emma war es das erste Mal, dass sie auf ihresgleichen traf.

Gerne nahm sie das Angebot an und in ihrer direkten Art, wie sie es nicht anders gelernt hatte, fragte sie ihn, ob er ihr mehr erzählen konnte, was sie vielleicht noch nicht wusste. Er willigte mit einem gutmütigen Lächeln ein. "Entschuldigt bitte meine Unhöflichkeit. Mein Name ist Lewis Maxime Bearbaum. Wie darf ich Euch nennen?" - "Bitte Emma und... Du." Und somit war eine Zeit angebrochen, die Emma voller Wissensvielfalt entgegen trat.

Emma erfuhr, dass Lewis ein Anwesen in London gekauft hatte, das er nun beziehen wollte. Er stammte ursprünglich aus England, doch waren seine Eltern nach Frankreich gesiedelt. Auch er war ein geborener Vampir, allerdings schon 234 Jahre alt und hatte viel gesehen in der Welt. England hatte ihm am Besten gefallen und so entschloss er sich, in seine Urheimat zurückzukehren. Sie verstanden sich auf Anhieb sehr gut und Emma hatte auch hier kaum einmal einen ruhigen Augenblick, in dem sie in der Trauer versinken konnte. Karoline war immer nah bei ihr, sie sprach auch zu ihr, fragte sie des öfteren um Rat, doch sie vermied es, näher über ihren Tod nachzudenken. Sie konnte sich nur darauf verlassen, dass ihre Mutter gewusst hatte, was zu tun war, dass sie nicht gefoltert wurde. Emma hatten ihren Tod gespürt, sie wusste, dass ihr dieses Leid erspart geblieben war, nun konnte sie nur darauf vertrauen, dass auch ihr Tod nicht quälend war.

Lewis erfuhr nach und nach ihre Geschichte und auch Emma durfte in sein Leben einen großen Einblick erhalten. Als sie in England einliefen war es schon beschlossene Sache, dass Emma zu Lewis ziehen würde. Sein Anwesen, ein hübsches Herrenhaus mit Garten und einem Diener sowie einer Magd, war ein Traum für jeden, der so einfach aufgewachsen war, wie Emma, auch wenn sie keine Sekunde in der kleinen Hütte und dem Wald missen wollte. Das war, was Karoline sich für ihre Tochter gewünscht hatte - einen gewissen Wohlstand und ein einfacheres Leben und Emma merkte, dass es viel einfacher war, so und hier zu leben, als es in den kleinen Dörfern in Deutschland gewesen war und sie hatte nicht einmal mitten in einem Dorf gelebt.

Lewis hegte schnell Gefühle für die junge Schönheit, die jedoch viel zu beschäftigt war, sich die Stadt, die Menschen und die Häuser anzusehen. Immer öfter allerdings machte er ihr direkte Komplimente oder brachte ihr schöne Kleider mit, kaufte ihr teure Korsagen, die nur die wirklich Reichen trugen und ließ ihr die hübschesten Schmuckstücke zukommen, die in London zu finden waren. Nur das Beste war ihm für sie gut genug und eines Abends, als er sie auf eine Gesellschaft ihresgleichen ausführen wollte und sie mit ihrem neuen dunkelroten Seidenkleid, der schwarzen Korsage und dem hochgesteckten Haar, strahlend die Treppe herunter schritt, konnte er sich nicht mehr zurückhalten und musste ihr ehrlich sagen, was er für sie empfand.

Schon seit einigen Wochen hatte auch sie eine gewisse Anziehung zu ihm gefühlt. Dann, als sich alles Neue langsam zum Bekannten wandelte. Und als sie bei ihrem letzten Opfer spürte, dass sie dieses körperlich nicht begehren wollte, sondern lieblos tötete, wurde ihr bewusst, woran oder besser - an wem es lag. An diesem Abend verließen sie das Haus nicht mehr und das Kleid wurde stillschweigend von der Magd auf das leere Bett Emmas gelegt, in welchem sie von nun an nicht mehr schlafen würde.

Lewis teilte ihre Leidenschaft, trug sie auf Händen und sie fühlte zum ersten Mal die tiefe Erregung, die man nur empfinden konnte, wenn man sich besser kennenlernte und ausprobierte und seine Neugierde ausleben konnte. Jedoch war es immer noch leicht verhalten. Lewis war ein noch älteres Geschlecht, als die konservative Gesellschaft um sie herum und mit den Jahren spürte Emma auch hier, dass sie in einer Zeit lebte, in der sie nicht ausleben konnte und durfte, was in ihr steckte. Sie konnte es nicht benennen, nur hoffen, dass es irgendwann anders war, denn auch Lewis berichtete davon, dass es vor zweihundert Jahren noch sehr viel anders war als heute. Er war mit der Zeit gegangen und hatte scheinbar hier im 18. Jahrhundert gefunden, was ihn glücklich machte und ausfüllte. Emma sprach es nie aus, aber sie fragte sich, wann sie finden würde, was sie ausfüllte.

Sie verbrachten trotz dessen mehrere Jahre in endlosem Glück. Emma lernte von Lewis alles, was sie wissen musste und auch einige Vampire und Vampiressen kennen, mit denen sie sich gut verstand. Lewis war jemand, der die Gesellschaft von Menschen strickt mied. Etwas, das sie nicht wirklich guthieß, aber Emma begehrte hier nicht auf. Kodextreue war für den Vampir oberstes Gebot und Emma fügte sich, weil sie keinen Grund sah, sich mit ihm durch Diskussionen zu zerstreiten. Es lief alles sehr schön, doch die Fassade bröckelte mit jedem Jahr, das sie so eng zusammen verbrachten. Emma spürte mit jedem Tag, dass es nicht ihre Zeit war. Dass er nicht in ihrer Zeit lebte. Sie hatte schon sehr früh seinen Namen angenommen. Nach außen hin waren sie nun ein Paar, wie bei Menschen es nur die Heirat beschließen konnte. Für ihn war es wichtig und Emma selbst hatte sich einen Nachnamen gewünscht und fand Bearbaum hatte einen schönen Klang. Der Name vereinte die englische und deutsche Seite in ihrem Inneren.

Der aufbegehrende Bär in ihr und auch der standfeste Baum ihrer eigenen Bodenständigkeit. Die Klangfarbe des Namens sprach sie an und so entschied sie sich, diesen mit Stolz zu tragen. Auch noch, als es nach einigen weiteren Jahren wirklich so weit kam, dass sie sich mit Lewis zerstritt, da seine Kodextreue nun Formen annahm, die sie nicht mehr einfach stillschweigend schlucken konnte und es auch nicht wollte. Er hatte sich einer Gruppe von Vampiren angeschlossen, die sich gegen ihresgleichen stellten, die den Kodex nicht achteten und ehrten.

Emma hatte sich diesbezüglich niemals etwas zu schulden kommen lassen, auch wenn sie mit einigen Punkten nicht einverstanden war und diese auch anders sah. Sie hatte sich immer daran gehalten, weil sie geglaubt hatte, dass es die Pflicht eines jeden Vampirs war, sich daran zu halten. Sie hatte es hingenommen, doch in kürzester Zeit musste sie begreifen, dass diese eingefahrene Sichtweise - vor allem von Lewis und seinem "Clan" - fanatische Ausnahme annahm, zu grausamen Taten führte, die sie mitnichten auch nur im Ansatz gut heißen konnte - und somit den Kodex als solches nicht mehr wirklich komplett gutheißen konnte.

Niemals zuvor hatte sie ihn aggressiv erlebt, doch in dieser Nacht schrie er sie an, was sie sich einbilde über den "heiligen" Kodex zu sprechen und über ihn, dem Kodexvertreter, so zu richten. Dies war der Augenblick, da sie ihm sagte, dass sie ihn verlassen würde. Sekundenlang war Stille in das hübsche Zimmer mit dem wärmenden Kaminfeuer eingekehrt. "Du kannst mich nicht verlassen, Emma, ich bitte Dich." Er war entsetzt, hatte tatsächlich für einen Augenblick vergessen, über was sie gerade gesprochen hatten, doch ihr Entschluss stand fest. Es hatte an der Türe geläutet, er wurde abgeholt zu einem Treffen, die Kutsche stünde bereits bereit. "Lass uns bitte später darüber sprechen." Sie antwortete ihm nicht und er hatte keine Zeit zu warten. Geknickt war er zur Kutsche gegangen und eingestiegen. Es sollte das letzte Mal sein, dass sie ihn sehen würde.

Ihr wurde von seinem besten Freund zugetragen, dass er die Jagd nicht überlebt habe. Lewis schien mit den Gedanken nicht ganz bei der Sache gewesen zu sein, wie John ihr berichtete, er hatte nicht aufgepasst... sie nahm es mit Fassung und dankte für die Auskunft, bevor er sich verbeugte und ging. Emma wusste nicht, ob sie froh darum sein sollte, dass ihr nun einiges vereinfacht wurde, oder traurig, weil sie in Lewis nicht nur einen Partner, sondern auch ihren Mentor verloren hatte.

Natürlich war sie erzürnt darüber gewesen, was passiert war, wie er sich verändert hatte, aber sie hatte ihm gleichwohl auch vieles zu verdanken, vor allem jetzt, da in ihren Besitz überging, was er ihr hinterlassen hatte. Mit Annahme seines Namens und gefälschten Heiratspapieren, war sie rechtmäßige und einzige Erbin seines umfassenden Vermögens, seines Hauses, dem Mobiliar und allem, was dazu gehörte.

Im Grunde fühlte sie allerdings nicht sehr viel. Wäre dies vor einigen Jahren passiert, hätte sie bittere Tränen geweint, doch so blieb in ihren Gedanken seine Veränderung, seine Reaktion und ihr Streit und sie stand dem allen nun tatsächlich emotionslos gegenüber. Konnte sich weder freuen, noch deswegen weinen. Emma nahm es als gegeben hin, als sie in dunkelgrünem Kleid, offenem Haar an den halbhohen Fenster stand und hinaus auf den Schnee blickte, der in dicken Flocken auf den bepflasterten, grautristen Boden fiel.


Weiterentwicklung (1750-1810)

Ein kleiner Anflug von Hoffnung stahl sich in das Herz der freizügigen Vampiress, als die Zeit des Rokokos hereinbrach und freizügige Künste zu Tage geleitet wurden, die auch sie selbst dazu veranlasste mit dem Malen zu beginnen. Viel später erfuhr sie von einem Franzosen, Jean Honoré Fragonard, dessen Bilder zu Hofe von der königlichen Mätresse Madame Dubarry in Frankreich abgelehnt worden waren, obwohl bestellt, weil viel zu freizügig. Gerne hätte sie besagte Bilder einmal gesehen, doch sie wurden unter Verschluss gehalten und einige Zeit, nachdem sie von diesen erfuhr und auch von der Geschichte des Malers, verboten. Die Französische Revolution verbot diese Künste generell und so starb die Hoffnung, dass sie ihre eigenen Bilder jemals ausstellen durfte, wieder ab. Schon gar nicht als Frau, obwohl sie schnell gelernt hatte, dass sie ihr mehr Gehör geschenkt wurde, wenn man reich war.

So konzentrierte sie sich weiterhin für sich auf die erotische Malerei und Zeichenkunst, behielt die Bilder unter Verschluss und widmete sich zudem den Sprachen. Die Englische beherrschte sie schon seit Jahrzehnten perfekt, Französisch fiel ihr schwer, doch wurde es besser und Spanisch sollte das nächste sein, das ihr Wissen schenken sollte. Sie wollte lernen, lesen und ihren Bedürfnissen nachgehen. Es war wie ein Warten auf Neuerungen, ein Warten darauf, dass die Welt sich besserte, doch es kamen Kriege, einer nach dem anderen, und irgendwie schien es einfach nicht besser werden zu wollen.

Emma lebte mittlerweile allein mit dem Diener in dem großen Haus am Rande der Londoner Innenstadt. Er war ihr stets treu geblieben. Lewis hatte ihm irgendwann das ewige Leben geschenkt. Er war schon älter gewesen und es hatte ihn nicht viel jünger werden lassen. Die Mägde hatten gewechselt und jetzt, da kaum noch Besuch kam, weil Emma sich mehr und mehr zurückzog in ihre Gedankenwelt, brauchten sie die Mägde nicht mehr. Viele Zimmer waren tot. Weiße Tücher bedeckten die Möbel und nur wenig Raum wurde benötigt von den beiden Zurückgebliebenen. Sie unterhielten sich viel, wenn die Stille zu groß wurde, ansonsten gingen sie beide ihrer Wege und der eine wusste nicht viel vom Leben des anderen.

Jenkins war schon lange kein Diener mehr, er war Mitbewohner des Hauses, hatte seit einigen Jahren eine Frau, die er regelmäßig traf und Emma suchte sich jede zweite Nacht einen anderen, den sie verführte, von dem sie trank, doch niemand von ihnen teilte mit ihr die Leidenschaft, die sie gerne ausgelebt hätte. Sie fühlte sich fehl am Platz, in argen Stunden sogar abartig, so brachte sie manchmal dann Tage in ihrem Atelier zu, in dem sie Bilder malte, die auch in der freizügigsten Zeitepoche verboten und sie dafür an den Pranger gebracht worden wäre. Wäre der Pranger in London in dieser Zeit überhaupt noch in Mode gewesen.

Als ihr dies noch immer nicht ausreichte, begann sie Geschichten zu schreiben. Texte über die Leidenschaft. Sie umschrieb mit vielen Worten und noch mehr Details ihr erstes Mal, ihre Begegnung mit Alice, die sie nie vergessen hatte, umschrieb diese weiter und erfand Einzelheiten, die so nie geschehen waren, sie sie aber gerne hätte geschehen lassen - heute - jetzt, da sie kein junges Mädchen mehr war, obwohl sie noch immer als 19-jährige hätte durchgehen können - innerlich, wie von ihrer ebenmäßigen Schönheit.

Lediglich in ihrer Phantasie und allein konnte sie ausleben, was sie gerne erlebt hätte, lediglich dort, konnte sie sein, wie sie war. Ihr war danach, sich zu entkleiden und durch die Straßen zu laufen, um Leute zu finden, die es ihr gleichtaten, Menschen, gleich ob Mann oder Frau, die sich ebenso eingeschränkt fühlten wie sie selbst. Verständlicherweise unterließ sie diese Freizügigkeiten und fügte sich mehr oder weniger Aufseufzend in ihre Zeit.

Sie zog es vor, ihre Bilder nackt zu malen, denn sie wusste, dass sie dabei nicht nur einmal und nicht selten, sich selbst zu einer Erregung bringen konnte, die im sonst so stillen Haus laut ihr Echo von den Wänden warf. Die Musik der Epochen konnte ihr nichts geben. Sie fand keine Erotik darin, fand nichts Außergewöhnliches, das sie mitriss. Viele Stücke fand sie schön, meisterlich, aber sie berührten sie nicht.

Ende des 18. Jahrhunderts, nachdem auch Jenkins seiner Wege mit seiner Liebsten gegangen war, schien es ihr, als könne es vielleicht an England liegen. Dem verbohrten, konservativen England, das nicht aus sich heraus kam. Hier, wo vieles noch auf der Stelle trat, wo die Welt in manchen Punkten stehen geblieben schien. Erfindungen wie elektronisches Licht und Telefon empfand Emma als überaus hilfreich und war begeistert von diesen Neuerungen. In dieser Zeit nahm die Hoffnung wieder zu, dass die Welt sich tatsächlich zum "Guten" entwickeln konnte. Auch die Erfindung des Automobils in seiner einfachsten Form als Dampfwagen Anfang des 19. Jahrhunderts verfolgte Emma mit regem Interesse und dies war dann auch der Zeitpunkt, an dem sie sich entschied, das Anwesen zu verkaufen und sich auf Reisen zu begeben. Sie hatte schon öfter von der "neuen Welt" in Amerika gehört und nun sollte dies ihr neues Ziel werden. Vielleicht gab es dort eine schneller fortschreitende Entwicklung als in Europa.


Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten (1810-1920)

Die Überfahrt war etwas aufreibend gewesen, denn das Schiff war tagelang unterwegs. Emma hatte Probleme, dass niemand mitbekam, wenn ein Passagier fehlte und so hielt sie sich weitestgehend, so lange wie möglich, zurück. Sie hatte vieles verkauft oder in England einfach zurückgelassen. So vieles war ihr nicht wichtig, so vieles gehörte ihr nicht wirklich, so vieles war bieder und überhaupt nicht das, was sie sich für sich vorstellte.

New York war sofort die Stadt ihres Herzens. Sie war groß, es gab vieles zu entdecken und sie fühlte sich sofort heimisch in dem regen Treiben, das auch damals schon in dieser Stadt zur Tagesordnung geworden war. Man kannte sich nur bedingt bis gar nicht und hier schienen die Menschen wirklich auch zu leben. Sie bezog ein Haus mitten in der Stadt, richtete sich ein und fühlte sich schon heimischer.

Viele Engländer, Franzosen und auch Deutsche waren hier anzutreffen, wohl auch wegen der Goldader, die auf amerikanischem Boden entdeckt worden war - Immigranten aus ganz Europa strömten ins Land - und sie konnte sich in verschiedenen Sprachen unterhalten oder aber lernte den amerikanischen Ausdruck für sich zu entdecken. Er machte aus der strengen, englischen Sprache eine Abweichung, die sich leichter anfühlte, irgendwie freier, die ihr gefiel und so eignete sich diese besondere Aussprache gerne an.

Hier in Amerika schienen die Menschen und auch die Vampire etwas offener zu sein, sie schienen tatsächlich freimütiger, aber noch immer waren sie eingefahren in ihrer Zeit, in der sie lebten, dennoch fand sie hier mitunter leicht euphorische Vampire - vor allem Vampire - mit denen sie die ein oder anderen Dinge ausprobieren konnte. Es gab ein alters Theater, in dessen Kellergewölbe sich ein geheimer Club eingenistet hatte, in den auch die vampirischen Damen Zutritt hatten. Vor allem jene, die freizügiger mit sich umzugehen wussten und Emma fand hier einen Anschluss in eine Ungezwungenheit, die fast schon sektenähnliche Ausmaße annahm.

Nicht selten kam es zur körperlichen Liebe mitten wo auch immer man sich gerade in diesem Raum befand, ob man seinen Gegenüber kannte oder nicht und es gab Situationen, in denen nicht nur zwei oder drei Gefallen an einem einzelnen Akt fanden. Emma genoss diese Freizügigkeit in vollen Zügen, sie lebte hier aus, was sie so verzweifelt woanders gesucht hatte.

Jeden Abend durfte man davon ausgehen, dass die Veranstalter dieser Orgien Menschen zu diesen Versammlungen brachten. Menschen, betört mit betäubenden Mitteln oder durch ihre Fähigkeiten im Zaum gehalten. Emma ließ es sich nicht nehmen, sich hier ihren Blutspielchen hinzugeben, die sich zunehmend verfestigten. Sie ging dabei äußerst zärtlich vor und setzte die Verzückung ein, denn ihr war von jeher wichtig, dass auch ihr Gegenüber wollte, wenngleich vielleicht nicht gänzlich aus eigenem Willen. Jedoch hatte Emma eine Ausstrahlung, die alle Angst vergessen ließ, die diese Menschen bei der Erkenntnis normalerweise verspürten, dass es Vampire gab.

Es dauerte jedoch auch gar nicht lange, dass sich Menschen von selbst anboten, teilzunehmen. Woher diese Menschen von Vampiren wussten, wurde nicht gefragt. Diese Gemeinschaft war Gegner des Kodexes. Auf ihre Weise ebenso extrem, wie Lewis es mit seinem Clan war, wenngleich auch umgekehrt, aber Emma störte sich vorerst nicht weiter daran. Scheinbar suchten sie würdige Menschen aus, denn nicht wenige von ihnen kamen, um zu werden, was sie waren und die Option, dass sich kein Gast um die Ausbildung der Ghoule kümmern musste, ließ sich die Menge dieses Blutspiel der Erregung gerne gefallen. Es schein ein richtiger "Boom" in dieser Zeit gegeben zu haben, denn New York wimmelte nach einiger Zeit von Vampiren. Fähigen, wie unfähigen, würdigen wie unwürdigen. Ein Beweis dafür, dass dieser Club nicht der einzige seiner Art zu sein schien.

Emma jedoch hatte niemals einen Menschen dort umgewandelt. Sie hatte sie verführt, auf die schönste und heißeste Art und Weise, die sie ihrem Gegenüber bieten konnte. Keine Wünsche schienen offen zu bleiben, dafür leckte sie die Blutrinnsale von der warmen Haut, beschaffte Befriedigung für sich und auch dem Menschen. Danach gab sie gerne ab, wenn er zu sehr darauf beharrte, zu werden, was sie war. Sie war nicht bereit, diesen Punkt des Kodexes zu brechen und es dauerte auch nicht lange, bis sie für sich entschied, dass dieser Weg für sie ebenfalls nicht der richtige war und sie fragte sich, warum es immer eine so extreme Richtung sein musste, die die ein oder anderen einschlugen.

Ausschlaggebend, warum dieser Club und viele andere zerschlagen wurde, war, dass kodextreue Vampire sich einschlichen und für Ordnung sorgen wollten. Ein unerbittlicher Kampf entstand, aus dem Emma nur mit Mühe und einer großen Portion Glück fliehen konnte. Dies war der Augenblick, in dem sie sich einen Schwertmeister unter den Vampiren suchte, der sie trainierte. Sie stellte sich nicht schlecht an, aber es würde niemals ihre absolute Stärke werden, doch sie hatte keine Wahl. Die Schießeisen dieser Zeit wirkten nicht zuverlässig und das Schwert war für sie seinerzeit der edelste Begleiter, den ein Vampir haben konnte. Sie übte das Zielwerfen mit dem Dolch und so konnte sie hier zumindest hier sagen, dass sie wahrlich sehr begabt darin war.

Ansonsten wurde mit dem ersten Jazz endlich ein Stil geboren, den sie nicht mehr gänzlich als langweilig empfand, aber noch immer hatte sie musikalische Defizite, die sie nicht auszugleichen wusste. Die Vampiress konnte sich nicht erklären, woran es lag, ob sie vielleicht einfach nicht musikalisch war oder ob es wirklich mehr geben musste, als das alles, was es bisher gegeben hatte.

Die Entwicklung der Frauenbewegung allerdings erleichterte Emma ungemein. Frauenrechtlerinnen in Amerika setzten die "Seneca Falls Declaration" durch und somit konnten Frauen Wählen und erreichten eine Reform der Ehe- und Besitzrechtsansprüche. Weitere Ziele waren das Recht auf Erwerbstätigkeit, auf Bildung und die Teilnahme am politischen Leben generell, was Emma schon für längst überfällig befand.

Die Kriege verfolgte Emma nicht mehr, auch wenn der erste Weltkrieg Anfang des 20. Jahrhunderts ausbrach. Sie nahm es nur am Rande wahr und wollte gar nicht weiter darüber nachdenken. Dass die Menschheit sich selbst zerstörte, war von jeher offensichtlich.


Selbstfindung (1920-1960)

In den darauffolgenden Jahren entdeckte sie allerdings eine Künstlerin, die ihr so viel geben konnte in ihrer Musik und ihrem Erscheinungsbild, dass Emma in heutiger Zeit sicherlich als Fan abgestempelt werden konnte, auch wenn sie diesen Ausdruck, als er Mode wurde, nicht wirklich prickelnd fand, da sie nicht fanatisch war. Dennoch sammelte sie alles, was sie über Marie Magdalene Dietrich, die sich selbst schon sehr früh nur noch Marlene nannte, was sie finden konnte.

Emma entdeckte die Freilichtspiele für sich und genoss jeden Film, den sie mit Marlene sehen durfte. Endlich war eine Frau geboren worden, die tatsächlich auch tat, was andere sich immer nur wünschten. Emma empfand diese Zeit als einzige Reform in sich. Die Weiblichkeit der Gesellschaft wurde mutiger und nahm sich die Künstlerin zum Vorbild, die eine so eigene Ausstrahlung besaß, das sie Millionen verzauberte. Erfreut hatte Emma festgestellt, dass Marlene Deutsche war und mit einem wehmütigen Gedanken dachte sie an ihre Mutter zurück, der diese Frau ebenso sehr imponiert hätte.

"Falling In Love Again" war ein Lied, den Emma aus Prinzipgründen dann nur noch als "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" in der deutschen Fassung anhörte, doch lieber wurde ihr später "Where Have All The Flowers Gone" in deutscher, wie auch englischer Version. Von Hildegard Knef war auch "Für mich soll's rote Rosen regnen" ein Lied, das ständig durch das Haus hallte.

Danach drehte Marlene Dietrich in den USA und Emma versuchte, die Drehplätze aufzusuchen, denn hier hatte auch ein weiterer einen Platz in ihrer Imponierliste eingenommen: Alfred Hitchcock. Ihre Wohnung glich bald einer Ansammlung von Zeitungsartikeln und Bildern, die sie ergattern konnte und so zeichnete sie in neuen Klängen Bilder von Marlene in ihren Rollen und auf der Bühne.

Mit "Der große Bluff" vollzog Marlene einen Imagewechsel, der Emma noch mehr imponierte. Sie sah darin auch eine Möglichkeit für sich und wurde in ihrem Denken freier, sich jederzeit verändern zu können, wie sie es wünschte. Auch ihre bedingungslose Solidarität der Soldaten und ihr offenkundiger Kampf gegen den Führer aller Knallköpfe, wie Emma später in einem Buch über die Historie der Welt las und diesen Begriff nur all zu gerne so stehen ließ, waren weitere Punkte, die Emma dazu brachten, Marlene Dietrich in den Himmel zu heben.

Viele Jahrzehnte später erst gab sie zu, dass sie dieser Künstlerin eine wirkliche Verliebtheit entgegen gebracht hatte, aber Marlene hatte sehr viele Menschen mit ihrem Sein und Tun verzaubert, daher konnte auch Emma darüber nur sinnierend lächeln. Nannte sie jemand "Vaterlandsverräterin" oder kam Emma zu Ohren, dass vor allem in Deutschland dieser Begriff allgegenwärtig war und sich auch noch Jahre halten sollte, schrieb sie Leserbriefe oder ging verbal sehr temperamentvoll dagegen an.

Es gab eine Situation, in der ein Vampir sich so äußerte. Offensichtlich war er Deutscher und auch von der deutschen Reichzeit überzeugter Befürworter. War lediglich in die USA gegangen, weil er in Deutschland keine Möglichkeit zu Überleben mehr gehabt hätte. Emma passte ihn ab und ohne mit der Wimper zu zucken tötete sie ihn durch den silbernen Dolch, den sie mittlerweile mit sich führte. Er hatte keine Chance. Doch nicht, weil er die geliebte Marlene beschimpft hatte, sondern weil sie Wut darüber empfand, dass solch eine Engstirnigkeit herrschte, dass es tatsächlich so viele Personen gab, die diese wahnsinnigen Handlungen für gut hielten und nicht sehen wollten oder auch wirklich in ihrer Verbohrtheit nicht sahen, dass es grausam war, unmenschlich... das Argument, welches dieser Vampir zerschmettert hatte, in dem er auflachte und offen zeigte, wie wenig er von der Rasse der Menschen hielt. Emma konnte diese Extreme einfach nicht verstehen, weder tolerieren, noch wollte sie sie einfach akzeptieren. "Ein Na*i weniger." Hatte sie bei sich gedacht und war über den Aschehaufen hinweggestiegen.

Marlene Dietrich war nicht nur für die Frauenbewegung, sondern auch persönlich für Emma eine Revolutionärin. Ihre Androgynität und der Mut, in Männerkleidung aufzutreten, wurde zum Vorbild vieler Frauen, und auch Emma entschied sich, ihr Äußeres abzuwandeln, zumindest für diese gewisse Zeit. Noch immer liebte sie ihre Korsagen, doch immer öfter sah man sie in verschiedenen Clubs mit Nadelstreifenanzügen und nun auch mit einer sehr kurzen und zur Mode passenden Bubikopf-Frisur. Es wurde eine Zeit, in der sie die Frau bevorzugter behandelte und das männliche Geschlecht sehr vernachlässigte, jedoch entschied sie sich nie für eine Seite, auch wenn sie bis heute sagen würde, dass das weibliche Geschlecht dem männlichen im Sex oftmals weit überlegen war. Ausnahmen bestätigten die Regel. Eine Zeit, in der ihr zweiter Vorname "Marlene" geprägt wurde, entstand und sie ihn für sich annahm.

Norma Jeane Mortenson alias Norma Jeane Baker alias Marilyn Monroe fand danach ebenso einen Platz in Emmas ständig wachsender Schallplattensammlung. Ebenso die Filme dieser Frau genoss sie unendliche Male. Doch auch beobachtete sie Monroes Leben mit einer Sorge, die bald schon, noch vor deren 40. Lebensjahr, Bestätigung fand. Es gab nur Gerüchte und Halbwahrheiten und Emma entzog sich der Realität und gab sich ihre eigenen Antworten in Bildern und Szenen, die sie auf Leinwand und zu Papier brachte. Aufzeichnungen, die sie niemals jemandem zeigen würde, sondern nur für sich eine kleine Reise in eine andere Welt darstellten. "Wenn ich nicht ich selbst sein kann, wer kann ich dann sein?" Ein Zitat von der Legende Marilyn Monroe, der auch zum Leitsatz in Emmas Leben wurde. In folge dessen nahm sie sich vom Leben, was sie für richtig hielt, ließ außer Acht, was sie nicht interessierte und boykottierte, was sie nicht gut heißen konnte.

Tony Curtis hatte zudem einmal über Monroe folgendes gesagt: "Marilyn Monroe sei total verrückt. Das war sie bestimmt, aber mit verrückt meine ich mehr, dass sie einfach (als im Sternzeichen geborener Zwilling) so unendlich viele Personen in einem Körper mit sich herumtrug, dass sie vielleicht Schwierigkeiten hatte, sich selber unter diesen ganzen Personen zu finden. Manchmal suchte und sehnte sie sich nach Norma Jeane aber ohne Marilyn Monroe konnte (und wollte) sie wohl auch nicht sein. Trotz dieses unruhigen Innenlebens, war sie ein wunderbarer Mensch, manchmal etwas anstrengend und chaotisch, aber im Grunde doch zart und verletzlich, und - sie hatte ihr Herz an der richtigen Stelle, davon bin ich überzeugt." Auch hier fand Emma sich wieder und nahm es als Erkenntnis und als Beispiel, es besser zu machen, als der Hollywoodengel.

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Es gibt eine Zukunft, und ich kann's gar nicht erwarten, an die Arbeit zu gehen.

[Marilyn Monroe]

Unter den männlichen Musikern, denen Emma große Hochachtung entgegenbrachte, befanden sich Louis Armstrong, Frank Sinatra und Glen Miller sowie Elvis Presley in seinen Filmen und mit seiner Musik. Sie rissen einfach mit sich und sie trafen auch Emma mitten ins Temperament. Und als der erste bessere Farbfilm in den 1930er-Jahren im Kino anlief, war Emma dem Kinofilm komplett verfallen. Zuvor schon hatte sie gerne die Stummfilme gesehen, die über Jahrzehnte hinweg gedreht worden waren, sie hatte gelacht bei Charly Chaplin, hatte sich gerne Dramen angesehen, die später mit Ton erschienen, aber der Farbfilm, der sich ab diesem Zeitpunkt dann stetig verbesserte, übertrumpfte all ihre Erwartungen.

Emma verbrachte ihre Zeit somit hauptsächlich damit, sich mit der Musik und mit Filmen zu beschäftigen, ihre Gedanken zu notieren, weiterhin zu malen und einen Weg zu sich selbst zu finden. Langsam schien die Zeit sich für sie zu ändern. Die Welt wurde offener, vielschichtiger und die Möglichkeiten wuchsen an. Es schien auf einmal nicht mehr alles unmöglich zu sein und immer wieder kehrten Emmas Gedanken zurück zu ihrer Mutter und Tränen standen ihr in den Augen, als sie an das Amulett aus Blut griff und sich wünschte, ihr wirklich sagen zu können, dass die Zukunft gut war und dass die Zukunft noch viel mehr zu bieten hatte, als sie beide es sich je ausgemalt hatten.

Es war schon so lange her. Emma konnte sich kaum noch vorstellen, wie es ohne Strom, ohne Musik, ohne Clubs, ohne reges Treiben und Filme gewesen war, oh ja, sie liebte Filme. Sie konnte kaum noch nachvollziehen, dass sie in einer Zeit aufgewachsen war, in der unschuldige Frauen durch Neid, Missgunst, dumme Angst und Gerüchte als Hexen verschrieen, gefoltert, gebranntmarkt und getötet wurden. Allerdings war der Krieg ein Beispiel dafür, dass die Menschheit nur verlagerte, nicht daraus lernte...

Es war auch eine Zeit, in der Emma sich langsam darum Gedanken machen musste, wie sie finanziell weiter fortbestehen konnte. Die Reserven neigten sich zum Ende, auch wenn das für einen Vampir bedeutete, dass er gut noch ein viertel Jahrhundert mit seinem Vermögen auskommen konnte, vor allem weil Nahrungsmittelkosten ausgegrenzt waren. Emmas Leben jedoch war ein Abenteuer zwischen Musik, Film und Clubs, sie verbrachte viele Nächte in solchen und dieses Leben war Luxus, kaum sparsam und so begann sie, Bücher zu schreiben.

Sie hatte schon ein paar Epochen der Zeitgeschichte durchlebt und ihre Phantasie kam ihr zugute, dass sie diese realitätsgetreu wiedergeben konnte. Sie schreib Bücher über das Mittelalter, erfand Hauptfiguren und Geschichten, die sich aus Halbwahrheiten und wirklichen Geschichten zusammensetzten. Schrieb Bücher über eine Schauspielerin in den 1920er Jahren und ähnliches, schickte die Manuskripte an Verlage und bekam schon beim dritten einen Langzeitvertrag.

Zu ihrem Glück war der Verleger selbst Vampir und so musste sie sich keine Ausreden einfallen lassen, warum sie ihn nur des Nachts sehen konnte. Er war angetan von ihrer Art zu schreiben und ihrer Phantasie, erkannte vieles in seiner eigenen Vergangenheit wieder und brachte die Bücher mit mittelgroßem Erfolg heraus. Es war eine Stammleserschaft, die sich bildete und da die Romane weit gefächert waren, war das Einkommen für die nächsten Jahre in jedem Fall gesichert. Ihre Bilder allerdings hielt sie weiterhin unter Verschluss. Die Welt schien noch nicht für diese bereit zu sein.


(1960-1999)

Die folgenden Jahre wurden überflutet von der technologischen Weiterentwicklung, die Emma begierig in sich aufnahm. Sie bestellte Fachzeitschriften im Abonnement und beschäftigte sich mit allem, was ihr interessant erschien. Sie las Gebrauchsanweisungen noch und nöcher und meldete sich in der Abendschule an, um sich weiterzubilden.

Fernstudien wurden möglich, und so nahm sie auch diese in Angriff. Sie verbrachte viel Zeit in ihrer eigenen kleinen Bibliothek, die sich mittlerweile angesammelt hatte, war in einem Buchclub, schrieb weiterhin ihre eigenen Romane unter verschiedenen Pseudonymen und malte. Auch nahm sie es sich nicht, auszugehen, ihren Spaß zu haben und auch die sexuelle Entwicklung der Gesellschaft in sich zu erkunden. Freizügiger wurde der Umgang und bald schien es kaum noch ein Tabuthema zu geben, was sie unglaublich erleichterte.

Als sie ihre erste Ausstellung eröffnete, schien die Kritikerpresse dennoch schockiert über die ein oder andere, doch so offenzügige Darstellung und dennoch wurde sie ein voller Erfolg. Die Menschheit schien danach zu lechzen, nicht genug zu bekommen und in verschiedenen, leicht fetisch-angehauchten Kreisen, die sich mit den Jahren entwickelt hatten, wurden die Bilder hoch gehandelt und Emma, die auch als Künstlerin nur mit ihrem Vornamen ohne Gesicht, bis auf ein Selbstportrait, bekannt war, gefeiert. Die Zeit der Kunstdrucke ermöglichte es, zusätzliche Einnahmequellen zu schaffen und Emmas Bilder verbreiteten sich in den verschiedenen Szenen rasant.

Mit der Zeit bekam die Vampiress immer wieder Briefe, in denen viele verschiedene Wünsche, Glückwünsche und Angebote zu lesen waren. Ein Brief jedoch war anders als die anderen. Er enthielt die üblichen Glückwünsche, aber auch Wünsche und ein Angebot auf so paradoxe Art und Weise, dass ihr die Zeilen lange Zeit nicht aus dem Gedächtnis gehen wollten. Vor allem war er auch in der Anrede aus alter Zeit geschrieben und die Vampiress musste sich unweigerlich fragen, ob er nicht von einer Frau geschrieben worden war, die von der Existenz der Vampire wusste und mit einem solchen, doch etwas älteren zusammen war.
  • Verehrte Emma, unbekanntes Wesen der zeitlosen Welt,

    nicht nur das Geheimnis um Eure Person, sondern auch das Geheimnis Eurer Zeitlosigkeit bringen mich dazu, diese Zeilen an Euch zu richten. Ich habe mich verliebt, ich bin ehrlich zu Euch, verliebt in Eure unbekannte Person, die so viel Persönlichkeit in ihrer Kunst zeigt. Verliebt in Eure Bilder und in Eure Kreationen, dass ich nicht umhin kann, Euch nun diese Zeilen wirklich zukommen zu lassen.

    In mir taute der Frühling und so kam es, dass ich alle Bilder von Euch in meiner Wohnstatt sammle, ein Original ist wirklich auch in meine Hände geraten und ich weiß, es gab nicht viele Originale, die Ihr feil geboten habt.

    Nun habe ich schon lange einen Wunsch. Einen Wunsch, der Euch jedoch nicht abschrecken soll, der Euch nicht zu nah kommen darf und der bitte als solchen gehandelt werden muss, wie der Künstler sein Objekt behandelt: mit einer kreativen Sachlichkeit zum Sein.

    Ich begehre einen Mann, der ein Geheimnis um sich macht, wie Ihr eines um Euch. Ein Mann, der dem Blutrausch verfiel, wie ich ihm verfallen bin. Schon lange Zeit bin ich nun an seiner Seite, unsere Bindung ist durchaus offen zu sehen und doch verbindet uns eine Liebe, die kaum mehr durchbrochen werden kann - so hoffe ich.

    Ein Geschenk wollte ich ihm machen, doch er hat so vieles schon gesehen, so vieles schon erlebt, hat alles, was er zum Leben benötigt und somit auch ich. Doch eines, das hat er nicht. Mein Herzblut für die Ewigkeit. Ich weiß, dass seine Ewigkeit eine andere ist als meine und gerade deshalb möchte ich ihm geben, das ihn immer an mich erinnern wird.

    Bitte, so haltet mich nicht für verrückt, es ist eine einfache Frage, es ist ein Wunsch, der mir in der Seele brennt und niemand anderen würde und werde ich je darum bitten bis auf Euch. Solltet Ihr mir nicht antworten, so werde ich das Verständnis haben und nicht noch einmal bei Euch nachfragen.

    Mein Wunsch ist: Malt mich. Malt mich mit meinem eigenen Blut, malt Farben, mischt sie mit diesem, aber nehmt meinen Körper, wie er geschaffen wurde, übersäht ihn mit Eurer Liebe und führt dann den Pinsel, wie ihr es schon in einem Interview erzähltet.

    Ich möchte verschmelzen mit Eurer Kunst und Eurer Leidenschaft, möchte in diesem Bild sehen, was ihr in mir seht, um es dann zum Geschenk zu machen an diesen Mann, den ich von Herzen liebe, damit er mir endlich nicht mehr verwehrt, was ich mir solange wünsche.

    Versteht meine Bitte nicht falsch, ich möchte nicht untreu ihm gegenüber sein. Mein Herz gehört ihm, doch meine Seele soll Euch gehören. Ich hoffe darauf, von Euch zu hören.

    In ewiger Verehrung,
    Gladys
Mit Interview konnte sie nur meinen, dass Emma in einem Telefoninterview erzählt hatte, dass sie einige ihrer Bilder nackt gemalt hatte, was eine weitere Welle der Empörung hervorgerufen hatte, aber sie konnte sich nur darüber amüsieren, denn genau an diesem Punkt trennte sich die Spreu vom Weizen.

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Emma brauchte einige Tage, in denen sie darüber nachdachte, ob sie sich wirklich bei Gladys melden sollte. Sie wusste nichts über diese Person, es konnte auch eine Falle sein, denn Kunstsachverständige würden erkennen können, dass einige Bilder mehrere Jahrzehnte alt waren und da Emma als junge Künstlerin gehandelt wurde, würden auch Vampirjäger sicherlich aufmerksam darauf werden.

Auch wenn Emma in ihrer Ausstellung immer dafür Sorge trug, dass man nicht zu nah an die teilweise anderthalbmeter hohen Leinwände heran kam. Man konnte nie wissen, vor allem, weil sie wirklich auch einige wenige Originale verkauft hatte, diese allerdings waren nicht vom letzten Jahrhundert, sondern eher welche, von den letzten 20 Jahren - eben aus diesen Sicherheitsgründen.

Dennoch schien ihr dieser Brief "wahr" zu sein und sie konnte auch der Versuchung nicht weiter standhalten und meldete sich unter der angegebenen Adresse zurück. Gladys wohnte ebenfalls in New York und so war es kein Problem ein Treffen auszumachen, das nachts in einem ruhigeren Club stattfand. Die junge Frau war etwa Mitte 20 und für einen Menschen vampirisch schön. Sie hatte dunkelrote Locken und ein ebenmäßiges Gesicht. Ihre Rundungen waren mehr, als man als schlank bezeichnen konnte, doch genau noch in dem Rahmen, das sie als schlank bezeichnet werden würde, müsste man sie beschreiben. Ihre Hüften waren rund und weich, ihre Brüste voll und ihre Haut hell. Gladys' Antlitz war voller liebevoller Fröhlichkeit und ihre blauen Augen strahlten für sich.

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Emma konnte nachvollziehen, dass man sich in dieses Mädchen verliebte, wenn man der Schönheit und Reinheit verfallen war. Und doch wollte ihr Inneres, das sie in ihrem Brief an Emma ausgedrückt hatte, so gar nicht zu ihrer Erscheinung passen. Zwei Gesichter, zwei Leben und viele Widersprüche vereinten sich in diesem Mädchen, und das so sehr, dass sie am Ende doch wieder eine Einheit bildeten.

Die Fähigkeiten des Gedankenlesens waren ihr zu eigen und sie konnte alsbald schon sicher sein, dass ihr menschliches Gegenüber die Wahrheit sprach. Sie wusste von der Existenz der Vampire und wünschte sich nichts sehnlicher, als dass ihr Geliebter sie zu sich holte, doch er tat es nicht. Seine Gründe schienen plausibel, wenn man bedachte, dass er sein eigenes Leben als Fluch ansah, dass er die Ewigkeit als ein Dilemma betrachtete und nur noch am Leben schien, weil er seine Liebe Gladys gegenüber viel tiefer empfand als seine depressiven Ansichten.

Emma hatte schon viele Vampire getroffen, die ihr Dasein als Fluch ansahen, doch allesamt waren sie gebissen worden und nicht als Vampir zur Welt gekommen. Sie fragte sich, ob man dem menschlichen Leben so sehr nachtrauerte, wenn man zu dem gemacht wurde, was sie selbst war. Sie hatte weder den Genuss von Essen noch von Trinken je erfahren, solange es sich nicht um Blut handelte, sie konnte nicht wissen, wie es war, in der Sonne spazieren zu gehen und die Welt in ihrer ganzen Farbenpracht lieben zu lernen, auch wenn die Gegenwart ihr Filme schenkte und Photografien, die ihr all das zeigten, was sie nie real würde sehen dürfen. War es verständlich, dass das Geschenk der Ewigkeit durch seine Einschränkungen zum Fluch wurde?

Emma selbst vermochte es nicht so zu fühlen, für sie war es die Chance, eine Welt zu erleben, die sich langsam, aber stetig so entwickelte, dass sie irgendwann einmal sagen konnte, dass sie zuhause angekommen war. Sie beließ es bei diesem Gedanken und nahm es hin. Ändern würde sie es nicht können und für sie war schon vom ersten Augenblick an klar gewesen, da sie Gladys gesehen hatte, dass sie ihr ihren Wunsch erfüllen wollte in der Hoffnung, dass ihr Geliebter, den sie Tom benannte, vielleicht endlich sah, dass nicht er zu entscheiden hatte, was mit Gladys Zukunft geschah, solange er sich sicher war, dass sie würdig war. Und Emma hielt den Rotschopf für mehr als nur würdig. Sie sah die Rasse der Vampire mit Respekt und Hochachtung an, aber auch mit einer gesunden Portion Eigenwillen und Selbstbewusstsein. Gladys würde einen guten Weg gehen, wenngleich er, wie auch für Emma, etwas schwierig werden würde mit einigen Ansichten, die kodextreuen Vampiren ein Dorn im Auge waren. Aber auch dessen war Gladys sich scheinbar bewusst.

Als Emma ihr mitteilte, dass sie dieses Bild malen wollte, dass sie diese Affaire für eine Leinwandlänge gerne mit Gladys teilen wollte und sich darauf einließ, sie schon am nächsten Abend zu sich nach hause einzuladen, strahlten die Augen der Rothaarigen noch mehr und man konnte wahrlich fast den Eindruck gewinnen, eine junge Vampiress vor sich sitzen zu haben. Sie war wie ein Sonnenschein im Mondlicht, wunderschön und einfach hinreißend. Ein Lächeln verabschiedete dieses Treffen und beide fühlten eine gewisse Vorfreude auf den nächsten Abend, der sich mehrere Abende hinziehen sollte, denn dieses Bild wurde ein Meisterwerk der blutigen Kunst, der Leidenschaft, der Liebe und der Lust.

Mit allen Sinnen verführte sie Gladys, ließ sie spüren, wie schön sie war, gab ihr einen Höhepunkt nach dem anderen und nahm in Pausen den Pinsel zur Hand, um ihn in das Blut der feinen Wunden zu tauchen, die Konturen dieser Schönheit auf die Leinwand zu bringen, die Farben mit ihrem Blut zu mischen und dann sinnlich über die Tropfen auf ihrer Haut zu lecken, damit die Wunden sich sogleich wieder schlossen, um von neuem zu beginnen.

Es war die dritte Nacht und das Bild stand kurz vor seiner Vollendung, als Gladys Emma von sich drückte und ihrerseits begann die nackte, kühle Haut zu küssen und zu liebkosen. Emma wollte Widerstand leisten, zu sehr war die Gefahr gegeben, dass Gladys sich ihre Umwandlung einfach selbst holte, so groß wie ihr Wunsch war. Doch keuchend legte sich Emmas Kopf in den Nacken als die roten Locken ihren Schoß bedeckten und sie die unglaublich warme, feuchte Zunge zwischen ihrer Lustlinie spürte. Ein Stöhnen so rein und voller Schönheit durchdrang den Raum und hielt einige Sekunden lang an, als der Höhepunkt sich in den windenden Körper schlich und Gladys ihre Fingerspitzen sacht auf Emmas Lustpunkt drückte, damit diese langsam abebben konnte.

Gladys suchte Emmas Lippen und langsam begannen ihre Finger sich abermals kreisend zu bewegen, sie verschmolzen zu einem Kuss der Leidenschaft, wie ihn Emma kaum zuvor einmal verspürt hatte und fühlte, wie der nächste Orgasmus nahte, der sie in einen Trancezustand der Lust fallen ließ und laut die Stille das Hauses durchdrang. Ihr Körper bäumte sich leidenschaftlich auf und Gladys drückte sie mit zärtlicher Gewalt zurück, hielt ihre Handgelenke über ihren Kopf und ein drittes Mal konnte die Vampiress sich nicht verwehren zu explodieren...

Was tat dieses Geschöpf mit ihr? Je mehr die junge Frau Emma dazu brachte, sich nicht bewegen zu können, desto größer wurde ihre Lust, ihr Körper und ihre Blicke bettelten förmlich um Berührung, wünschten sich stärkeren Druck und noch mehr Befriedigung. Es sollte Stunden andauern, bis die beiden Frauen nebeneinander auf dem - mit einem schneeweißen, leicht blutbefleckten Tuch bedeckten - Boden des Ateliers bis zur nächsten Nacht einschliefen.

Es wären nur wenige Pinselstriche gewesen, die das Bild zur Vollendung gebracht hätten, aber sie entschieden beide, dass es genau so, wie es jetzt war, perfekt war und dass der Abschluss des Vorabends besiegelte, was die Leinwand nun zeigte. Es war eine stillschweigende, sehnsüchtige Verabschiedung der beiden Frauen, die wussten, dass sie sich niemals wieder sehen würden. Nicht auf diese Art und Weise. Und tagelang brachte Emma danach damit zu, einen Roman zu schreiben, der Jahre später in der frauenliebenden wie auch der Fetisch-Szene zum Bestseller wurde.

Die Idee war geboren, die Lust entschied den Rest. Emma hatte eine kleine Vision von Selbständigkeit, mit der sie ihren weiteren Lebensunterhalt verdienen wollte. Für sich und für alle jene, die sonst keine Möglichkeiten hatten, in solche Genüsse zu kommen. Doch sollte es noch einige Jahre andauern, bis sie diese Vision auch tatsächlich verwirklichen können sollte, denn das Buch, das sie geschrieben hatte, erregte auch Aufsehen in der kodextreuen Vampirschaft und sie wurde selbst zur Gejagten.

Sie hatte in ihrem Buch nichts über sich selbst geschrieben, nicht erwähnt, was geschehen war, aber Vampire zu ihren Hauptfiguren gemacht und diese so real beschrieben, dass jeder Vampir, der dieses Buch las, erkennen musste, dass es selbst von einer Vampiress geschrieben worden war. Ihr Verleger hatte sie gewarnt, doch er war gleichwohl auch ihrer Meinung, dass niemand der Menschen auf den Gedanken kommen würde, dass Vampire wirklich existent waren. Sie war der Ansicht, dass die Zeit reif war, dieses Buch so zu veröffentlichen, denn es war Mode geworden, Vampirgeschichten zu lesen oder sie sich im Kino anzusehen. Es bestand keine Gefahr, denn ihr Buch war ein Roman und keine reale Biographie, doch die Kodexanhänger konnten nur engstirnige Gedanken zustande bringen und versuchten mit allen Mitteln, die Künstlerin und Autorin, die dieses Buch unter ihrem Vornamen "Emma" herausgebracht hatte, ausfindig zu machen - und es gelang.

Eines Nachts traten sie die Türe zu Emmas Appartement ein und verschafften sich Zugang zu ihren Gemächern. Die Vampiress hatte sie gehört, hatte sich etwas übergezogen und hielt das Schwert bereit. Es waren drei und sie erkannte an ihrer Aura, dass nur einer von ihnen wirklich älter war als sie selbst. Sie spürte ihren Ärger gerade über die jungen Vampire, die scheinbar nicht selbst modern mitdenken konnten, sondern sich diesen veralteten Wertvorstellungen hingaben, doch viel Zeit für diese Gedanken hatte sie nicht. Ihr Haar war gelöst und fiel ihr seidig in den Rücken, sie hatte sich ein Shirt über den Kopf gestreift und stand nun mit nackten Beinen und bloßen Füßen, dem Schwert in der Hand und einem starren Blick vor ihnen in ihren Schlafgemächern.

"Du bist des Todes, Vampiress. Du hast uns verraten, wie konntest Du dem Kodex so ins Gesicht spucken und unsere Existenz gefährden?" Sie wollte antworten, doch er, der alte Vampir, brachte sie mit einem Handzug durch die Luft zur Ruhe. "Wehe, Du sagst auch nur ein Wort." "Was dann? Willst Du nicht, dass die Kleinen an Deiner Seite begreifen, dass Du falsche Gedanken hegst?" Sie warf ihm ihren Gedanken zu und er stockte, doch reagierte er nicht darauf, wurde nur noch wütender und schickte seine Schergen vor, die mit ihren Schwertern auf sie zustürmten. Sie parierte perfekt.

Die jungen Vampire hatten keine gute Schulung in der Kunst des Schwertkampfes, und auch wenn sie selbst es nicht perfekt beherrschte, saßen ihre Hiebe und ihre Abwehr besser als die ihrer Gegner. Sie griff im kurzen Kampf, während sie das Schwert mit einer Drehung durch die Luft schwang und den Kopf des einen feinsäuberlich vom Rumpf trennte, nach dem Dolch auf ihrem Nachttisch, zielte kaum und traf den zweiten direkt ins Herz. Das Silber tat sein Übriges und schon einige Augenblicke später zierten die beiden den Boden der Vampiress mit ihrer Asche.

Sie konnte sich nicht lange darüber freuen, denn der Sprecher zog sein Schwert und stürmte über das Bett auf sie zu. Sie konnte sich nur unter ihm wegducken und laufen. Sie wusste, sie hatte keine Chance gegen ihn und so rannte sie die Stufen zur Eingangshalle hinunter, hörte seine Schritte hinter sich, hörte wie er ebenso seine Fähigkeiten einsetzte, wie sie es tat und rannte durch die aufgetretene Tür hinaus in die Nacht. Es schien gefühlte Stunden zu dauern, bis sie ihn endlich abgehängt hatte und sie war sicher, er würde ihr Haus nun beobachten. Sie konnte nicht dorthin zurückkehren.

Emma blieb nichts weiter übrig, als sich bei ihrem Verleger zu melden und ihn zu bitten, ihr Unterschlupf zu gewähren und er ließ sie ein, brachte ihr Kleidung und konnte sich nicht verwehren, ihr zu sagen, dass er sie gewarnt hatte, nachdem sie erzählte, was vorgefallen war. Ihr war bewusst, dass sie nun eine neue Wohnung brauchte und das bestenfalls am anderen Ende der Staaten, denn dieser Clan, zu dem dieser alte Vampir mit Sicherheit gehörte, wie Lewis ihm damals angehört hatte, würde nicht eher ruhen, bis er sie fand. Sie wusste, dass diese Clans sich in ganz Europa und Nordamerika breit gemacht hatten. An die westliche Küste waren sie noch nicht vorgedrungen. Dort waren die Nächte zu kurz, als dass sie für einen Vampir ansprechend schienen, auch wenn viele sicherlich ihren Weg dorthin fanden.

Ihr geliebtes New York zu verlassen schien wie eine Utopie, aber es gab keinen anderen Weg und ihr Verleger sprach sich dafür aus. Er wollte nicht wissen, wohin sie ging, sagte ihr lediglich, dass sie die Stadt zu verlassen habe, wenn sie weiterleben wollte. Die Bedrohung durch diesen Clan war mittlerweile in New York fast schon stärker geworden, als die Vampirjäger, die es mittlerweile schafften, Vampire ohne große Anstrengung zu erkennen. "Verkehrte Welt." Dachte Emma bei sich und hoffte, dass das natürliche Gleichgewicht irgendwann wieder hergestellt sein würde, wie ihre Mutter es ausgedrückt hätte.

Am nächsten Tag - bei Sonnenschein - beauftragte sie ein Umzugsunternehmen, das ihre Haustatt auflösen sollte. Es waren Leute, die sie mehr oder weniger kannte, sie vertraute niemandem, aber zumindest ihnen mehr, als jedem Fremden, dass auch wirklich alle Gemälde und Manuskripte, ihre Bücher und das Mobiliar sowie ihre Kleidung mit Respekt behandelt, zusammengepackt und verfrachtet wurden. Auch wenn der Vampir sich in ihrem Haus befand, so konnte er den Menschen im Sonnenschein nicht folgen und da diese um die Existenz der Vampire wussten, waren sie dementsprechend vorbereitet. Ein weiterer Kodexbruch, aber sie wussten es nicht von Emma. Sie hatten sich auf Dienstleistungen für Vampire spezialisiert, ihr Chef war ein ebensolcher und auch dieser würde gejagt werden, wenn man davon erfuhr.

Nur sehr wenige wussten darum und nur durch ihren Verleger hatte sie mit ihnen Kontakt aufnehmen können und immer mal wieder einige Aufträge an sie vergeben. Dieser jedoch war wohl der größte und aufwendigste seither. Vor allem, weil sie unter dem Zeitdruck standen in jedem Fall noch vor Sonnenuntergang einige Kilometer aus der Stadt zu sein. Die Aufdrucke des LKW und die Kennzeichen wurden ausgetauscht und noch bevor sie das Haus betreten hatten, waren die Telefonleitungen gekappt worden. Mobiltelefone waren noch nicht in Mode oder gar gesellschaftstauglich und so konnten sie sicher sein, dass der Vampir, wenn er sich irgendwo im Haus verkrochen hatte und sie beobachtete, keine Unterstützung anfordern konnte. Der Plan war perfekt und wurde perfekt umgesetzt.

Emma setzte sich dann in den nächsten Flieger am darauffolgenden Abend und flog nach San Francisco. Sie hatte via Schnellverfahren dort ein Zimmer geordert und der LKW würde einige Tage brauchen, bis er die Staaten durchquert hatte. Sie kaufte am Flughafen noch ein paar Kleidungsstücke, stieg in das Flugzeug, welche sie generell für die perfekteste Erfindung hielt, die es für einen Vampir zum Reisen gab, und war schon einige Stunden später in der Hügelstadt Kaliforniens angekommen.

Sie spielte zuerst mit dem Gedanken, sich ein Appartement in Los Angeles, der Hochburg des Films, zu nehmen, doch entschied sie sich bald schon um, weil die salzige Seeluft ihre Bilder anfressen würde. Sie orientierte sich um und blickte mehr ins Landesinnere, jedoch immer noch nah der Küste und durchforstete Angebote, die ihr Makler zukommen ließen. Da aber nicht wirklich etwas gutes zu finden war - zumindest nicht auf die Schnelle - beschloss sie kurzzeitig in San Francisco zu bleiben. Die Stadt hatte ihren ganz eigenen Flair, die Kultur schien noch offener zu sein, als sie es in New York war, obwohl die Südstaaten mitunter etwas verbohrter wirkten, dennoch war San Francisco die Stadt der Künste und so fand sie hier viele Inspirationen und einige Gleichgesinnte. Sie tauschte sich aus und fand auch schnell Anschluss in der Vampirszene, was ihr allerdings nach nur wenigen Jahren wieder einen Umzug einbrachte.

Es war Ende der 1980er Jahre, als die Gothicszene sich langsam etablierte. Sie fühlte sich endlich in einer Szene wirklich wohl und da die Vampirepoche nicht abzureißen schien, ging sie offen mit dem Thema ihrer Rasse um, ohne, dass ein Mensch auch nur im Mindesten ahnte, dass es wirklich Vampire gab. Jedoch blieb dies nicht unentdeckt. Wie er es hatte herausfinden können, war ihr schleierhaft, doch eines Nachts sah sie sich abermals dem Vampir gegenüber, der sie aus New York vertrieben hatte.

"Ihr habt nicht dazu gelernt, Vampiress, nicht wahr? So soll dies nun Eure letzte Nacht sein." Sie spürte, dass er allein war, er siezte sie mit einem Mal... Emma hatte kein Schwert bei sich, um sich zu wehren, führte noch keine Pistole mit sich, um auf ihn zu schießen, sie hatte nur ihren Dolch, den sie bei sich trug. Er kam bedrohlich langsam auf sie zu und sie zog das silberne, edle Messer unbeobachtet und leise aus dem Halfter und konnte, auch mit ein bisschen Furcht vor seinem Können, über ihn lächeln in seiner Verbohrtheit. "Sagt mir, warum ich unsere Rasse gefährde, wenn kein Mensch auch nur im Ansatz ahnt, dass es uns wirklich gibt."

Er umrundete sie und sie folgte seinem hübschen Antlitz unter dem altertümlichen Zylinder, drehte sich mit ihm und ließ ihn keinen Augenblick unbeobachtet. "Ihr höhnt über mich, über uns, Euer Lachen verrät Euch." Sagte er nur ihrer Frage ausweichend, als er stehen blieb, noch immer ruhig, überlegen wirkend. "Ja, ich höhne über Euch, die Ihr so dumm seid und nicht sehen könnt, dass Ihr Euch mit Euer Geheimniskrämerei viel schneller ins Verderben zieht, als wenn Ihr in der richtigen Umgebung die Wahrheit nennt, die jedem einerlei ist, weil er nur an die Legenden glaubt." Sie spürte, wie seine Aura vibrierte. Sie hatte einen Punkt getroffen, den er nicht widerlegen konnte, außer mit altertümlichen, schon längst überholten Versen, die der Kodex aufwies. "Kein Mensch hat zu erfahren, dass es uns gibt. Du hast nicht das Recht, diese Regeln zu brechen." Er fiel nun ins "Du", er schien den letzten Funken Respekt seiner Gegenüber verloren zu haben. Es war wie beim ersten Aufeinandertreffen.

Emma reckte das Kinn, blickte ihn nur aus kalten Augen an und ging einen Schritt auf ihn zu, stand ihm nun so nah, wie ihr möglich war, ohne gegen ihn zu stoßen. Es war der Augenblick, in dem es nun nur noch darauf ankam, wer zuerst seine Waffe hob, wobei sie den Vorteil hatte, dass er nicht wusste, dass sie ihre schon fest in der Hand hielt. Dass er sein Schwert unter seinem Mantel versteckte, war offensichtlich, seine Hand hatte sich um den Griff gelegt, doch sie stand ihm zu nah, als dass er einen genügend großen Radius hatte, es zu ziehen, ohne, dass sie es ihm aus der Hand schlagen konnte.

Seine Würde und sein falscher Stolz verhinderten, dass er einen Schritt zurücktrat. Ein Flackern seiner Lider verriet, dass auch er nicht mehr die Ruhe in Person war. "Wie engstirnig Ihr doch seid. So tötet mich doch endlich, dann ist es vorbei." Es war fast ein Spucken und Zischen, was sie ihm leise entgegenschleuderte und er verlor die Beherrschung, zog an seinem Schwert, doch in diesem Augenblick spürte er den Dolch in seiner Brust, mitten im Herzen. Sie war schneller als er, es hätte auch anders ausgehen können. So jedoch traf sie der letzte boshafte und gleichwohl auch erstaunte Blick, bevor dieser leer wurde und der Körper zu Staub zerfiel.

Emma atmete tief ein. "Es hätte auch anders ausgehen können...", hallte es in ihren Gedanken nach und sie wandte sich um, um nach Hause zu gehen. Sie wusste nicht, wie er sie gefunden hatte, ob es Zufall war oder Planung. Sie wusste nicht, ob auch andere hinter ihr her waren und sie wusste gleichwohl, dass sie sich nun wieder auf den Weg machen musste, ein neues Zuhause zu finden. Wann würde sie endlich so leben zu können, wie sie es fühlte, wie sie es für richtig empfand?

Die Vampiress erhielt ein Angebot von einem Makler, der ihr ein Objekt in Phoenix anbot, dem sie nicht widerstehen konnte. Eine großräumige Atelier"wohnung", bei der sie zwar die großen Fenster verdunkeln lassen musste, aber die Wohnung entpuppte sich tatsächlich als mittelgroßes Haus in einer mehr oder weniger freundlichen Gegend von Phoenix. Große Räume boten viel Platz und ein frischer, heller Holzboden versprach ein angenehmes Ambiente und viel Spielraum. In Gedanken richtete sie die Immobilie schon ein und für sie war beschlossene Sache, den Kaufvertrag zu unterschreiben. Und so zog sie nur wenige Tage nach der Begebenheit mit besagtem Vampir nach Phoenix um. In der Hoffnung nun wirklich und endlich einen ruhigen Platz zum Leben gefunden zu haben.

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Das Haus bot im Erdgeschoss eine bürotaugliche Möglichkeit, dass sie ein kleines Geschäft einrichten konnte, das sie später über das Internet vertrieb, welches sich langsam stetiger Beliebtheit erfreute. Auch hier war es wieder die Technik, die sie faszinierte, neben dem heimischen Farbkino, das sich in Form eines Großbildschirms in ihre Räumlichkeiten schlich. Schnell eignete sie sich das nötige Wissen an und entwickelte sich mit der eigentlichen Entwicklung mit. Sie war wohl einer jener Vampire, die ein seltenes Alter erreichten, in dem sie wahrlich noch mit der Zeit ging.

Bei Emma allerdings war es nicht die Weiterentwicklung, sondern ein endliches Einfinden in eine Zeit, in der sie eigentlich hätte geboren werden müssen. Stetig schien es mehr so zu werden, wie sie es sich als junges Mädchen vorgestellt hatte. Natürlich konnte sie damals den technischen Standard von heute niemals vorausahnen, aber sie hatte ein Gefühl, das sie leitete und mit jeder Epoche spürte sie, dass sie dem näher kam, was sie zur Ausgeglichenheit ihrer selbst führte.

Sie hoffte, auch in Phoenix eine ausgeprägte schwarze Szene vorzufinden, die vorzugsweise zu ihren Kunden zählen sollte und in dieser sie sich endlich frei bewegen und ihren Vorlieben nachgehen konnte. Dort musste sie sich nicht verstecken. Sie zählte sich zu keiner dieser Subkulturen hinzu, wurde aber allgemeinhin in allen ohne Skepsis aufgenommen und integriert.

Emma entdeckte für sie die neue Mode und wechselte diese nach Lust und Laune. Endlich konnte sie auch die Jugendliche sein, die sie früher durch die Zeitepoche bedingt niemals hatte sein dürfen. Ob nun in der Punkszene, der Goth- oder EBM-Szene oder auch einfach der Vampyr-, SM- und Fetisch-Szene, sie war überall gern gesehen. Nirgends war sie extrem veranlagt, sondern hatte von jedem Gefühl ihr eigenes in sich wohnen, das sie zu einem Teil derer machte und je weiter die Jahre fortschritten, desto mehr kam sie in den Genuss eines ausgeglichenen Gefühls in sich. Auch die Musik gab ihr endlich, was sie benötigte. Texte, die sie liebte, die aussagten, was sie schon so lange Zeit empfand. Ganz nach dem Motto: "Wenn ich nicht ich selbst sein kann, wer kann ich dann sein?", wie Marilyn Monroe einst feststellte.


Das 21. Jahrhundert - Endlich "daheim" (1999-2007)

Tatsächlich lebte sich Emma in Phoenix schneller ein, als sie es anderswo erwartet hätte. Auch wenn New York von jeher die Stadt war, in der sie ihr Herzblut erkannt hatte, so war auch Phoenix eine schöne Alternative zur Ostküstengroßstadt, dem Big Apple.

Die Vampiress fand auch hier einige Clubs, die sie regelmäßig besuchte, wie auch Diskotheken, in denen sie ihre Musik wiederfand, die sie endlich ausfüllte. Sie war endlich zuhause angekommen. Das 21. Jahrhundert konnte der junggebliebenen Vampiress endlich bieten, was ihr Herz schon so viele Jahrzehnte begehrte. Hier konnte sie sein, wer sie wirklich war, konnte ausleben ohne geächtet und verschrieen zu werden, konnte fühlen, gefühlt werden und offen dem nachgehen, wofür sie sich interessierte.

Es schien kaum noch Tabuthemen zu geben und als sie auf einem Festival von mehreren Photografen angesprochen wurde, ließ sie sich darauf ein, einen weiteren Nebenverdienst in ihr teures Leben aufzunehmen: Sie ließ sich in verschiedenen, erotischen und vor allem schwarzen Szenerien photografieren. Niemals wurden ihre Bilder pornografisch, aber Akt bevorzugte sie vornehmlich. Gerne lebte sie dieses kleine exhibitionistische Gefühl so und in anderen Situationen in sich aus und sie konnte es sich wahrlich leisten, ihren Körper zur Schau zu stellen.

Auch etablierte sie die Blutmalerei sowie das erotische Malen an sich. Sie begann zudem erotische Geschichten und Bücher zu schreiben, die sie selbst vertrieb. Ihr ehemaliger Verleger stand ihr noch immer zur Seite und unterstützte sie mit seinem Wissen und seinen Verbindungen. Es entwickelte sich daraus ein bleibender Erfolg wachsender Beliebtheit in besagten Szenen. Sie bot mitunter auch Blutschmuck an und erlernte in einem Crashkurs die Verarbeitung schon geschliffener Edelsteine in Silberschmuck. Hauptbestandteil allerdings blieb die Malerei.

Mit der Zeit wurde der rein versandtechnische Laden ein realer, den sie teils als Galerieausstellung, teils als tatsächlichen Laden betrieb - jener, der nur nachts geöffnet hatte und das auch nur ein paar unregelmäßige Male im Monat, weitere Termine waren nur nach Vereinbarung zu bekommen. Sie wollte sich hier nicht gänzlich einschränken, sondern weiterhin in Freiheit leben und so entscheiden können, wann sie sich, wo aufhielt.

Es baute sich ein großer Kundenstamm auf der ganzen Welt auf und auch in ihrem privaten Umfeld schien sie verschiedenen Cliquen zugehörig, obwohl sie dies selbst nie als Zugehörigkeit empfand. Sie verstand sich mit den meisten Leuten und unterhielt sich gerne mit ihnen - oder schlief mit ihnen, spielte ihr Spiel mit dem Blut, doch wirkliche Freunde, nein, sie würde niemanden so bezeichnen. Der einzige, mit dem sie gewollt regelmäßigen Kontakt hatte, war ihr Verleger, der jedoch weiterhin in New York saß. Er hatte ihr in ihrer schwierigen Zeit zur Seite gestanden und dennoch, auch er war nicht wirklich das, was sie als einen Freund bezeichnen würde. Vielleicht aber lag es einfach daran, dass Emmas Maßstäbe an eine Freundschaft in der mit ihrer Mutter zu suchen waren. Diese war so intensiv gewesen, das sie dieses Gefühl nirgends anders mehr finden würde, was allerdings in Anbetracht der Tatsache verständlich war, dass ihre Mutter ihre Mutter war, aber so tief dachte sie nicht darüber nach.

Sie hatte keine Gedanken wie "ich habe keine Freunde", sie nahm es hin, wie es kam, genoss die Zeit mit den Personen, die ihr sympathisch waren, trauerte ihnen aber auch nicht wirklich nach, wenn der Kontakt sich verlief. Mitunter waren es höchstens die schönen Gespräche oder der gute Sex, der ihr fehlte, aber darum weinen würde sie niemals. Sie war nicht kalt oder unterkühlt, sondern offen, extravertiert und ehrlich, sie fühlte Situationen und Bindungen, ehrte verschiedene Bekanntschaften und genoss.

Vielleicht hatte sie wirklich gute Freundschaften, aber wusste überhaupt nicht wirklich davon. Für sie gab es niemanden, der an eine Freundschaft reichen konnte, denn ihre Mutter schien von jeher der einzige Mensch gewesen zu sein, mit dem sie sich auch ohne Worte verstanden hatte.

Wie auch immer es war... Emma schien endlich "zuhause" angekommen zu sein...


Finish.


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