[Phoenix|M]: Konradin "Blackbird" Jayden

Hier finden sich alle Vampir-Charaktere, die dem Konsortium anhängen und dem entsprechend i.d.R. dem liberal-revolutionären Kodex angehören. Abkürzungen: F = Engster Kreis der Konsortiumsspitze/Familie | A = Auftragnehmer | M = Unterstützung/allgemeines "Mitglied"
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Konradin
Vampir
Beiträge: 13
Registriert: 22.09.2016, 22:23
Posts: 1-2x/Monat
Charname: Konradin Jayden (Cptn Blackbird)
Pseudonym: K.J.; Black; Konrad; Konstantin
Alter: 28 Jahre
Vampiralter: 333 Jahre
Augen: Husky-Augen
Haare: schulterlang, glatt, mittelbraun
Größe: 175cm
Stadt: Phoenix
Rasse: Vampir
Kodex: Konsortium
Beruf: Pirat ... eigentlich. Jetzt: Talentsucher
Fähigkeiten: 1. Kraft des Entzückens
2. Leidenschaft
3. Aurenveränderung
4. Ventriculus Saccharum (passiv)
Kleidung: Eischalfarbenes Piratenhemd auf schwarzen Lederhosen, Chucks, Lederarmbänder, Halskette mit Haifischzahn, Piratenflagge als Bandana, Piratenlogo als Ohrstecker
Sonstiges: Ada Pearl - die Liebe seines Lebens - eine Frau, ein Schiff, ein Lebensziel
Schöpfer: Adaleta "Ada" Josephine Klok
Hauptchar: aBraXaS
FAQ: http://faq.vampir-rollenspiel.de
Kontaktdaten:

[Phoenix|M]: Konradin "Blackbird" Jayden

Beitragvon Konradin » 01.10.2016, 23:53

Charakter von aBraXaS

Steckbrief

» Name, Alter, Rasse
» Einstellung
» Herkunft, Beruf/Finanzen
» Aussehen
» Eigenarten
» Bevorzugte Opfer
» Fähigkeiten/Stärken
» Schwächen
» Waffen
» Vorlieben
» Abneigungen
» Charakter
» Ziele
» Sonstiges
» Leben in Phoenix/Venedic




~*~

Bild


Name
[Captain/Käpt'n] Konradin Jayden [Blackbird]
Früher eher Captain/Käpt'n Jayden Blackbird genannt, bevorzugt er bezüglich der gegebenen Zeitlage doch eher die moderne Version Konradin Jayden, wobei sein zweiter Vorname zum Nachnamen wird.
Abkürzungen sind auch K.J., wie er von heutigen Kollegen genannt wird; manchmal greifen Umstehende aus Nichtwissen, Bequemlichkeit oder anderen Gründen auch schlicht auf "Konrad" zurück. Er weist sie selten oder nur bestimmte Typen von Leuten zurecht oder darauf hin, ansonsten nimmt er es hin. Zu allem Überfluss kriegt er auch schon mal "Konny" zu hören. Manchmal merken sie sich auch nicht "Konradin", sondern Konstantin, was ihn mehr nervt, als alles andere. Der einzige Spitzname, den er mag und der leider viel zu selten genutzt wird ist "Black".

Ein bisschen trauert er seinem Piratentitel "Captain Blackbird" schon nach - aber nicht ganz so viel, wie er sein Schiff vermisst ... die Ada Pearl (eigentlich "Adaleta's Pearl", doch er wollte es nicht ganz so offensichtlich sein lassen - zum einen in Bezug auf die Frau, um die es geht, zum anderen in Bezug auf das winzige Körperteil dieser Frau, das der Name bezeichnet), sein Sahneschnittchen, sein ein und alles.

Den Namen "Blackbird" allerdings erhielt er eigentlich nur aus Spott im Vergleich zum ach so großen Piraten Blackbeard, der etwa zur gleichen Zeit die Meere unsicher machte und doch recht erfolgreich war. Man behauptete, er könne nicht einmal einen bunten Papageien stehlen und würde vom Pechvogel - dem Raben - verfolgt. Dabei besaß er einen wirklich schönen, langschwänzigen Ara Macao aus Südamerika. Er nannte ihn schlicht Blacky oder auch wie sie ihn: Blackbird.

Konradin sah das alles nicht so eng, irgendwas mussten die Leute ja zu reden haben. Vielmehr fand er, dass sich auch Spott einen Namen machen konnte und wenn dieser ihn bekannt machen sollte, dann konnte er doch auch nicht schlecht für ihn sein. Hauptsache man sprach über einen - solange war man schließlich interessant. Und wenn der Feind einen unterschätzte, war es doch nur umso besser.

Vielleicht lag es auch daran, dass er nie ein Schiff besaß, das so groß war wie Blackbeards "Queen Anne's Revenge" (die "La Concorde" unter damaligen Befehl von Pierre Dosset, ein Handelsschiff der Franzosen, das Blackbeard und Hornigold auf ihrem Weg von Nantes nach Martinique kaperten), eine dreimastige Fleute, die eine Länge von etwa dreißig Metern besaß und mit annähernd 40 Kanonen bewaffnet war.
Konradin war zwar kein Sloop-Commander, der eine sogenannte Schaluppe befehligte, aber dennoch war sein Schiff keine riesige Kriegsfleute. Viel mehr war es eine Galeasse mit dunkelorangefarbenen Lateinersegeln, ein Dreimaster, der in der Karibik kaum genutzt wurde.

Auch unterhielt der Pirat keine Flottille, wie Blackbeard seinerzeit über für Begleitschiffe verfügte. Aber er fand auch, dass Blackbeards Piratenflagge leicht peinlich war. Wer malte sich schon ein Herz auf die Flaggen. Trug man es nicht eher in der Brust?
Konradin hatte sich eher für die Version Calico Jack Rackhams, eine Version der Jolly Roger, entschieden: Auf dem schwarzgefärbten Stoff der typische weiße Totenkopf und darunter zwei gerkreuzte Schwerter, anstelle der Knochen.
Vielleicht lag es auch daran, dass er die Liebe zu Frauen teilte, wie Rackham seinerzeit Mary Read und Anne Bonny. Konradin verbrachte einige Jahre unter dem Kommando des Kapitäns auf der Revenge als Schiffsjunge und Jungpirat, später auch als Steuermann.


Menschliches Alter
etwa 28 Jahre alt, die Blutstaufe erhielt er mit 32 Jahren


Rassenbedingtes Alter
geboren Ende des 17. Jahrhunderts
333 Jahre alt
(geboren am 01. April 1678)


Art/Rasse
Gebissener Vampir
Schöpferin: Adaleta Josephine Klok, genannt "Ada" (alternative Schreibweise seinerzeit "Adelata" oder auch "Adeleta", da es keine Geburtsurkunden gab, ist das nicht ganz sicher)

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Einstellung
Speziell/Kodex:
Scheiß auf den Kodex, ein Pirat hat seine eigenen Gesetze.
Bestenfalls ist er neutral-revolutionär zu bezeichnen (unterstützt auch das Konsortium, wenn er es für richtig hält). Gerne ist er aber auch schlichtweg kodexuntreu zu nennen. Ein kleiner Anarchist eben, der nach seinen eigenen Regeln lebt.
Einzelgänger? Bedingt. Er kann schon auch viele Jahre allein durch die Welt gehen, aber letztendlich ist er der eher gesellige Typ, der Kontakt zu Mensch und Vampir sucht, auch wenn dieser mitunter recht oberflächlich bleibt.


Menschen:
Frauen - er liebt Frauen. Egal, ob Mensch oder Vampir. Wobei er die menschlichen noch um einiges anziehender findet, weil sie nicht so überheblich sind und sich allwissend vorkommen. Jedenfalls in der Regel. Überhaupt kann er mit diesem Vampirgehabe nichts anfangen. "Besser sein als ein Mensch", was sollte das heißen? Letztendlich waren sie doch alle gleich mit ihren Gedanken, Gefühlen, Wünschen und Vorstellungen. Die einen planen ihre Ziele nur über kürzere Zeit als die anderen.


Vampire:
Im Großen und Ganzen hält er die Rasse der Vampire für ein bisschen zu überheblich und von sich eingenommen. Er spricht hier keine großen Vorurteile aus, denn Ausnahmen bestätigten die Regel, doch gerade je älter ein Vampir ist, desto mehr scheint er zu glauben, über allem zu thronen. Eine Einstellung, die er als junger Mensch schon bezüglich älteren Menschen nicht leiden konnte. Das hat sich seit seinem Vampirdasein nicht verändert. Er ist der Ansicht, dass, je intelligenter ein Vampir sich und somit dem Menschen überlegen fühlt, desto dümmer ist er letztendlich einzuschätzen. Die wahre Weisheit liegt schließlich nicht im Alter oder einem gewissen Wissen über eine Rasse, das dem Menschen in der Regel verwehrt bleibt - sondern in der Erfahrung, die das Alter lediglich begünstigen kann; nicht muss.


Glaube/Religion/Symbolik:
Keine Religion, nie gehabt, interessiert ihn auch nicht wirklich.


Sonstiges:
Er unterstützt gerne das Aufständische, Rebellische - allein der alten Zeiten Willen sozusagen. Himmel, war es noch toll, auf See zu sein und sich einfach zu nehmen, was man wollte. Und er vermisst seinen Rum. Dass Vampire keinen Rum trinken können, findet er mehr als nur ungerecht. Ab und zu füllt er seine Opfer daher damit vorher ab. Ist zumindest ein kleiner Ausgleich (siehe hier aber auch Fähigkeiten und Eigenarten).

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Herkunft
Geboren ist Konradin in Montego Bay im Nordwesten Jamaikas, ganz in der Nähe der Stelle, an der Christoph Kolumbus 1494 Kontakt zur einheimischen Bevölkerung hatte. Doch Konradin wurde in einer Zeit geboren, in denen die Engländer schon seit gut 20 Jahren auf Jamaika herrschten und die Stadt mit Sklavenhandel sowie Zuckerrohranbau und Rumproduktion wirtschaftlich hochtrieben.
Während seiner Zeit als Pirat kam er nie über die Grenzen der Karibik hinaus. Danach ließ er sich für etliche Jahre in New Orleans nieder.

Karte seiner Aufenthaltsorte.

Beruf/Finanzen
Damals Pirat. Und heute? Er könnte ja von dem leben, das er so erbeutet hat, aber das Leben war damals noch kurz und wer auf seinen Reichtümern hockte, hatte am Ende des Lebens nichts mehr davon. Also hat er - wie die meisten Piraten - schlichtweg einfach alles verprasst.
Heute arbeitet er also als freiberuflicher Reporter in Wort und Bild und Photograph, Hobbyfilmer (womit er eher kein Geld verdient) und als Talentsucher mit eigener Agentur. Nicht nur für Modells und das Fernsehen, sondern auch für die neu eröffnete Burlesquebar Dita van Teese. Schöne Mädchen um sich rum und sich ein bisschen um die Belange derer kümmern - Das Jobangebot konnte er sich nun wirklich nicht entgegen lassen.


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Aussehen - Übersicht
  • Augen:
    Eine interessante Mischung aus grau, grün und hellem Blau mit einer schwarzblauen Ringfärbung um die Iriden. Sie wirken wie Huskyaugen und leuchten, wie vom Schnee reflektiert. Das Auffälligste an seinem Gesicht. Je nach Laune, unterstreicht er diese Auffälligkeiten auch mit Kajal oder braunem Lidschatten, der nicht glitzert.
    So geschickt, dass es aussieht, als gehöre es zu ihm - und nicht etwa wie eine Tunte. Das mag natürlich im Auge des Betrachters liegen, doch in der Regel weiß er zumindest, dass er damit bei den ein oder anderen Frauen sogar anziehend wirkt, ohne gleich als homosexuell abgestempelt zu werden.

    Er hat sich ansonsten eine große, eher quadratisch wirkenden Brille gekauft, die er vorzugsweise mit seinem Hut zusammen trägt. Sie besteht aus Fensterglas, doch er findet, sie steht ihm gut. Er trägt beides nach Lust und Laune, meist in seiner Funktion als Talentsucher oder Interviewer für Reportagen.
  • Haare:
    Etwa schulterlang, glatt und dunkelbraun mit hellbraunen natürlichen Farbabstufungen in Form von einzelnen Strähnen. Er konnte sich nie überwinden, sie gänzlich abzuschneiden. Vor drei Jahrhunderten waren sie noch richtig lang, allerdings auch leicht verfilzt und ungepflegt. Sie waren letztendlich so kaputt, dass sie auch die Blutstaufe nicht mehr retten konnte. Abgeschnitten hat er sie allerdings erst nach seiner Zeit der Piraterie.
  • Frisur:
    Ganz nach Laune. Wenn er sich mehr als der Pirat fühlt, trägt er ein Bandana (das auch schon mal aus seiner alten Piratenflagge bestehen kann) und auch mal hier und da eingedrehte Perlen oder vereinzelte Zöpfchen. An anderen Tagen trägt er sie mit einem Lederband zusammengebunden oder auch einfach offen. Gerne mit Hut im Frank-Sinatra-Stil.
  • Größe:
    Mit 175cm nicht unbedingt der größte Mann, aber damals galt seine Größe durchaus als stattlich. Was kann er dafür, dass die Evolution die Leute immer größer werden lässt?
  • Figur:
    Mehr oder weniger trainiert. Er tut dafür nicht wirklich viel, aber seine Muskeln können durchaus sichtbar sein. Dezent eher, wenn man es so beschreibt, aber dennoch ist er kein "Hämpfele", wie man in manchen Dialekten so schön sagt.
    Er ist kein schlanker und kein dicker Typ. Irgendwie die Mitte, gut gebaut und dennoch keinen Hüftring oder Bauchansatz oder gar so, dass man die Rippen sehen würde. Also irgendwie der gesunde Durchschnitt, den man sich gerne anschauen mag, wenn man nicht auf das ein oder andere Extrem steht.
  • Gesicht:
    Sein Teint geht ins Moccablass. Er findet, dass seine Hautfarbe aussieht wie Karamellpuder auf einem Capuccino mit Milchschaumhäubchen. Ob das andere auch so sehen, sei dahin gestellt.
    Sein oval-schlankes Gesicht ist meist glattrasiert und er belässt es auch in der Regel so, bis auf einen Kinnbart der mittig zu seiner Unterlippe führt und dem Haar über seiner Oberlippe, der als Schnauzer sicherlich nicht bezeichnet werden kann. Dieser Ausdruck ist im tatsächlich einfach zuwider.
    Wenn er Bock drauf hat, lässt er sich aber auch ein bisschen die typischen drei Tage stehen. Ganz nach Laune, ist aber eher weniger oft der Fall.
  • Stimme:
    Nichts auffälliges, nichts untergehendes. Eine angenehme Männerstimme, die sehr wohl sehr schnell charamant sein kann und einen gewissen schelmhaften Unterton enthält.
  • Kleidung:
    Auch hier ganz nach Laune und Situation. Natürlich besitzt er noch immer einige der weißen und beigen Piratenhemden mit weiten Ärmeln und locker geschnürtem Ausschnitt. Auch seine Stiefel, deren oberes Viertel nach unten geklappt ist mit großen, rechteckigen, silbernen Schnallen. Auch finden sich noch passende schwarzrote Hosen dazu und etliche Bandanas. Sogar seinen liebsten Hut hat er behalten, diesen aber doch seltener an, als den Rest. Er wäre wohl doch etwas auffällig.

    Von all dem greift er meistens zu den Hemden, aber Konradin trägt auch schlichte T- oder Muskelshirts (er ist unter den Achsel rasiert und hat auch kein Brusthaar) mit und ohne Aufdruck, auch in verschiedenen Farben oder weiß, solange sie gedeckt sind wie mattgrün, blaugrau und "sepia" (und zwar nicht den schwarzen Farbstoff, sondern gemeint der Effekt bei alten oder auf alt gemachten Photographien, die ins Beige übergehen).
    Gerne trägt er auch mal schlumpfige Jeans oder lockere Seitentaschenhosen, weil sie so praktisch sind. Ein Hoch auf Jeans oder auch Lederhosen! Die hätten sich auf dem Schiff sicherlich auch ganz gut gemacht. Zwei seiner liebsten Blue Jeans haben auch typische Löcher und sind am Saum ausgefranzt, weil zwei Zentimeter zu lang. Gerne trägt er auch eine Lederjacke, wenn es kühler ist, als angenehm - oder auch mal einen Ledermantel. Leder an sich hat es ihm schon angetan.

    Da er eher selten seine Stiefel tragen kann, aber natürlich auch moderne Boots besitzt, die jedoch nicht ganz so praktisch findet, trifft man ihn meist mit Chucks an. Chucks würde er auch zu Anzügen tragen, wenn er solche denn tragen würde. Chucks waren die Piraten der Moderne. Er liebte Chucks.
  • Schmuck:
    Ein kleiner Ring oder Stecker im linken Ohr. Manchmal hängt an dem Ring auch irgend ein Piratenzeichen oder er trägt einen Stecker mit seinem Flaggenmotiv: Dem Totenkopf mit zwei gekreuzten Säbeln darunter.

    Konradin trägt einen schlichten, silbernen, breiten und mattgeschliffenen Ring am linken Daumen und einen weiteren mit Ornamenten verziert und einem winzigen Rubin, der nur von Nahem sichtbar ist, am rechten Ringfinger. Der Rubin ist einer der letzten Bestandteile aus einem seiner Beutezüge. Die Ornamente bilden die kaum lesbaren, verschnörkelten Buchstaben "Ada" und sind schwarz in den silbernen Ring integriert.

    Um seinen Hals findet man immer die ein oder andere Kette. Das kann ein engeres Lederband mit irgendwelchen Anhängern oder Haifischzähnen und Muscheln sein, eine Lederkette in durchschnittlicher Länge mit einem Anhänger oder auch eine lange mit Amulett oder Federn und Perlenschmuck. Irgendwas ist da immer.

    Um seine Handgelenke - um beide - sind weitere Lederbänder eng geschnürt. Auch daran sind einige Perlen aufgefädelt, an einer auch einige kleine Muscheln.
  • Piercings:
    Bis auf das Ohrpiercing, keine. Er wüsste nicht wo, außer an der Augenbraue, aber dafür fühlt er sich nun doch etwas zu alt.
  • Tattoos:
    Der gleiche verschnörkelte, fast nicht lesbare Name "Ada" zwischen seinen Schulterblättern von 10x5cm sowie ein 15cm langer Drache im Tribalformat auf der Außenseite seiner linken Wade/seinem linken Unterschenkel. Beide Tattoos sind farblos - sprich schwarz auf Haut.
  • Narben:
    Eine mittlerweile sehr verblasste Narbe schräg an seinem Bauch vorbei, die etwa eine Länge von 27cm misst und eine weitere auf seinem Oberarmmuskel von ca. 11cm, ebenso verblasst und kaum mehr sichtbar. Beide Narben entstanden während Kapernkämpfen auf hoher See. Sieger ist der Überlebende. Ihm gehörte dann auch die Fracht auf dem erbeuteten Schiff.
  • Besonderheiten:
    Ihm sitzt der Schalk im Nacken, meist sieht man das seiner Mimik oder in seinen Augen an bzw. kann es aus seiner leicht spielerischen Art zu sprechen hören.

Aussehen - Beschreibung
s.o.

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Eigenarten
Rum - er liebt karibischen Rum, aber er darf ihn nicht trinken. Dennoch mischt er gerne einige Tropfen in das Blut, das er zu trinken denkt. Entweder versucht er mitunter das ein oder andere Opfer damit abzufüllen oder aber er lässt sich einen Schuss davon in ein bestelltes Glas geben. Mittlerweile wird ihm davon nicht einmal mehr schlecht - und wenn er genau drüber nachdenkt, ist ihm sogar nie deswegen schlecht geworden. Sein Körper scheint daran gewöhnt zu sein und das irgendwie zu verarbeiten (siehe bei den spezialisierten Begabungen).

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Bevorzugte Opfer
Ausschließlich junge, gutaussehende Frauen. Manchmal verführt er sie vorher, manchmal unterhält er sich zuvor mit ihnen, andere füllt er auch mit Rum ab. Er tötet sie in der Regel danach, da er das Vergessen nicht beherrscht und er keine Lust auf "die Erklärung danach" hat.

up

Spezialisierte Begabungen & weitere Stärken
  • Kraft des Entzückens
  • Leidenschaft
  • Aurenveränderung
  • [passiv]: Ventriculus Saccarum (s.u.)
Ventriculus Saccharum
(lat. "Magen"; "Zucker")
Ob es an seinem konstanten Drang lag, sich Rum zuzuführen, der Übung, den Wunsch, dem Willen, es ist nicht sicher, aber er entwickelte eine passive Fähigkeit, die selten aufgetaucht "Ventriculus" genannt wird. Sie macht es möglich, dass er neben Blut auch anderes zu sich nehmen kann. Vor allem, wenn es aus Zucker besteht, was auch diverse Alkoholika miteinschließt. Keine feste Nahrung in diesem Sinne, aber genügend Flüssigkeit, sodass das Blut sich damit vermischt und der vampirische Körper es verarbeiten kann.

Vor allem in der Vampirforschung (des Syndikats) wird diese (oder Abwandlungen vom Zucker) Fähigkeit gesucht, aber sie gilt als Legende und "zu schön, um wahr zu sein", vor allem, weil die Legende erklärt, dass Völlerei möglich sei, was Konradin definitiv verneinen müsste. Er selbst weiß von dieser Fähigkeit allerdings nichts. Er glaubt schlicht, dass er seinen Magen an den Rum gewöhnt hat, den er stetig immer mehr zu sich genommen hat, ohne sich daran den Magen zu verderben. Tatsächlich muss diese Fähigkeit derart ausgebaut werden, damit sie einsetzbar ist, doch auch das - woher auch - weiß er nicht. Es war mehr Zufall, dass es sich so entwickelte.

Er hat es allerdings noch nicht versucht, doch würde er auch ein Glas Rum ohne weiteres so vertragen, ohne, dass er sich davon übergeben müsste. Da seine Schöpferin ihm aber eingebleut hat, dass er eben nichts weiter zu sich nehmen kann, begnügt er sich schlichtweg mit seinem Schnapsglas voll oder dem Abfüllen der Frauen, die er auszutrinken gedenkt.
Es wäre für ihn der Himmel auf Erden, würde er herausfinden, dass es auch "einfach so" ginge - aber dann wäre er wohl auch sofort auffällig und wohl noch schneller Ziel des Syndikats, die ihn für ihre Forschungen sehr genau unter die Lupe nehmen würden. Aber auch dessen ist er sich nicht bewusst, weil er überhaupt nichts von einem Syndikat weiß.

Ansonsten kann er mehr oder weniger passabel mit seinem Rapier und dem Piratensäbel umgehen, die er besitzt. Allerdings hat er sie schon Jahre nicht mehr in der Hand gehalten, außer um sich mit ihnen an alte Zeiten zu erinnern. Besser noch aber weiß er mit Wurfwaffen umzugehen.


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Schwächen
Rum, Frauen, Rebellion. All das kann ihn dazu verleiten, unkonzentriert zu werden oder nachlässig, weil ihm der Sinn nicht nach der Sache, sondern nach einem der drei Faktoren steht.

Außerdem ist er ein bisschen fahrig, schusselig, man mag es auch tollpatschig nennen. Das liegt nicht daran, dass er es nicht anders könnte, als vielmehr aus dem Grund, dass er es nicht anders will.
Führt er ein Schwert oder einen Piratensäbel, den er noch besitzt, dann wedelt er damit gerne herum, was dem Angreifer auch den ein oder anderen Vorteil verschaffen kann, bis die Waffe wieder in die eigentlich vorteilhafte Position zurückgeschwungen ist.

Für ihn ist zudem das ganze Leben ein Spaß (bis auf seine Erinnerungen und seine Vergangenheit). Das führt mitunter dazu, dass er Situationen oder auch Gegner unterschätzt, weil er sie nicht ernst genug nimmt. Bisher hat es hingehauen, ist aber fraglich, ob das auf Dauer so bleibt.

Die größte Schwäche aber bleibt Ada. Würde er erfahren, dass es Hoffnung auf ihr Überleben gibt, er würde alles dafür tun, sie wieder bei sich zu wissen. Auch für sein Schiff, das in der Karibik in einer zugesprengten Höhle "an Land" liegt, würde er kein Unheil kommen lassen. Ebenso, sollte Benjamin, sein bester Freund, in Gefahr sein und seine Hilfe brauchen. Er ließe alles stehen und liegen, um zu ihm zu gelangen. Problematisch nur, dass Ben weiterhin in der Karibik lebt, in die Konradin sich nicht befähigt fühlt, zurückzukehren.

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Waffen
Er besitzt eine Fechtwaffe und seinen originalen Piratensäbel noch. Die Hieb- und Stichwaffe ist leicht gebogen und einseitig geschliffen, sie hat einen silberschwarzen Griff und eine ebensolche Scheide.
Die Fechtwaffe ist ein Rapier mit silbern verschwungenen Handschutz über dem Griff, der viel mehr ein verschnörkelter Korb ist, als eine blickdichte Schale. Es ist eher ein Stoßdegen und die Klinge relativ unflexibel, weswegen er lieber, wenn überhaupt, mit dem Säbel kämpfen würde. Aber grundsätzlich schleppt er nichts davon mit sich herum, weil es in der Moderne eben auch - für ihn - keine Situationen gibt, in der er sie brauchen würde.

Mit Dolchen könnte er womöglich noch besser umgehen, wenn er sie nutzte. Beziehungsweise allen kleinen Wurfwaffen, Shuriken mitinbegriffen. Tatsächlich hat er auch einen Dolch immer bei sich, einfach, weil er es nie anders getan hat.

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Vorlieben

  • Musik:
    Mal von hier was, mal von da was. Er hat sich nicht wirklich festgelegt. Rockige Klänge sagen ihm allerdings mehr zu, als alles andere.
  • Farbe:
    gedeckte Farben, beige, schwarz
  • Ambiente:
    anrüchtige Etablissements und überall da, wo man feiern kann, außerdem liebt er den Hafen und die See
  • Eigenschaften:
    Humor, Schlagfertigkeit und Rebellion (vor allem bei Frauen), er mag ein feuriges Temperament
  • Aussehen:

    Bild

    Adaleta Josephine Klok, genannt Ada.
    Er wird sie nie vergessen. Für ihn ist sie der Inbegriff der Schönheit und Reinheit. Doch er verachtet andere schöne Frauen sicherlich nicht. Nur geliebt hat er nur die eine: Ada. Nach ihr hat er auch sein Schiff benannt: Die Ada Pearl ("Adaleta's Pearl").
  • Geschlecht:
    heterosexuell für sich, bisexuell darf auch die Frau sein
  • Hobbies:
    quatschen, Spaß haben, flirten, ein bisschen schreiben, ein bisschen photographieren, ein bisschen filmen und Frauen, Frauen, Frauen und die Dinge, die man mit Frauen so anstellen kann ... ach so, und Rum.
  • Allgemeines:
    Konradin ist leidenschaftlicher Raucher und er liebt Rum, auch wenn er ihn nicht wirklich zu sich nehmen kann/glaubt, dass er es nur bedingt könnte (siehe Eigenarten/Fähigkeiten).

up

Abneigungen
  • Musik:
    Techno, HipHop, Rap, all das neumodische Zeugs, das nicht mehr nach Musik klingt, aber auch die meiste Klassik, Opern (Arien vor allem)
  • Farbe:
    neumodische Töne wie neon und pink
  • Ambiente:
    Orte, an denen sich Schlipsträger vornehmlich aufhalten.
  • Eigenschaften:
    Eingefahrenheit, Arroganz, Intoleranz, Engstirnigkeit, Kodextreue, zu viel Ernsthaftigkeit im Leben und Sein
  • Aussehen:
    Püppchen in Kostümen, Leute im Anzug und mit Schlips, Backenbärte, Goldkettchenträger
  • Geschlecht:
    -
  • Aktionen:
    Verrat und Korruption (bestechlich kann man immer mal sein, wenn es passt, aber wenn es einer größeren Sache undienlich ist, dann sollte man auf sein Ehrgefühl zurückgreifen und ablehnen).
  • Allgemeines:
    Schnee, Kälte, Wüste (da ist er in Phoenix ja richtig ...), Berge

up

Charakter

Kurzbeschreibung:
humorvoll, ironisch, frech, dreist, direkt, offen, teilweise käuflich (nicht, wenn es um seine Prinzipien geht), rebellisch, charmant, flirtbegabt, in seiner eigenen Sache emotional und leidenschaftlich, sehnsüchtig

Ausführliche Beschreibung:
Konradin ist ein sehr flapsiger Kerl, der keine Hand vor den Mund nimmt, wenn er es nicht will und immer einen Scherz oder eine Flirterei auf den Lippen trägt.
Ebenso aber ist er rebellisch und steht somit auch auf leidenschaftliches Temperament. Vor allem, was die Frauenwelt angeht. Er kann überaus charismatisch und charmant sein, was nicht zuletzt auch seine von seiner Schöpferin vererbten Fähigkeiten begünstigen.

Insoweit er es mit seinen mehr oder weniger eigenen Prinzipien und den Ehrenkodex eines Piraten - der er vielmehr ist, als ein Vampir - vereinbaren kann, ist er auch käuflich. Allerdings sollte der Auftraggeber sich darüber hinaus nicht auf seine Loyalität verlassen, denn der Pirat hat schlichtweg seinen eigenen Kopf und seine ganz eigenen Regeln und Gesetze, an die er sich hält.

Konradin ist vieles, aber vor allem ist er voller Feuer für das, was ihn interessiert. Er ist leidenschaftlich und sehnsüchtig und vermisst die gute alte Zeit auf seinem Schiff so sehr, dass er sich deswegen am liebsten Nächtelang betrinken würde. Er schaffte es auch schon, drei Frauen abzufüllen, nur um sie dann wegen des Alkohols in ihrem Blut auszusaugen - hier geht nichts über einen wirklich guten karibischen Rum.

Der Zuckerrohrsaft hat es ihm schon in seiner Heimat Jamaika angetan - natürlich nur der wirklich lang in Eichenholzfässern gelagerte. Fuselstoff kann er nicht ausstehen und riecht ihn sprichwörtlich meilenweit gegen den Wind. Mittlerweile liebt er aber auch Bacardi von den Bermudas in jeglicher Mischung, oder Carriacou, auch bekannt unter Jack Iron aus Grenada, doch ab und zu darf es auch ein Ron Zacapa sein, dessen erlesener, preisgekrönter Geschmack an Schokolade, Kaffee und einen guten Cognac erinnert.
Doch nichts geht über Jamaika - seine Heimat! Captain Morgan, Coruba, Robinson und Sea Wynde und wenn er sich an "seine Zeit" erinnern möchte, wählt er Appleton Estate, dessen Ursprünge bis vor seine Geburt zurückreichen. Appleton Estate war der Rum, mit dem er schon als Kind aufwuchs - nun nicht unbedingt getrunken hat, aber mit seiner Mutter den Zuckerrohr schnitt und ihn zur Destillerie brachte.

up

Ziele
Auch wenn er sie nicht mehr sucht und tatsächlich damit rechnet, dass sie tot ist, ist Ada noch immer präsent in seinen unterbewussten, manchmal bewussten Gedanken. In jeder Frau sucht er sie, auch wenn man das nicht immer merkt. Sein Innerstes hofft, dass er die Liebe seines Lebens noch einmal finden kann - vielleicht in einer "wiedergeborenen" Ada in einer anderen Frau. Geliebt hat er seit ihr niemanden mehr, allenfalls körperlich oder auch generell begehrt.

up

Sonstiges
Sein Schiff müsste irgendwo in der Karibik in einer Höhle auf ihn warten, wenn es bis dato nicht verrottet ist - da sein bester Freund Benjamin sich aber darum kümmert, besteht die Gefahr nur gering. Die "Ada Pearl", doch was sollte er damit in heutiger Zeit? Es brächte ihm wohl nur seine Sehnsucht zurück, würde er es aufsuchen. Schlimm genug, dass Benjamin ihm einen Film und Photos von ihr mitgebracht hat.

Also begnügt er sich mit einer Harley Davidson - Dark Custom Iron 883 in schwarz und Chrome. Er fährt sie allerdings nicht täglich aus, sondern nutzt mitunter Bus und Bahn oder sein Auto: Ein ausrangiertes originals Yellow-Cab-Taxi aus New York City. Ein altes Modell versteht sich.

Bild

Alte Visitenkarte

Ada's Pearl
- Talentsuche & Photographie -
Konradin Jayden
New Orleans
Mobil: 555-xxxx-xxxx

Neue Visitenkarte

Ada's Pearl
- Talentsuche & Photographie -

Konradin Jayden

Phoenix | Venedic | New Orleans | New York
Mobil: 555-xxxx-xxxx

up

Leben in Venedic/Phoenix/New York

folgt
"MÖGEN DIE SCHWARZEN FLAGGEN [...] AUCH VON DEN WELTMEEREN VERSCHWUNDEN SEIN, DIE PIRATEN SIND NOCH IMMER UNTER UNS." ~ MARLIES LEHMANN-BRUNE ~ "PIRAT ZU SEIN IST HOCHAKTUELL!" ~ ZDF/HEUTE JOURNAL 2001

WENN DAS LEBEN KEIN LUTSCHER IST, DANN KAUFE DIR EINE TÜTE ZUCKER, STREUE DIE KRISTALLE VOR DICH AUF DEINEN LEBENSWEG UND IMMER WENN DU AUF DIE SCHNAUZE FLIEGST, IST DA DIESES BITTERSÜßE GEFÜHL VON HOFFNUNG, DASS ES JETZT NUR BESSER WERDEN KANN. ~ SIRPA K. WEILER

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Konradin
Vampir
Beiträge: 13
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Charname: Konradin Jayden (Cptn Blackbird)
Pseudonym: K.J.; Black; Konrad; Konstantin
Alter: 28 Jahre
Vampiralter: 333 Jahre
Augen: Husky-Augen
Haare: schulterlang, glatt, mittelbraun
Größe: 175cm
Stadt: Phoenix
Rasse: Vampir
Kodex: Konsortium
Beruf: Pirat ... eigentlich. Jetzt: Talentsucher
Fähigkeiten: 1. Kraft des Entzückens
2. Leidenschaft
3. Aurenveränderung
4. Ventriculus Saccharum (passiv)
Kleidung: Eischalfarbenes Piratenhemd auf schwarzen Lederhosen, Chucks, Lederarmbänder, Halskette mit Haifischzahn, Piratenflagge als Bandana, Piratenlogo als Ohrstecker
Sonstiges: Ada Pearl - die Liebe seines Lebens - eine Frau, ein Schiff, ein Lebensziel
Schöpfer: Adaleta "Ada" Josephine Klok
Hauptchar: aBraXaS
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Kontaktdaten:

Re: [Phoenix|M]: Konradin "Blackbird" Jayden

Beitragvon Konradin » 01.10.2016, 23:58

Lebenslauf

Konradin Jayden wurde als uneheliches Kind einer Jamaikanerin in das sogenannte Goldene Zeitalter der Piraterie geboren. Seine Mutter sollte ihrem Kind später erklären, dass sein Vater mit selben Namen der Schiffskapitän einer Handelsflotte war. Er würde irgendwann zurückkehren und sie mit sich nehmen über das große Wasser, damit sie gemeinsam ein besseres Leben leben durften, als das einer halb so gesehenen Sklavin, halb Eingeborenen. Sie hielt sich wohl selbst an diesem Gedanken fest, das halbe Kind, so jung wie sie noch war.
Doch sie sollte eine Rückkehr nicht mehr erleben, denn ein Fieber ließ sie den letzten Atemzug und ein letztes "Ich liebe Dich", im Beisein ihres Sohnes aushauchen, als sie mit kaum 23 Jahren starb. Von nun an war Konradin auf sich allein gestellt. Mit seinen acht Jahren aber schon lange alt genug für die Zuckerrohrarbeit, auch wenn bisher seine Mutter die Machete geschwungen und er die Pflanzen zur Destillerie gebracht hatte. Nun musste er eben beides tun und er tat. Vor allem, um sich irgendwie am Leben zu halten, für seine Mutter und für den Vater, der auf ihn stolz sein sollte, wenn er endlich zurückkam.
Doch er kam nie.

Trotz aller Armut aber, hatte er einen unbändigen Lebenswillen und konnte sich an den kleinsten Dingen erfreuen. Vielleicht war dieser Lebenssinn und Kampfgeist auch der Grund dafür, dass er bei nichts und niemandem die Hoffnung aufgab, viel lachte und alle in seinen Bann zog. Er war ein aufgeweckter Junge, der zu einem flapsigen jungen Mann heranwuchs, der sich langsam aber stetig immer mehr am Meer aufhielt, gern an den Stränden. Und dort sollte es auch passieren, dass er seine erste und bisher einzige wirklich große Liebe kennenlernte. Ein Mädchen, so schön wie das Meer, so rein wie der Strand, so zart wie der feine Geruch des karamellisierenden Zuckers, bevor er destillierte.

Adaleta Josephine Klok - sie war die Tochter eines Handelsreisenden, der sich in Montego Bay niederlassen wollte, weil die Geschäfte mit dem Zucker und Rum so hervorragend zu laufen schienen. Mit seinen Sklaven und seiner Tochter, weil seine Frau schon bei der Geburt verstorben war, zog er also in eines der Herrenhäuser, die vor nicht wenigen Jahren gebaut worden waren und wollte von dort aus sein eigenes kleines Imperium aufbauen. Für seine Tochter hatte er keine Zeit und trotz Amme und Hauslehrer entwischte sie dem englischen Haushalt immer wieder und trieb sich herum. Gerne am Strand, oft auch am Hafen. Dort, wo Konradin sie zum ersten Mal sah.

Ihr weißes, leichtes Sommerkleid wurde vom Wind an ihren schon sehr weiblich geformten Körper gedrückt. Sechszehn war sie, wie er später erfuhr. Gerade mal ein Jahr älter als er selbst. Vielleicht auch nur ein halbes. Ihr dunkles Haar wehte in der Brise und sie lächelte ... immer wenn er sie sah, lächelte sie. Über nichts, mit anderen, Vorbeigehenden zu oder auch über diese. Sie lächelte und er liebte dieses Lächeln vom ersten Augenblick an.
Und noch während Konradin sich Gedanken darum machte, wie er sie bestenfalls ansprechen konnte, tat sie es schon von sich aus und offenbarte ein offenherziges Temperament, in das er sich nur noch mehr verschoss. Sie war wie ein Engel auf Erden - wenn er gläubig erzogen worden wäre. Ihre Augen glichen glitzernden Sternen, ihr Haar war ein Meer an Weichheit und sie roch ... Himmel, sie roch so gut nach Blumen und Blüten, nach Frische und Natürlichkeit. Er liebte, wie sie roch - er liebte alles an ihr, liebte sie. Auch wenn er das mit dem Geruch erst einige Tage später herausfinden sollte.

"Hör auf, mir nachzuschnüffeln, Sklave", herrschte sie ihn auf einmal hinter zwei Fässern an. Er hatte sie aus den Augen verloren beim Verfolgen und jetzt stand sie vor ihm und er fühlte sich ertappt. "Ich bin kein Sklave, MyLady, nur ein Schiffsjunge", das war nicht ganz die Wahrheit. Er wäre gerne ein Schiffsjunge gewesen, aber bisher hatte es mit dem Anheuern auf einer der Galeeren und Flaggschiffe noch nicht hingehauen. "Das ist doch gelogen, ich habe Dich Zuckerrohr schleppen sehen", erwiderte sie ihm und er mochte, dass sie nicht auf den Mund gefallen war, wie andere Mädchen in ihrem Alter. "Ja, noch, irgendwie muss ich ja ein bisschen Geld verdienen, bevor es auf zu neuen Abenteuern geht." - "Dir glaube ich kein Wort." Damit hatte sie sich umgedreht und wollte gehen, doch sie hatte was vergessen und sah ihn noch einmal an. "Hör auf, mir nachzuschnüffeln ... Matrose", sagte sie dann und jetzt lächelte sie schon. "Dir gefällt das doch", rief er ihr hinterher und sie sah nur kurz noch einmal über ihre Schulter zurück und grinste.

"Na, Schnüffelrüde, wieder nichts zu tun?", fragte sie am nächsten Tag, als er am Hafen auf einem Fass saß und in die weite, türkisblaue See hinaussah. Seine Lippen verzogen sich zu einem schrägen Grinsen, als er sie aus den Augenwinkeln ansah, ohne sich von seinem Platz zu bewegen. "Ist der Platz auf dem Fass neben Dir noch frei?", fragte sie dann und er wandte den Kopf in ihre Richtung. "Na sicher, gepachtet hab' ich sie nicht." Und sie zog sich mit ihrem weißen Kleid auf das eineinhalb Meter hohe Fass hinauf.
"Wie heißt Du?", fragte sie dann und sah ihn an. "Konradin Jayden", antwortete er knapp. Einer der Seebären vom Hafen hatte ihm gesagt, dass er sich interessant machen sollte, wenn er ein Mädchen für sich gewinnen wollte. Er versuchte sein Bestes, auch wenn er sie gerne mit Fragen überhäuft hätte und ihr seine ganze Lebensgeschichte erzählen wollte. Eine doch eher kurze und weniger aufregende Lebensgeschichte zwar, aber man konnte notfalls ja etwas übertreiben. "Und mit Familiennamen?" Jetzt sah er sie doch an. "Kein Familienname", erklärte er und es war auch nicht gänzlich unüblich, wenn man hier geboren wurde und nicht dort, von wo sie kam.

"Komisch", erklärte sie ihm und nach einer Weile: "Du fragst ja gar nicht, wie ich heiße ... interessiert es Dich nicht?" Klang sie gekränkt? Er hob eine Augenbraue und betrachtete sie. "Ich weiß, wie Du heißt", sagte er dann und grinste breit. "So? Wie denn?", sie schien ehrlich gespannt. "Perle der Südsee, Stern der Karibik, schönste Frau Jamaikas ...", er bedachte sie mit einem bewundernden Blick und sie errötete. "Spinner", sagte sie nur, rutschte lächelnd vom Fass und ging, aber drehte sich dann doch noch einmal um, als wäre es ein tägliches Spiel von ihnen.
"Wenn Du Erkundigungen über mich einholen willst, dann frag nach Adaleta Josephine Klok, Tochter von James Abraham Klok, dem bald erfolgreichsten Rumexporteur dieser Gegend." Letzteres bezweifelte Konradin. Man erzählte sich schon, dass die, die erst vor kurzem hier angekommen waren, allen voran der euphorische James Abraham Klok, schon zu spät waren. Die wichtigsten Seewege waren schon erschlossen und es gab Händler, die schon lange die Kontakte belieferten, die er gerne beliefert hätte. Doch er hielt sich zurück. Was wusste er schon von Handelsschiffen. Aber Adaleta Josephine ... dieser Name klang wie eine sanfte Brandung am Strand, kurz bevor sie im weißen Sand versiegte. "Adaleta", flüsterte er, weil er es aussprechen wollte und lächelte in die untergehende Sonne.

"Und? Schon etwas Wichtiges erschnüffelt?", fragte sie am nächsten Tag, als er auf dem Steg am Meer saß und die Beine im Wasser taumeln ließ. "Da bist Du ja schon wieder", erklärte er und sie setzte sich neben ihn. "Soll ich wieder gehen?", sie meinte ihre Frage nicht ernst. "Schöne Frauen schickt man nicht weg", erklärte er ihr und sah wieder aufs Meer, auch wenn er gerne nur immer sie angesehen hätte. "Konradin Jayden ... das ist ein europäischer Name. Bist Du auch hier eingereist?", doch sie klang nicht, als hätte sie ein "Ja" geglaubt. Wieso sollte er sonst Zuckerrohr schleppen?
"Mein Vater ist Kapitän eines Schiffs irgendwo in der Karibik, ich trage seinen Namen", erklärte er nicht ohne Stolz, auch wenn er seinen Vater nicht kannte und niemals kennenlernen sollte, was ihm zu diesem Zeitpunkt aber nur als Ahnung bewusst war. "Oh", sie klang irgendwie nicht ganz so beeindruckt, wie er es sich erhofft hatte. "Was denn? Dein Vater ist doch auch Kapitän. Bist Du nicht stolz darauf?" - "Darauf schon, aber ich wäre es nicht, wenn mein Vater nicht mit meiner Mutter verheiratet gewesen wäre." Er runzelte die Stirn. "Wie meinst Du das?" - "Na, dass er sich einen hübschen Abend gemacht hat und dann abgefahren und Deine Mutter vergessen hat, ganz einfach. Oder glaubst Du, er kommt wieder? Er war wahrscheinlich niemals wieder hier, oder? Du kennst ihn nicht mal."

Sie war sich doch sehr sicher und irgendwie kränkte ihn ihre Offenheit. "Natürlich kommt er wieder. Und meine Mutter war nicht irgendwer ...", er stand auf und ging, verletzt in seinem Inneren - vor allem, weil er wusste, dass sie Recht hatte, aber zugegeben hätte er das nicht.
"Hey ... Konradin, bitte, warte doch, ich hab' es nicht so gemeint", auch sie war aufgestanden und lief ihm einige Schritte nach und schloss zu ihm auf. "Ich habe es echt nicht böse gemeint. Natürlich kannst Du stolz auf ihn und auch natürlich sie sein. Er bestreitet bestimmt ganz viele Abenteuer und hat Deine Mutter sehr geliebt. Er ist bestimmt die Ausnahme unter allen anderen ...", sie hatte begriffen, dass seine Mutter wohl nicht mehr lebte und es tat ihr schrecklich leid, dass sie ihn verletzt hatte, wusste sie doch selbst, wie es war, die Mutter zu verlieren.
"Schon in Ordnung ...", sagte er dann und verdrängte seine Gefühle in diesem Moment auch sofort. "Das Leben ist zu kurz, um nicht jeden Augenblick zu genießen", erinnerte er sich an die Worte seiner Mutter und grinste schon wieder. "Komm", sagte er dann mit leuchtenden Augen in das verdutzte Gesicht über seinen Sinneswandel und lief los. "Was ...?" - "Jetzt komm schon, ich zeig' Dir was ...", und sie raffte das leichte Kleid hoch und rannte ihm barfuß, wie sie war, hinterher durch den Sand auf einen Palmenhain zu.

Es dauerte vielleicht fünf Minuten, da waren sie schon im Dickicht der Palmen verschwunden und er führte sie an einen kleinen, versteckten Wasserfall. Ein Wasserfall war nicht zwingend etwas ungewöhnliches, außer natürlich für Adaleta, die keine aus ihrer Heimat kannte. Aber hinter diesem - das war für Konradin selbst das Besondere - befand sich eine Ausbuchtung im Felsen, die tief genug war, um eine kleine, nicht sehr tiefe Höhle zu bilden.
Er zog sie seitlich am Felsen entlang, damit sie nicht nass wurde, und führte sie hinein in "sein Reich". "Wunderschön ... oh ... wunderschön, wie hast Du das gefunden?", fragte sie und sah sich um. "Wohnt hier wer?", kam gleich darauf, als sie ein paar Palmenmatten und Kisten herumstehen und -liegen sah. Viele persönliche Dinge gab es nicht. "Ich wohne hier ...", sagte er ihr und sie sah ihn ehrlich überrascht an.

"Tatsächlich?" Konradin nickte stolz. Er liebte diesen Platz und wenn ihn jemand kennen sollte, respektierte man, dass sie ihm gehörte. Jedenfalls war bisher niemand hier gewesen, hatte etwas geklaut - was auch -, verwüstet oder ihn gesucht.
Dann trat sie einfach ohne Vorwarnung an ihn heran und küsste ihn. Einfach so. Er war wie erstarrt, wusste nicht, wie ihm geschah und sie trat wieder einen verlegenen Schritt zurück, war irritiert. "Entsch...", er unterbrach sie, als er sie einfach zu sich zurück zog und sie auf seine - für ihn jamaikanische - Art küsste, so sanft und leidenschaftlich zugleich, dass sie nun ihrerseits überrumpelt war. Geküsst hatte er schon oft, er hatte auch schon mit Mädchen geschlafen - wenigen, aber immerhin - er wusste von ihnen, dass er es konnte und offensichtlich gefiel es ihr und er sollte noch an diesem Nachmittag erfahren, wie gut die Perle der Südsee roch, wie gut sie schmeckte und wie hitzig sie sein konnte, auf ihre eigene jungfräuliche Art und Weise. Danach war es um beide geschehen.

Wochenlang konnte sie ihre Zweisamkeit genießen, ja es waren sogar einige Monate. Heimlich, weil sie es nicht durfte, zeitlich sehr gut abgesprochen, weil er arbeiten musste. Sie schlich sich weg, zu ihm, weckte ihn mitten in der Nacht, wenn sie konnte und er sah aus der Entfernung zu, wenn sie im Garten saß und unterrichtet wurde, wartete, bis sie sich davonstehlen konnte und sie liefen gemeinsam zu Meer, liebten sich dort, liebten sich in seiner Höhle hinter dem Wasserfall, zwischen den Palmen, wo sie keiner sah und sogar auch einmal am Hafen zwischen Rumkisten, die bald verfrachtet werden sollten. Er hatte ihr Stöhnen fortküssen müssen, damit sie nicht entdeckt wurden, aber es wäre ihm wohl auch so egal gewesen.

Nach diesen wenigen Monaten, in denen sie unbekümmert waren, wurde ihrem Vater allerdings langsam klar, dass er keinen Fuß fassen konnte. Was andere schon längst vor ihm wussten, musste er erfahren, in dem seine Ersparnisse immer weniger wurden und auch kein neues Geld mehr herein kam. Als er dann durch Zufall beobachtete und somit erfuhr, dass seine Tochter sich mit einem Einheimischen vergnügte, sperrte er sie am Abend darauf ein und sein Entschluss stand fest, die Insel zu verlassen. Es brauchte Tage ihrer Abwesenheit, bis Konradin davon von einer Sklavin erfuhr, die im Haus arbeitete, doch auch dann konnte er nichts tun. Sie kam nicht heraus und er konnte nicht hinein.
Lediglich Nachrichten konnten sie sich schicken über diese Sklavin, die Mitleid mit dem jungen Mann hatte, der vor Sehnsucht verging - ihrer Herrin schien es nicht anders zu gehen. Doch sollte es nicht mehr lange gehen, da das Schiff vor Anker lag, das Vater und Tochter samt Hausstab wegringen sollte. Der Kapitän hatte Anweisung gegeben, niemanden das Ziel der Reise zu verraten - wahrscheinlich wusste die Crew es selbst nicht. Konradin wollte unerkannt anheuern, doch so unerkannt war er lange nicht mehr und er hatte keine Chance, wurde weggeschickt, nahezu weggejagt und hatte keine Wahl.

Am Tag der Abreise war er da, hatte sich versteckt und als Ada mit ihrem Vater den Steg entlang ging, trat er hervor, wollte um die Hand seines Mädchens anhalten, doch Master Klok zog seine Waffe. Der lange Lauf direkt auf ihn gerichtet. Abscheu und Entschlossenheit lagen in seinem Blick. "Nein, Papa, bitte, oh mein Gott, bitte nicht ...", rief Ada aus und war außer sich vor Sorge. "Aber wir lieben uns, Mister Klok, ich meine es ernst." "Meine Tochter liebt keinen heruntergekommenen kleinen Jamaikaner", antwortete er und spannte den Hahn. "Wenn Du ihr nur einen Schritt näher kommst, stirbst Du." Konradin sah zu Ada, in ihre wunderschönen, aber so angstvoll blickenden Augen. "Ich werde Dich finden, Perle der Südsee, hörst Du? Überall ...", flüsterte er und sie riss sich los von ihrem Vater und lief in seine Arme, küsste ihn, als ihr Vater sie auch schon von ihm riss, wütend mit der Waffe fuchtelnd und sie dann mithilfe von seinem ersten Maat aufs Schiff zog. "Du wirst sie nie wieder sehen. NIE WIEDER! HAST DU VERSTANDEN?!", brüllte er und ging über die Planke an Bord. "Das werde ich doch ...", flüsterte er mit Tränen in den Augen. Tränen voller Wut und voller Sorge, voller Sehnsucht und einer so tiefen Liebe, dass er sie sein Leben lang für niemand anderen mehr derart empfinden können würde. Das Schiff legte ab und er blieb zurück. Er sah ihr weißes Kleid und ihre Hand, wie sie sich einsam in den Wind hob, er wusste, dass auch sie weinte und es schmerzte ihn nur noch mehr.

Der Entschluss stand aber nun auch bei ihm fest. Es hielt ihn hier nichts mehr. Er wusste nicht, wohin ihr Vater sie brachte, aber die Leute erzählten sich, dass er nicht nach England zurückkehren würde. Seine Pläne schienen noch immer nicht begraben, in der Karibik Fuß zu fassen. Er würde sie finden und wenn es sein Leben lang bedeutete, dass er sie suchen musste.
Es dauerte allerdings dennoch noch einige weitere Wochen, bis Konradin tatsächlich auf einem Schiff anheuern konnte. Die Revenge hatte angelegt. Damals von ihm nicht als Piratenschiff erkannt.

Der Kapitän mit Namen Calico Jack Rackham nahm ihn auf. Er und zwei seiner Leute schienen gefürchtet zu sein, bis sich auch für Konradin herausstellte, dass es sich um zwei Frauen handelte, mit denen der Pirat durch die Karibik schipperte. Mark Read alias Mary Read und Adam Bonny alias Anne Bonny. Er schwieg über sein Wissen, denn die Mannschaft hätte es nicht gut geheißen, vor allem, weil Frauen an Bord Unglück bringen sollten. Konradin war das nicht wichtig, er war an Bord und konnte in jedem Hafen und bei jedem Schiff Ausschau nach seiner Liebsten halten und lernte als Schiffsjunge so viel und so schnell, war so geschickt, dass er schon nach einem Jahr zum Steuermann ernannt wurde.
Auch war er unter der Crew beliebt und brachte es zu einigem Ansehen, bis er nach einem weiteren Jahr zum ersten Maat gewählt wurde. Er hatte bis zu diesem Zeitpunkt alles gelernt, was ein Schiffsmann wissen musste. Inklusive das Rechnen, Lesen und Schreiben, das Karten- und Kompasslesen.

Konradin war glücklich auf See, er konnte den Schmerz und die Sehnsucht nach Ada überwinden, konnte sich auf andere Frauen einlassen, wenn sie bei New Providence - dem Piratennest in der Karibik, das viel später Nassau getauft wurde und mitten in den Bahamas lag - vor Anker lagen, aber seine Liebe und sein Ziel verlor er nie. Doch war er viel zu abgelenkt von den Schlachten, die sie auf See schlugen und Reichtümer erbeuteten. Es war nie so viel, dass sie alle davon hätten reich werden können, aber es war genug zum Leben und für Rum. Schon auf Jamaika hatte er den Geschmack dieses unglaublichen Getränks kennengelernt und er ließ sich gerne darauf ein, wenn er konnte, Nächte durchzuzechen und sich zu betrinken. Auch die Sehnsucht nach Ada zu betrinken - und allmählich wurde es tatsächlich besser.

Es sollte aber der Tag kommen, an dem er sich wünschte, seine eigenes Flaggschiff zu besitzen - vor allem ein Flaggschiff. Diese riesigen, hoheitlichen Schiffe, mit dem Master Klok seine Tochter aus Konradins Nähe geschafft hatte.
Doch es sollte anders kommen und nicht zu seinem Nachteil sein. Sie schlugen ein Schiff nach mehreren Stunden nieder und nahmen es mit großem Gebrüll ein.

Eine moderne, kleine Galeere die zu den Galeassen zählen konnte. Ein Segel- und auch Ruderschiff, das die höchste Blütezeit als Kriegsschiff in der Republik Venedig hatte. "Nur" um "einige Meter" kleiner, als seine 50 Meter langen Verwandten. Es maß vielleicht 25 Meter, aber hatte dunkelorangefarbene Segel und für Konradin war sie einfach wunderschön. Warum es ausgerechnet in der Karibik auftauchte, von wo aus Konradin es übernahm, war nicht bekannt. Es wurde auch nicht als Kriegsschiff hier her manövriert, sondern hatte einige Zentner Handelsgut und mehrere Sklaven geladen.

Es war perfekt für seine Vorhaben, höher gebaut und somit schlecht enterbar, es hatte drei Masten mit jeweils einem Lateinersegel, ihr Tiefgang war höher und sie war schwerer, als es Galeeren in ihrer Größe gewesen waren. Die Kanonen waren rundherum angelegt und nicht nur einseitig, was Konradin zu einem nicht zu unterschätzenden Gegner machen würde. Wenn Konradin zuvor von einem Flaggschiff geträumt hatte, so wollte er nun keines mehr haben. Seine Leidenschaft für diese Augenweide war geboren und als er sie tatsächlich überreicht bekam, fühlte er sich wie der glücklichste Pirat aller Zeiten.

"Wird nicht einfach, einen so guten Mann zu verlieren", hatte der Kapitän erklärt und Konradin war dankbar, dass er ihm dennoch einige Männer überließ und ihn gerne gehen ließ. "Dass Du mir nicht in die Quere kommst ...", hatte er noch laut lachend verkündet und sie waren als Freunde auseinander gegangen. Jetzt hatte Konradin sein eigenes Schiff, seine eigene Crew, die freiwillig mit ihm gekommen war und seine Position bestätigte, hatte einige Waren, mit denen sie guten Handel betreiben konnten und Sklaven, die die Ruder schwangen. Wahrlich, mehr konnte er nicht verlangen und endlich konnte er auch die Suche nach Ada eigenmächtig fortsetzen.

In New Providence allerdings lachte man oft über den kleinen Piraten, mit dem kleinen Schiff, der kleinen Crew und erklärte ihn zu Kapitän Blackbird, weil er sicherlich nicht mal einen Papageien entern konnte. Dabei besaß sein Papagei, ein roter Ara, eine prächtige Farbe und einen langen Schweif. Konradin machte sich nichts aus dem Gelächter, er war ja selbst einer von ihnen und konnte mit ihnen lachen.
Vielleicht war es auch das, was ihn so sympathisch machte. Dass er sich selbst nicht so ernst nahm. Er wusste um seine kleinen Erfolge Bescheid, seine Crew war auf seiner Seite, sein Papagei bekam den Namen "Blacky" und er wurde einer der gefürchtetsten Kleinpiraten der Karibik, der um Kriegs- und größere Handelsschiffe einen Bogen machte und damit dennoch zu genügend Beute für alle kam.

Er baute auch mit den Piraten New Providence wieder mit auf, schon zu Zeiten Rackhams, da er noch nicht auf See war, als eine spanisch-französische Flotte das Piratennest 1703 zerstörte. Doch Piraten verdrängte man nicht einfach so, das hatten auch schon andere versucht. Konradin war dann auch öfter in New Providence als 1716 Blackbeard als Magistrat der Piraten-Republik eingesetzt wurde.
Es war eine gute Zeit, aber als eigene Leute wie Woodes Rogers und Benjamin Hornigold auf die andere Seite wechselten und letzterer sich vom königlichen Pardon sogar kaufen ließ, war es bald vorbei mit der spielerischen Ruhe und der Sturm nahte. Rogers wurde zum Krongouverneur und nach anfänglichen Schwierigkeiten, räumte er die Piratenbucht mit den Worten "Expulsis Piratis Restituta Commercia" ("Piraten vertrieben, Handel wiederhergestellt") tatsächlich auf.

Konradin selbst war in dieser Zeit auf See und lange schon nicht mehr in New Providence eingelaufen. Mittlerweile war er 27 Jahre alt, machte seinem aus Spott geborenen Namen alle Ehre und hatte auch weiterhin bei seiner mitunter auch wechselnden Crew ein gutes Ansehen. Er konnte von Glück sagen, dass er so bodenständig war und sich nie gegen die eigene Mannschaft stellte, denn andere Kapitäne wurden in der Regel nach vier oder fünf Jahren abgesetzt. Ja, auch Priaten hatten ihre Regeln und es war besser, sich keine meuternde Mannschaft zu erziehen.
Von Glück konnte Konradin auch sagen, dass er sein Schiff behielt. Von Anfang bis zum Ende seiner Piratenzeit sollte er kein anderes Schiff besitzen, als dieses, das er "Ada Pearl" genannt hatte. Eigentlich "Adaleta's Pearl", nach seiner großen Liebe und dem winzigen Körperteil, das er an ihr so sehr begehrte, doch ganz so offensichtlich wollte er es nun nicht machen. Sicherlich wäre das auch ihr selbst nicht Recht gewesen. Vergessen hatte er sie dennoch trotz alles Rums und aller Frauen, die er seither hatte, nie. Allerdings auch nie gefunden.

Sie war letztendlich jene, die ihn fand und nicht umgekehrt. Es war in einer Nacht, in der er sich in einer Hafenspelunke vergnügte, sein Schiff einige Meilen vor der Küste ankernd. Es war erst das zweite Glas Rum, weswegen er seinen Augen noch trauen konnte, als sie zur Tür herein kam und sich umsah. So schön, wie sie war, sie schien keinen Tag älter geworden zu sein. Wie in Trance stand er auf, konnte nicht glauben, dass sie da stand, traute sich nicht zu hoffen, dass sie es wirklich war. Die Männer riefen ihr zu, bejohlten das neue Mädchen unter ihnen, doch sie beachtete sie nicht, sondern richtete den Blick auf Konradin, der da stand und sich nicht rühren konnte.
"Hey Blackbird, alles klar? Siehst Du zum ersten Mal ein Weib, oder was?", seine Männer johlten am Tisch, doch er beachtete sie nicht. Ein Strahlen legte sich in ihre Augen, Tränen spiegelten sich darin und er musste sich einen Ruck geben, auf sie zuzugehen. Vor ihr blieb er stehen. Sie war wie eine Erscheinung, ein Geist, nicht wahr, er traute sich nicht, sie zu berühren. "Ada ...", flüsterte er heißer und sie lächelte ihn an. "Komm ...", sagte sie und nahm seine Hand. Eine echte wahrhaftige Hand, ihre Hand griff nach ihm - er konnte es noch immer nicht glauben und er folgte ihr hinaus. Hinaus und zum Strand, wo sie dem Gegröle entgingen.

"Ada ... Ada ich habe Dich gesucht ... Du bist so schön, Du bist so wunderschön, als hättest Du Dich nicht verändert - eher noch schöner geworden - und ich habe Dich geliebt, all die Jahre, Dich so geliebt ...", er wusste überhaupt nicht, was er sagen sollte, als sie sich an der Brandung endlich wieder gegenüber standen. "Du hast Dein Schiff nach mir benannt ... bist Pirat geworden ...", stellte sie lächelnd fest und sah in die Richtung, in der sein Schiff in etwa vor Anker lag, doch durch die Dunkelheit der Nacht nicht zu erkennen war.
"Ja ...", sagte er leise und war nicht sicher, ob sie ihm vor allem das zweite vorwarf, ob es ein Problem war, ob ... "Scht ...", machte sie still und lächelte weiter, fast, als hätte sie seine Gedanken erraten. "Ich habe niemals aufgehört Dich zu lieben, Konradin ...", sagte sie dann flüsternd, war ihm nun so nah, dass er ihren Atem auf seinen Lippen fühlte und die ganze Nacht nichts anderes mehr fühlen wollte.

Noch bevor sie irgendetwas weiter erzählen konnten, fielen sie, beinahe wie zwei Ertrinkende, übereinander her, sanken in die Brandung und liebten sich, wie sie sich noch nie geliebt hatten. Es schien einer Explosion gleich. Konradin hatte schon fast vergessen, wie wunderbar sie war ... wie fein sie roch, wie gut sie sich anfühlte.

Erst als sie später erschöpft im Sand lagen und er sanft ihre im Mondschein weiß und rein leuchtenden Brüste streichelte, schienen sie beide fähig, sich einander von den letzten Jahren zu erzählen. So erfuhr er, dass ihr Vater sie schlicht um Jamaika herum gesegelt hatte und sie bei Port Royal an Land gingen und nur Wochen später nach Kingston zogen, weil er dort gute Handelsbeziehungen der auflebenden Wirtschaft nach der Zerstörung Port Royals aufbauen konnte und es tatsächlich wieder zu einem Mann mit Ansehen und Geld brachte. Sie war von ihm davon gelaufen, als sie wusste, wie nah sie Montego Bay war, doch es war nicht nah genug.
Viel zu spät war sie dort zurück angekommen, Konradin war schon ausgelaufen mit einem Schiff, von dem sie nur wusste, dass es Revenge hieß. Verzweifelt hatte sie versuchte an Bord irgendwelcher Schiffe anzuheuern, um eine Mitfahrgelegenheit zu bitten, doch sie hatte kein Glück gehabt. Zum einen, weil sie eine Frau war und Frauen auf See Unglück brachten, zum anderen, weil niemand einem Piraten folgen wollte, denn, so wie sie dann herausbekam, war Konradin mit einem solchen davon gesegelt.

Sie hatte sich Sorgen gemacht, viele, doch sie erfuhr nach und nach, dass die Crew unter Rackham gut behandelt wurde. Dann wurde sie aufgegriffen und zurück zu ihrem Vater gebracht. Sie hatte nicht noch einmal versucht, zu fliehen, in der Hoffnung, Konradin würde sie finden, würde vielleicht durch alte Freunde in Montego Bay erfahren, wo sie zu finden war. Doch er musste ihr sagen, dass er niemals nach Montego Bay zurückgekehrt war. Er wollte niemals wieder dorthin, bevor er sie nicht gefunden hatte und er rechnete nicht damit, dass sie noch immer auf Jamaika war, wie sollte er auch?
Als Konradin aber nicht kam und sie die Hoffnung aufgab, dass er noch kommen würde, weil er sie hier einfach nicht suchte, verabschiedete sie sich von ihrem Vater und ging. Sie war volljährig geworden und konnte tun, was sie wollte und so musste er sie ziehen lassen. Wichtig war ihm anscheinend nur gewesen, dass sie von diesem Eingeborenen weg kam und da er sie offensichtlich nicht zu finden in der Lage war, war auch seine Hoffnung groß, dass sie einander mittlerweile vergessen hatten.
Glücklicherweise war sie nicht von ihm schwanger geworden und er hatte bis zuletzt gehofft, dass nicht mehr passiert war zwischen den beiden, als ein bisschen Flirterei. Überhaupt schien es ihm nicht wichtig zu sein, was sie empfand, Hauptsache, er musste nicht um seinen guten Ruf bangen. Dennoch wusste sie, dass er sie liebte. Er war nur nicht fähig, es ihr zu zeigen.
Von dort an war sie Konradin gefolgt. Es war nicht schwer gewesen, da Rackham einen Namen hatte und eine Spur hinter sich her zog. Doch immer, wenn sie an einem Hafen ankam - als Mann verkleidet auf Schiffen mitgefahren war - war Konradin schon weitergezogen. Einmal sogar war das Schiff, auf dem sie angeheuert hatte von der Revenge überfallen worden, sie war Geisel von Rackham geworden, doch wie sie erfahren musste, hatte Konradin kaum zwei Wochen zuvor sein eigenes Schiff geentert und war mit seiner eigenen Crew weitergesegelt.

Dass Rackham sie am Leben und sogar frei ließ, war nur den beiden Frauen zu verdanken, die sich ihrerseits als Männer verkleidet auf seinem Schiff aufhielten. Ihnen und der Tatsache, dass Konradin offensichtlich von Ada erzählt hatte und sie freundschaftlich auseinander gegangen waren. Er hatte sie sogar bis New Providence mitgenommen, sie dort abgesetzt und gehen lassen, doch in dieser Zeit war Konradin schon nicht mehr dorthin gesegelt, weil es für die Piraten dort zu gefährlich geworden war - und sie schlussendlich auch von Ihresgleichen besiegt und vertrieben wurden.
Ada hatte keine Möglichkeit gehabt, als weiter als Mann auf Schiffen anzuheuern und Konradins Spur zu folgen, als er sich als Blackbird einen kleinen Namen gemacht hatte und diesen Namen auch in Ehren hielt. Sie habe immer an ihn geglaubt und gewusst, dass er es weit brächte. Konradin war froh und erleichtert zu hören, dass sie seine Piraterie nicht verteufelte. Er war schließlich kein Freibeuter oder Bukanier, er war wirklich Pirat, der nahm, was ihm gefiel, ohne dafür einen Auftrag zu haben, wie es die Kaperer hatten.

Und endlich, heute, war sie angekommen, war von Bord gegangen und hatte erfahren, dass Konradin vor hatte länger auf den Bahamas zu bleiben, weil das Schiff repariert werden musste und dies auf hoher See von der Mannschaft nicht zu bewerkstelligen war.
Ihn dann noch in einer der Spelunken zu finden, war das kleinste Problem. Sie musste sich nur zum besten Rum durchfragen und hatte schon beim ersten Verschlag Recht mit ihrer Suchoption gehabt.
"Und jetzt lass ich Dich nie wieder gehen ...", erklärte er ihr und vergrub seine Lippen zwischen ihren Brüsten und sie streichelte ihm sanft durchs Haar.
"Das wirst Du wohl ...", erklärte sie ihm dann. Denn eine Sache hatte sie ihm bisher nicht erzählt und sie würde es jetzt auch nicht tun, nicht alles, sie konnte nicht. "Wie kommst Du darauf? Ich habe Dich doch nicht mein Leben lang gesucht, um Dich wieder gehen zu lassen, wenn ich Dich gefunden habe ...", er konnte sie nicht recht ernst nehmen. "Ich habe Dich gefunden, Konradin", lachte sie leise, auch, weil sein Bart sie kitzelte. "Ist doch gleichgültig", murmelte er zwischen zwei Küsse, während er ihren Bauch entlang rutschte.

"Hast Du schon von der Murmel der Unsterblichkeit gehört?", fragte sie dann und er stutzte kurz, sah sie an und küsste dann weiter, das war als "Nein" Antwort genug. Sie genoss kurz, wie er ihren Bauchnabel liebkoste, schloss die Augen, streichelte weiter durch sein Haar und sah dann hinauf in die besternte Nacht. "Sie soll ein Schatz sein auf einer Insel vergraben, vielleicht in einer Höhle ... wer sie findet, dem ist das unendliche, ewige Leben gewiss ...", sie wusste nicht, warum sie so begann, warum sie versuchte, es ihm so zu erzählen, doch irgendwie musste sie beginnen, doch nun wusste sie nicht weiter.
"Du glaubst, ich muss die Murmel der Unsterblichkeit finden, bis ich Dich bei mir behalten darf?", schmunzelte er abgelenkt und sie hätte gerne "Ja" gesagt, doch in diesem Moment berührte er ihren Venushügel und sie seufzte leicht auf, anstatt ihm eine Antwort zu geben. Er schien auch keine zu verlangen.
"Ada ...", begann er zwischen zwei Küssen abwärts, "ich brauche die Murmel der Unsterblichkeit nicht, wenn ich doch die Perle der Südsee gefunden habe, auch wenn sie viel kleiner ist und zarter ...", es war nur noch ein Flüstern und des Piraten Zungenspitze wusste genau, wo diese Perle auf der Schatzkarte eingezeichnet war. Dann erloschen auch schon alle Gedanken um sie herum ...

Kaum eine Stunde vor Sonnenaufgang wollte er sie dann mit sich nehmen, auf sein Schiff, doch sie blieb stehen, als er sie an der Hand zum Boot führen wollte. "Nein, nicht ...", sagte sie mit zerzaustem Haar und leicht lädiertem Kleid - dem Ergebnis ihrer Leidenschaft. "Wie, nein nicht ...?", fragte er und erkannte, dass es ihr zuvor offensichtlich schon ernst gewesen war. "Ich ... ich vertrage die Sonne nicht ... nicht mehr", sagte sie nach Worten ringend, um es ihm zu erklären, doch er verstand nicht recht.
"Bist Du krank?", Sorge trat in seine Augen und zog sie an sich, griff sie an den Schultern und sah ihr ernst in den hübschen silbergrünen Blick. "Nein, oder doch ... vielleicht, wenn Du es so nennen möchtest, vielleicht ist es einfacher, wenn Du das glaubst", sie war ehrlich, er wusste es, aber er verstand es einfach nicht. Eine Krankheit, die es ihr nicht erlaubte, in die Sonne zu gehen, und aber gar keine Krankheit war ... was sollte man davon auch denken?

"In Ordnung, dann nehme ich das so hin, aber deswegen kannst Du doch mit mir auf mein Schiff kommen ...", begann er dann, auch wenn er viel lieber gefragt hätte, was sie genau meinte, ob es heilbar war, wie es gekommen war ... "Eine Frau auf See bringt Unglück, Konradin, ich würde den Männern Unglück bringen und nicht nur, weil sie es glauben." Er wusste, dass es stimmte - dass die Männer es glauben würden und die Gefahr einer Meuterei groß war - aber dass sie ihnen wirklich Unglück bringen würde, das konnte er nun nicht glauben.
Er hatte keinen Glauben und somit auch keinen Aberglauben. Das einzige Pech, das passierte, wenn Frauen an Bord waren, war, dass die Männer unter sich nicht damit zurecht zu kommen schienen, weil sie niemand gerne teilte. Und wenn sie auch noch einem von ihnen gehörte, musste dieser damit rechnen, zu sterben, wenn er versuchte, sie zu verteidigen. Sicherlich kam es auf das Ehrgefühl der Männern an und Konradin war sicher, dass seine Mannschaft sich zurückhalten würde, weil er der Käpt'n und nicht irgendeiner war, aber dennoch ... gut heißen würden sie es nicht, dessen war er sich sicher.

"Du könntest als Mann mitgehen oder versteckt ..." Sie lachte. Als Mann, ja, das hatte sie schon die letzten sechs Monate versucht, als es passiert war. Es war schier unmöglich gewesen, sich stets für die Nachtwache einteilen zu lassen. Viel Geschick und Überredungskunst hatte es gekostet, das zu schaffen und das Unglück war dennoch über sie hereingebrochen, denn Ada hatte Blut gebraucht zum Überleben. Sie hielt es lange ohne es aus, aber je länger sie auf See waren und nicht anlegten, desto weniger Möglichkeiten gab es, keinen zu töten. Sie konnte nicht vergessen lassen, sie musste töten. "Mann über Bord", ... es tönte noch in ihren Ohren, sie war so froh, endlich wieder an Land zu sein.
"Geheim, versteckt in der Kapitänskajüte ... ich habe sie mir ehrlich verdient ...", begann er dann noch einmal, als er merkte, dass sie nicht überzeugt war. "Wie lange liegt ihr hier noch vor Ort?", fragte sie statt einer Antwort und er wog mit dem Kopf kurz ab. "Vielleicht zwei Wochen ...", es war gelogen. Sie hätten nur eine gebraucht, um die Schäden der letzten Schlacht zu reparieren, doch seine Mannschaft würde sicherlich nichts dagegen haben, eine Woche dran zu hängen. Hier gab es schöne Frauen, guten Rum, genügend zu essen und die Gegend lud sogar die ältesten Seebären zum Verweilen ein.

"Zwei Wochen ...", flüsterte sie ihm nach und dachte nach. Zwei Wochen Zeit, in denen sie es ihm sagen konnte. Zwei Wochen ... "Komm mit mir aufs Schiff - auf unser Schiff, Ada, ich möchte es Dir zeigen", bettelte er dann nahezu und endlich lächelte sie sanft, strich ihm über die Wange, dann nickte sie und er zog sie gen Ruderboot, das in der Nähe lag und fuhr mit ihr zur "Ada Pearl". Es wurden die schönsten zwei Wochen, die er sich vorstellen konnte. Die schönsten in seinem Leben.

Doch als es langsam wieder darum ging, dass er sie mitnehmen wollte, als er sie die ganze Zeit tatsächlich - bis auf einige Landgänge - in seiner Kajüte versteckt gehalten hatte, verweigerte sie noch immer die Mitreise. "Du siehst doch, dass es funktioniert", versuchte er es wieder und sie schüttelte den Kopf. "Nicht auf See - nicht wochenlang auf See, Konradin." Doch so leicht wollte er nicht aufgeben, aber sie legte ihren Zeigefinger auf seine Lippen.
"Ich könnte hier auf Dich warten. Du gehst auf Deine Reisen und ich warte, bis Du wieder zurückkehrst." War das nicht die Lösung? Er schien davon nicht überzeugt. "Ich will Dich um mich haben, Dich beschützen. Ich brauche Dich um mich herum, ich will nie wieder eine Nacht ohne Dich sein ...", erklärte er ihr und sie wusste, dass es stimmte und atmete durch.

"Kannst Du Dir vorstellen, Dein ganzes restliches Leben lang Blut zu trinken?", begann sie dann, sie wusste sich einfach nicht mehr zu helfen. "Nun ja, ich weiß ja, dass Du solche Spielchen gern mit mir spielst, aber glaube mir, auf meinen Rum zu verzichten wäre wohl der schlimmste Tod." Er lachte, wie konnte er auch anders, als diese Frage nicht ernst nehmen. "Ich meine das durchaus, wie ich es sage ... aber Du hast Recht, Konradin, Dein Rum ist Dir schon immer lieber gewesen", sie schmunzelte allerdings bei ihren Worten, "... als ich." "Also bitte, Ada ...", er lachte. Rum war ihm definitiv nie wichtiger als Ada, aber was hatte Ada auch mit seinem Rum und Blut zu tun. Außer, dass sie ihn während leidenschaftlicher Nächte gerne mal biss und so tat, als würde sie von ihm trinken, wie ein verdammter Blutsauger, er aber hinterher keine Narben an seiner Haut entdeckte, war hier keine Verbindung zu ziehen - jedenfalls begriff er nicht, welche.

"Ernsthaft, Konradin, wirklich, wir können nur zusammen sein, wenn ..." - "... wenn was, Ada?" Er zog sie an sich, umarmte ihre Taille und sah ihr tief in die Augen, wankte mit ihr in Richtung Bett. Sie ließ es geschehen, ließ sich mit ihm fallen und setzte sich auf ihn. Doch anstelle ihn zu küssen, wie sie es sonst tat, hielt sie seine Handgelenke über seinem Kopf und sah ihn an. "Ich werde niemals verlangen, dass Du Dein Leben für mich aufgibst. Ich werde aber auch nicht mit Dir segeln können, hörst Du? Nicht, wenn Du nicht selbst ... wenn Du ..." - "... wenn was, Ada?", fragte er noch einmal, diesmal ernsthafter, weil sie so ernst war.

"Himmel, ich bin ein Vampir, ein verdammter Blutsauger", brach es dann aus ihr heraus und sie ließ keinen Moment ihren Blick aus dem seinen. "Das weiß ich doch schon", lachte er und meinte das, was er als Spielchen ansah. "Ich meine das ernst", sie drückte seine Arme fester aufs Bett, so fest, dass er sich - hätte er es gewollt - sich nicht mehr daraus hätte befreien können. Er spürte das, versuchte es kurz, dann ließ er es bleiben und musterte sie skeptisch. "Du weißt doch genau, dass ich nicht abergläubisch bin", erklärte er dann und sie hielt seinem Blick stand. "Das ist auch kein Aberglaube, sondern Realität ..."
Sie meinte es ernst. Er sah es an ihrem Blick. Aber wie sollte er so etwas glauben? Und wenn er es glaubte, hatte sie ihn gefragt, ob er sein wollte wie sie? Seine Gedanken überschlugen sich förmlich. "Du glaubst mir", sagte sie nach einer Weile nüchtern und er wollte abwehren. "Nahaiin, Ada, nein, nein, ich überlege nur, welche Gründe Du haben kön-" "Du glaubst mir", unterbrach sie ihn wieder leise, dann ließ sie ihn los und rutschte neben ihn. Sie sahen beide zur Decke und minutenlang sagte keiner mehr von ihnen auch nur ein Wort.

"Du meinst, nur, wenn ich werde, was Du bist, können wir zusammen sein ..." Auf seine Worte hin drehte sie ihren Kopf in seine Richtung und sah ihn an. Dann erst drehte er seinen und sah sie an. "Ein Geisterschiff ...", dachte er seine Gedanken laut weiter. Woher er das Wissen nahm von all dem, was damit zusammenhing, wusste er nicht Recht. Aber sie konnte nicht in die Sonne und er konnte nicht von seinem Schiff lassen. Sie konnte nicht unter der Mannschaft leben und er nicht aushalten, wenn sie an Land auf ihn wartete. Sie brauchte Blut, um zu überleben und er ...
"Wie ist das mit dem Rum?" - "Keinen Rum." - "Keinen Rum?" Er drehte seinen Kopf wieder zur Decke. "Sagt sie einfach, keinen Rum ...", dann sah er sie wieder an. "Sicher keinen Rum?" - "Ganz sicher keinen Rum." Er wollte schon schwer ausatmen. "Außer ..." "Außer?" Hoffnung keimte in ihm auf. "Du musst Deine Opfer vorher abfüllen, dann hast Du Rum in deren Blut." - "Welch Reinheit", lachte er. "Besser als nichts, oder?", sie schmunzelte ihn an. Die Entscheidung war schon längst getroffen. "Da hast Du Recht."
Er rollte sich auf sie und küsste sie. Für diese Frau gab er alles - sogar sein Leben, sogar ... seinen Rum.

Es sollte allerdings noch eine weitere Woche dauern, in der er sich besoff, in der er versuchte, seiner Mannschaft klar zu machen, dass er die Piraterie aufzugeben gedachte. Das gedachte er nicht, aber er konnte sie schlecht einweihen. Glücklicherweise waren die Meuterer unter ihnen zu gering, um ihm die "Ada Pearl" streitig zu machen. Dennoch war es kein einfacher Abschied. Sie hatten sich auf ihn verlassen, unter ihm Jahre lang auf der "Ada Pearl" verbracht und nun sollte das alles von heute auf morgen einfach vorbei sein. Doch nur einer blieb wirklich hartnäckig, während die anderen sich schneller an den Gedanken gewöhnten.

"Das kannst Du nicht machen, Black", sagte Benjamin, sein erster Maat und wohl auch bester Freund. "Du siehst doch, wie ich es kann", erklärte Konradin und trank sein Glas aus, um es dann neu zu befüllen. Die Flasche hatte er gleich dazu geordert. "Das hat mit dieser Frau zu tun ... ich hab' Euch gesehen", scharf sah Konradin ihn an. "Also doch, also hab' ich Recht!", rief er aus und Konradin wollte ihn nicht anlügen. "Es ist anders, als Du denkst", sagte er aber nur und wusste es ja nicht zu erklären. "Anders als ich denke, dass ich nicht lache. Sie war auf der Pearl, ich hab' sie da gesehen. Frauen auf einem Schiff bringen Unglück, wie Du selbst merken solltest in diesem Moment." - "Welch ein Unglück, wenn ich mich entschließe, das hier alles aufzugeben ...", wandte er fast schon sarkastisch ein. "Wie soll ich das sonst nennen?"
Konradin dachte nach. Ja, wie konnte er es sonst nennen. "Ben, hör zu, ich werde die Pearl nicht aufgeben. Aber so, wie es jetzt ist, wird es in Zukunft nicht mehr gehen", Ben setzte sich wieder, weil er zeitweilig vor Wut vom Tisch in der Kneipe aufgestanden war. "Und dann entlässt Du die Mannschaft, auf die Du Dich hast blind verlassen können? Erklär es mir, Black, erklär es mir, ich versteh' - es - ein-fach - nicht." Ja, es war ja auch schwer zu verstehen.

"Die Pearl wird ein Geisterschiff werden. Nachts werden wir entern, tagsüber wird auf dem Boot niemand zu sehen sein", sagte er dann. War es richtig? Aber wem sollte er vertrauen, wenn nicht Benjamin. Dieser schwieg. "Es hätte zu viele Fragen gegeben, Ben, ich hätte das der Crew niemals erklären können, ich kann es ja nicht mal Dir erklären ..." - "Es hat mit ihr zu tun, oder?" - "Man, es geht nicht um sie, es geht hier nicht nur immer nur um sie ... Nicht so ...", er konnte es doch nicht erklären, er wusste nicht, wie.
"Wird sie mitfahren?" - "Natürlich wird sie das." - "Also hat es mit ihr zu tun." - "Meinetwegen, dann hat es eben mit ihr zu tun, aber es ist mein Schiff, ich kann damit tun und lassen, was ich will ..." - "Ja, das kannst Du wohl", Benjamin klang enttäuscht, dass Konradin nicht das Vertrauen in ihn hatte, wie er es all die Jahre eigentlich dachte. In seinem Blick lag noch immer diese Frage ... dieses "Erklär es mir, damit ich es verstehen kann".

"Ich kann nicht", antwortete er darauf und nahm noch einen Schluck. Sie hatten sich auch vorher schon ohne Worte verstanden. Aber jetzt verstand er seinen Freund nicht. "Konradin, egal, was es ist, erzähl' es mir doch einfach. Ich will es doch einfach nur verstehen. Kannst Du mich nicht mitnehmen? Lass mich mitkommen, weiterhin als Dein erster Maat. Lass mich Dir helfen, Du kannst das Boot nicht allein durchschippern." Da hatte er wohl Recht, alleine ging es nicht.
"Lass mich drüber nachdenken." - "Du meinst, Du willst Dich mit ihr unterhalten ..." - "Sieh es wie Du willst und lass uns morgen noch mal drüber reden." Benjamin gab sich für den Moment zufrieden, heute kam er hier nicht weiter. Aber glücklich war er mit diesem Ergebnis nicht. Aber er würde warten. Warten und hoffen, dass Konradin zur Vernunft kam oder es ihm morgen wenigstens erklärte.

Doch am nächsten Abend schien alles anders zu sein. Alles. Er hatte mit Ada gesprochen, sie hatte ihm geraten, nichts zu erzählen, doch sie wollte ihm nichts vorschreiben. Dennoch war er sicher, sich daran zu halten. Sicher, bis Benjamin in die Kneipe kam und sich zu ihm setzte. Seltsam still. Er wirkte anders, verändert ...
"Nimm mich mit auf Dein Geisterschiff, woanders komme ich sowieso nicht mehr unter ...", Konradin runzelte die Stirn. Was sollte das? "Er ist ein Vampir", sagte dann eine leise Stimme hinter Benjamin. Ada war ihm gefolgt. "Was ...?", Konradin sah zu ihr, dann wieder zu Ben. "Hast Du ...?", er sah sie wieder an und sie schüttelte den Kopf, dann setzte sie sich neben Benjamin und beide sahen ihn fragend an.

"Er hat uns belauscht oder es gut hören können, gestern, er hat begriffen, was los ist, hat es aus Deinen Gedanken gelesen. Er hat mich abgegriffen und mich vor die Wahl gestellt. Ich wünschte, ich hätte gewartet bis heute, aber ich wollte wissen, was los war. Er sagte ... er sagte, ich könne es nur erfahren, wenn ich bereit wäre, alles dafür zu geben. Ich war es. Bei Gott, ich war bereit, alles zu geben, um Dich zu verstehen.
Dann ist es passiert, einfach so. Er hat es mir erst danach erklärt und mich dann ausgelacht und ist gegangen. Ich würde sterben, hat er gesagt. Nichts weiter hat er erklärt. Er wollte einfach nur seinen Spaß mit meiner Not und Sorge um Dich und die Pearl und jetzt? Jetzt bin ich das, was ich bin und habe eine verdammte Scheiß Ahnung von dem, was mit mir los ist."


Ada legte dem ihr fremden Mann ihre Hand auf die seine, er zuckte kurz, wollte seinen Hass gegen sie wenden, doch er tat es nicht und griff die kleine in seine große und schloss verbittert die Augen. Konradin wusste nicht, was er sagen sollte. "Ich kann Dir helfen", sagte Ada sanft, "Ich kann es nicht rückgängig machen, aber ich kann Dir helfen, damit zurecht zu kommen, Dir erklären, was wichtig ist zum Überleben." Er zögerte, dann nickte er. Der große starke Seebär, der beste Freund und erste Maat, er wirkte wie ein Häufchen Elend. Aber er wusste nicht, wohin er sollte. Was sollte er auch tun?

Konradins Verwandlung allerdings musste warten. Er nutzte die Zeit, Verabredungen mit seinem Rum zu treffen, aber nebenher suchte er Möglichkeiten und Wege, die Pearl auslaufen zu lassen, eine Mannschaft zu finden, oder eher noch ein paar Sklaven, die dafür zu sorgen hatten, dass das Schiff fuhr, während er sich nicht auf dem Achterdeck kümmern konnte.
Das alles war nicht so einfach. Einfach aber hatte auch Ada es nicht, weil Benjamin verdammte, was passiert war, doch sein Ehrgefühl und seine Freundschaft zu Konradin war zu groß, als dass er seine Wut offenbaren konnte. Er versuchte sie zurückzudrängen und zu lernen, was ging, bis er immer und immer wieder abbrach und sich von ihr einfach nichts sagen lassen wollte.
Er kam nur schwer damit zurecht, doch nach wenigen Tagen ebbte es langsam ab und er schwor sich innerlich Rache an diesem Vampir. An diesem Kerl, der sich einfach einen Spaß daraus gemacht, seine Verzweiflung ausgenutzt hatte.

Das alles aber schweißte die drei so stark zusammen, dass sie sich blind aufeinander verlassen konnten, wie sie es Monate später erkennen durften. Doch soweit war es lange nicht. Es dauerte Wochen, bis Konradin genügende Leute zusammen hatte. Manche von ihnen waren Spinner, die es wohl einfach toll fanden, bei einer Legende beteiligt zu sein. Geisterschiffe waren von jeher Schiffe gewesen, deren Besatzung auf unerklärliche oder erklärliche Weise verschwand oder verstarb und das Schiff leer über das Meer segelte, bis es aufgegriffen wurde oder sank, weil es aufgelaufen war.

Konradin schuf ein künstliches Geisterschiff und musste vorsichtig sein mit dem, was er erzählte. Aber er wurde auch auf Vampire aufmerksam. Nicht zuletzt mit Adas Hilfe, die sehen konnte, wer einer war und wer nicht. Und so fand sich eine Crew zusammen, die klein war, aber ausreichend, um das Schiff in See stechen zu lassen. Sklaven waren eher weniger das Problem, doch brauchten sie noch einige mehr, weil der Blutdurst gestillt werden musste.
An manchen Tagen wünschte sich Konradin seine alte Mannschaft zurück, sein altes Leben und er hatte Ada nie gefragt, wie es passiert war. Er wollte es nicht wissen und sie es nicht von sich aus erzählen. Er war mit Frauen ins Bett gegangen, aber er wollte und konnte sich nicht vorstellen, dass sie es in den Jahren der Suche ebenso getan hatte - nur mit dem anderen Geschlecht. Es war etwas anderes, wie er fand. Aber nichts, was er ihr hätte vorhalten können. Wissen wollte er es dennoch nicht.

Dann kam der Tag des Aufbruchs. Wissende, wenige Unwissende, ein paar Vampire, Benjamin, Ada und Konradin. Die "Ada Pearl" war bevölkert mit knapp vierzig Mann und einer Frau. Die meisten davon Sklaven - Opfer und Ruderer und Konradin war noch immer ein Mensch. Ein Mensch mit einer Kiste Rum, die er bis zum letzten Tropfen zu leeren gedachte, bis er bereit war, sich Ada und der Blutstaufe hinzugeben.
"Du bist betrunken", kommentierte sie seinen Zustand, wie er wankend in der Tür der Kajüte stand, dann eintrat und sie hinter ihm schloss. "Das macht nichts", erklärte er grinsend und sie schmunzelte. "Du wirst Dich übergeben?" - "Ich habe mich meinen Lebtag nie übergeben." - "Ich schwöre, Du wirst ...", lachte sie, vor seinem Bett stehend in ihrem hübschen weißen Kleid, ein ähnliches, wie sie es damals auf Jamaika getragen hatte. Einem Hauch von Nichts.
"Dann wird es eben so sein", erklärte er. "Wie romantisch", befand sie, aber da stand er schon bei ihr, griff um ihre Taille und zog sie an sich heran. "Ich liebe Dich, weißt Du das?", sagte er dann, seinen Blick tief in den ihren grabend. "Das hoffe ich doch ...", sagte sie schelmisch und drehte sich mit ihm, um ihn dann aufs Bett zu drücken.

Breitbeinig saß sie auf ihm und schob ihm das Hemd über den Kopf und die Schultern, streichelte seine Brust und beugte sich dann hinunter um die Stelle zu küssen, die sie gerade noch mit ihren kühlen Fingern berührt hatte. "Ich werde Deine Wärme vermissen", flüsterte sie, als sie seine Hose öffnete. "Meine Liebe ist warm genug", entgegnete er ihr schwer atmend und schon lange mit geschlossenen Augen, dann sah er leicht auf. Seine Hände streichelten über ihre Oberschenkel, streiften ihr Kleid höher, bis sie es ihm abnahm und über ihren Kopf hinweg abstreifte. Sie war so wunderschön. So nackt und wunderschön.

Seine warme Hand glitt an ihren Brüsten hinab und mit beiden zog er sie an den Hüften höher, spürte ihre Wärme - die einzige Stelle, an der sie diese Hitze weiterhin in sich trug.
Sie beugte sich vor, streifte mit ihren Brüsten seine Brust, verschlang sich mit ihm in einem leidenschaftlichen Zungenkuss und als ihre Lippen die seinen verschlossen, drang er sanft in sie ein ...
Es wurde eine lange Nacht, eine intensive Nacht, eine Nacht voller Leidenschaft und Lust, in der sie mehrmals von ihm trank und am Ende auch ihm von sich zu trinken gab. Dieser erregende Schmerz durchzog seinen Körper, doch sie küsste ihn, lenkte ihn ab, bis sein menschliches Leben erlosch und er Minuten später wieder in seinem neuen Leben erwachte. Die Eindrücke schienen ihn zu überschwemmen, sein Kopf dröhnte und doch ... "Ich habe Dir doch gesagt, ich würde mich nicht übergeben ..."
Sie lächelte, strich ihm sanft das Haar aus der Stirn und kuschelte sich in seinen Arm.
Lange Zeit war es still, sie sagte nichts, sie wusste, wie es war. Er sollte sich in Ruhe an die Geräusche gewöhnen, an das, was er sah, wie er es sah, an das intensive Gefühl ihrer Fingerspitzen, die auf seiner Brust tanzten. "Das ist es nun ...", sagte er leise. "Das ist es nun ...", wiederholte sie noch leiser. Dann vernahm sie sein Schnarchen und grinste.

Die erste Zeit war gewöhnungsbedürftig, aber nicht schlecht, das nicht. Er musste sich allerdings vor allem daran gewöhnen, dass er nicht mehr essen und vor allem nicht mehr das trinken konnte, was er gerne wollte. Hätte er nun noch von seiner Kiste Rum etwas übrig gehabt, er hätte wohl die Opfersklaven damit abgefüllt, aber so weit waren seine Gedanken vor dem Ablegen natürlich nicht gegangen. Er konnte nur darauf hoffen, dass sie bald ein Schiff kaperten, das Rum transportierte. So viel Glück stellte sich aber erst Wochen später ein.

Sie waren ein gutes Team, sie alle. Vor allem Benjamin, Ada und Konradin. Sie wussten sich aufeinander zu verlassen und sie wussten sich auch auf die Mannschaft zu verlassen. Die wenigen Unwissenden unter ihnen wurden von den menschlichen Wissenden in Schach gehalten, jene wiederrum verstanden sich gut mit den Vampiren, die froh waren, sich nur bedingt verdeckt halten zu müssen und selbst wieder auf hoher See sein zu können.
Sie lenkten das Schiff tagsüber in Gefilde, in denen weniger Boote vorbei kamen und nachts griffen sie an. Es schien wie eine neue Masche zu sein, denn mit nächtlichen Angriffen rechneten die Handelsschiffe nicht.
Die "Ada Pearl" erlangte sehr bald einen unheimlichen Ruf und garantiert, da war Konradin sich sicher, war die ehemalige Mannschaft froh, wenn sie davon erfuhr, dass sie jetzt woanders untergekommen waren.

Jahrelang konnten sie sich so durch die Karibik manövrieren. Hin und wieder legten sie an, verkauften die Beute, bereicherten sich und alle Anwesenden, wobei keiner zu wenig bekam. Ada wurde als Kapitänsbraut ohne weiteres anerkannt und respektiert, es gab nur vereinzelte, die sich sorgten, sie würde Pech über alle bringen. Doch solange es nur die Sklaven betraf, die starben wie die Fliegen, sollte es den Unwissenden Recht sein. Die Mannschaft achtete darauf, dass eine Panik unterdrückt wurde und man andere Erklärungen für jene fand, die nicht begriffen, was los war.

Wäre es nach Konradin gegangen, sie hätten ihr Leben lang so weitermachen können. Doch Benjamin verliebte sich auf einem Landgang Hals über Kopf. Nicht nur, dass er noch immer einen Racheplan verfolgte, was seinen Schöpfer anging, jetzt musst auch noch eine Frau dazwischen geraten, die ihm endgültig den Kopf verdrehte und von der See lockte. Der Abschied war schmerzlich, doch sie versprachen sich, sich wieder zu sehen.
Nachdem Benjamin allerdings von Bord war, wurden die Zeiten unruhiger. Das lag nicht an seinem Abschied, aber dieser war wie der Bruch in eine neue Zeit. Piraten hatten es grundsätzlich schwerer und es wurde auch für sie als "Geisterschiff" schwieriger den Verfolgern auszuweichen. Die wenigen, die es bisher versucht hatten, das Schiff zu übernehmen, starben einen blutigen Tod. Sie hatten keine Chance gegen die Übermacht der Vampire an Bord. Und dennoch wurden es beängstigend mehr Angriffe, als sie aushalten konnten.

Die Pearl war leicht beschädigt, nichts, was sich nicht hätte reparieren lassen, aber Konradin kam gedanklich ins Wanken. Er liebte das Meer, er liebte sein Schiff und er liebte Ada. Aber er war zunehmend unsicherer, ob es wirklich möglich war, all das zu vereinen. Was er aber wusste, war, dass Adaleta über allem stand. Sie versuchte ihm seine Bedenken zu nehmen, doch er wurde sie nicht los und er sollte Recht behalten.
Es war eines Abends, die Sonne war gerade untergegangen, als sie ein Schiff rammte. Keiner hatte es kommen sehen - niemand hätte es kommen sehen können, denn der Mann im Ausguck war tot. Erschossen durch einen Pfeil. Auf Deck waren zu wenige Leute, als dass sie es hätten bemerken können und der Überfall kam so überraschend, dass nur die wenigsten zielgerichtet zu ihren Waffe griffen.

Es war ein erbitterter Kampf auf Deck, viele starben - Vampire, wie Menschen - von ihrer, wie von der anderen Seite. Dann hörte Konradin Adaletas Schreie, ihre Rufe nach ihm, er solle ihr helfen. Er rammte seinen Säbel in das Herz seines Angreifers, vollgepumpt mit Adrenalin und wusste nicht, wo sie war. Er hörte ihre Stimme, folgte ihr, doch da sah er sie schon auf einem Beiboot. Sie wurde festgehalten - festgehalten von einem Vampir, der mehr Kraft hatte, als sie. "HILFE ...", schrie sie und er wollte vom Schiff springen und wurde von hinten angegriffen, niedergeschlagen. Er hätte vorher nicht geglaubt, dass man einen Vampir niederschlagen konnte, aber was es auch war, er stand in den nächsten zwei Stunden nicht mehr auf.

Als er mit dröhnendem Schädel aufwachte, hörte er nichts mehr. Überall lag Staub und Blut und lagen Leichen. Sein Schädel schien zu zerbersten, als er sich hochrappelte und langsam begriff, was geschehen war. Schnell suchte sein Blick in alle Richtungen, aber das Schiff, die Angreifer, sie waren nicht mehr da. "Nein", sagte er, "Nein ...", Panik überkam ihn, er rannte in die Kajüte, zurück auf Deck, rannte unter Deck. Niemand. Niemand war mehr da bis auf ein paar Sklaven, die angekettet auf ihren Bänken bei den Rudern saßen.
"VOLLE FAHRT VORAUS", brüllte er sie an und rannte zum Steuer. Doch wohin sollte er segeln? Wohin in dieser gottverdammten Nacht? Er riss das Steuerruder herum und folgte dem Weg, in der das Schiff zuvor gestanden hatte, das sie so brachial überfallen hatte. Er fühlte sie ... er ... er fühlte sie, er fühlte, dass sie lebte. Sie hatte ihn schon vor einigen Jahren "freigegeben", doch er wusste in seinem Herzen, dass sie lebte. Nicht wie, nicht wo, aber dass und nur das war wichtig.

Er würde sie finden, er würde sie suchen bis ans Ende seiner Tage, das schwor er sich, er würde sie finden. Doch ... er fand sie nie. Benjamin hatte von dem Überfall gehört, er suchte seinen Freund mit seiner eigenen kleinen Schaluppe, fand ihn erst Wochen später in einer Nacht, betrunken von drei Sklaven, die er zuvor abgefüllt hatte und einem Schnapsglas voll Rum auf seinem Tisch, auf dem auch eine Karte ausgebreitet lag. Es war für Benjamin kein Problem an Bord zu kommen, es war ja kaum jemand mehr da, der ihn hätte hindern können. Wie Konradin es überhaupt schaffte, dieses Schiff fast allein mit zwei Hand voll Sklaven zu steuern, sollte ihm ein Rätsel bleiben, aber man schaffte viel in der Verzweiflung.

"Benjamin ... Willkommen in meinem einsamen Heim ...", lallte Konradin an seinem Tisch, das Glas mit Rum vor sich stehend und es in den Finger drehend. "Willst Du auch ein gutes Glas Rum? Ich habe noch einen Sklaven für Dich ...", er war nicht einmal überrascht, dass sein bester Freund vor ihm stand und sich dann ihm gegenüber setzte. "Du musst aufhören, nach ihr zu suchen, Black ...", begann er vorsichtig und Konradin sah ihn an. Konradin hatte geweint, er konnte es sehen. Zugegeben hätte der Pirat das aber nie. "Ich werde niiiemals aufhören, nach ihr zu suchen, ... Ben", er versuchte fast schon seinen Tonfall nachzuahmen, als er seinen Namen nannte.
"Weißt Du ... ich kann so ein Schnapsglas Rum trinken ohne zu kotzen. Wusstest Du das?" "Tu das nicht ...", sein Freund wollte wohl verhindern, dass Konradin sich übergab. "Glaubst Du mir nicht, nä ...", er lachte, aber es klang wie Schluckauf. "Pass auf, das beweise ich Dir!" Er hob das Glas mehr schlecht als recht hoch über seine Stirn, prostete wem auch immer zu und trank es dann mit einem Zug aus und schluckte. "Funzt", sagte er schlicht und knallte das Glas auf den Tisch zurück, dort fiel es zur Seite und rollte bei der nächsten leichten Welle zu Boden.
"Geh, verschwinde, Ben-schaminn, geh ...", er stand auf ließ sich auf das zerwühlte Bett fallen. "Hör auf nach ihr zu suchen, Black", sagte sein Freund noch einmal, aber da hörte er Konradin schon schnarchen.
Er stand auf und ließ einige Leute von seiner Schaluppe an Bord kommen und gab ihnen Anweisungen für den richtigen Kurs. Den Rest wies er an, ihnen zu folgen, bis sie die Grenadinen, eine kleine Inselkette zwischen St. Vincent und Grenada als Teil der Windward Islands und auch die Kleinen Antillen zwischen der Karibik und dem Atlantik, erreichten - Benjamins neue Heimat als halbe Landratte. Der erste Maat war für diese wenigen Wochen zurück und er wollte sich um seinen Freund kümmern, ob diesem das gefiel oder nicht.

Konradin war nicht glücklich über diese Umstände, doch alles war so sinnlos geworden, dass er auch das einfach nur noch hinnehmen konnte. Er wütete in seiner Hütte, verausgabte sich, wenn er zu seinem Schiff schwamm und zurück, sprach irgendwann kein Wort mehr und war nur noch in seinen Gedanken versunken, wenn möglich mit seinem Schnapsglas voll Rum oder einigen Frauen, die er zuvor mit diesem abgefüllt hatte. Alles schien zwecklos zu sein, aber er wusste tief in seinem Inneren, Benjamin hatte Recht. Er musste aufhören, sie zu suchen, es hatte keinen Sinn.
Er wusste nicht, wer sie entführt - wahrscheinlich getötet - hatte, er wusste nicht, warum. Vor allem aber wusste er nicht, warum er noch am Leben war und warum man ihn zurückgelassen hatte. Lediglich, dass einige der Sklaven nicht von ihren Ketten hatten befreit werden können und deswegen zurückgelassen wurden, erschloss sich ihm logisch.

Benjamin kümmerte sich mit seinem Weib so gut es ging um seinen Freund, ließ Erkundigungen einholen, doch auch diese brachten sie nicht weiter. Irgendwann schwamm Konradin zur "Ada Pearl" hinaus. Er hätte auch ein Boot nehmen können, doch er brauchte das Gefühl, etwas zu tun, sonst würde er wahnsinnig, wie er glaubte. Er schwamm hinaus und blieb dort Wochen. Benjamin kümmerte sich darum, dass er genug zu trinken bekam, in dem er ihm Sklaven schickte oder sie selbst hinfuhr und sie ihm brachte. Es schmerzte ihn, den Freund so am Boden zu sehen, wie er da stand, an der Reling und einfach nur aufs nachtschwarze Wasser starrte oder in den funkelnden Sternenhimmel.
Konradin fasste in dieser Zeit einen folgenschweren, endgültigen Entschluss. Er besprach ihn erst mit Benjamin, als er feststand - vielmehr also teilte er ihn mit, darüber sprechen wollte er nicht. Ben hätte sagen können, was er wollte, aber Konradin war zu dem Ergebnis gekommen, dass er nicht mehr zur See fahren konnte, dass er kein Pirat mehr sein konnte, dass "Ada Pearl" ihn immerzu und überall immer nur an Adaleta erinnerte, aber ein anderes Schiff wollte er nicht.

"Ich kenne da eine Bucht, dort ist ein Zugang zu einem Bergmassiv, die Pearl müsste direkt dorthinein passen", erklärte Benjamin, der nicht miterleben wollte, wie Konradin sein Schiff in die Luft jagte oder eher versenkte, wie er es eigentlich vorgehabt hatte. "Was soll das bringen, Ben? Ich werde sie nie wieder fahren ..." - "Darum geht es nicht", antwortete er nur und hoffte, dass sein Freund vielleicht in einigen Jahren zur Vernunft kam und dann würde er bereuen, sie zerstört zu haben. Und wenn Konradin ehrlich zu sich selbst war, wie er es von Minute zu Minute mehr wurde, dann konnte auch er die Pearl nicht zerstören. Sein Herz hing an ihr. An allem, was mit ihr zusammen hing. "In Ordnung, meinetwegen ..." Benjamin atmete auf.

Sie würden zu zweit fahren mit einigen Sklaven. Keine Mannschaft. Und so machten sie sich auf den Weg zu den Bahamas. Zu einer kleinen unbewohnten Abaco-Insel in der Karibik zwischen Charles Vanes Green Turtle Cay und der Insel Walker's Cay, um die herum mehr Tigerhaie schwammen, als einem Seemann lieb war.
Tatsächlich passte das Schiff perfekt in die Bucht und auch in die Höhle, die Benjamin im Laufe seines Lebens irgendwann zufällig entdeckt hatte. Die "Ada Pearl" dort hinein zu lenken, war eine Herausforderung, aber es funktionierte. Sie legten sie bei aufkommender Ebbe mit Holzstämmen trocken, die sie mitgebracht hatten und betrachteten ihr Werk bei Flut.
Stunden hatte es gedauert und die Sonne würde bald aufgehen. Sie würden die Nacht hier verbringen müssen und Konradin schien sich in dieser jede Maserung seiner Kajüte ganz genau einprägen zu wollen. Benjamin war sicher, ihn weinen zu sehen, ihn auch irgendwann schluchzen zu hören, als er ihn allein gelassen hatte, aber das Gefühl war verständlich. In Konradin war so viel Schmerz, so viel Sehnsucht nach seinem Mädchen und so viel Qual, sein ihm heiliges Schiff zu verlassen, dass Benjamin nicht einmal im Ansatz fähig war, sein Leid zu fühlen, obwohl er es ahnte.

Wie sehr er dieses Boot, dieses Schiff, seine Galeasse liebte. Wie sehr er Ada liebte, wie sehr er sich nicht verzeihen konnte, sie nicht hatte schützen zu können. Er glaubte noch immer, dass sie lebte, doch wusste er auch, dass ihm sein Gefühl einen Streich spielen konnte. Ben hatte Recht. Er musste aufhören, sie zu suchen. Er würde sie niemals finden. Es war nicht die Suche nach einem Mädchen, das sein Vater weggebracht hatte - nicht einmal da hatte er sie gefunden, sondern sie ihn - es war die Suche nach einem Phantom, das sich selbst über die Weltmeere bewegte. Irgendwohin, nirgendwohin. Es war nicht möglich, sie zu finden.
Am nächsten Abend töteten sie die Sklaven, niemand außer sie selbst sollten wissen, wo das Schiff sich befand.

Sie nahmen eines der kleinen Beiboote und ruderten an bewohntes Land, dort heuerte Benjamin auf einem Schiff zurück in die Heimat an und konnte Konradin nicht überreden, wieder mit ihm zu kommen. "Ich gehe nach Nordamerika, mein Freund, ich habe hier nichts mehr verloren", erklärte er ihm und Benjamin wusste, dass er ihn nicht hätte aufhalten können. Nicht nur die Pearl, auch alles hier in der Karibik erinnerte ihn an seine Adaleta, an seine Unfähigkeit, sie zu beschützen, an seine Machtlosigkeit, sie zu finden. Benjamin glaubte, dass sie tot war. Etwas anderes kam für ihn nicht mehr in Betracht. "Dann melde Dich wenigstens hin und wieder, damit ich weiß, dass es Dich noch gibt. Und pass auf Dich auf, alter Mann."

"Küss Deine schöne Frau von mir, macht viele Babys, oder was man sonst so tut ...", versuchte Konradin zu scherzen, doch es schmerzte ihn bei jedem Wort. Frau, Kinder, küssen ... Benjamin zog ihn in seine Arme, drückte ihn fest und sie klopften sich die Schultern. "War 'ne gute Zeit", antwortete er seinem Freund noch. "Ja, das war es ...", sagte dieser zurück, beide mit feuchtem Blick, aber zu viel Stolz, den Tränen auch nur eine Sekunde eine Chance zu geben. Dann wandte sich Ben um und ging zu seinem Schiff - dem, das er bald seines nennen würde, denn er konnte nicht aus seiner Haut und die Meuterei unter solch einem Kapitän war nicht schwer gewesen. Ein Schiff mehr, eine neue Mannschaft und er würde dennoch zu seiner Frau gehen und die Männer einfach allein weiterschicken. Nur der alten Zeiten Willen ... nur denen zu Ehren.

Es war 1773. Erst knapp ein Jahrhundert später sollte das Dynamit erfunden werden. 100 Jahre, in denen die "Ada Pearl" von jedem hätte entdeckt werden können, doch wie durch ein Wunder passierte ihr nichts, außer, dass ihr Holz leicht marode wurde, doch Benjamin hielt sie in regelmäßigen Abständen instand. Das war er seinem Freund schuldig. Benjamin kümmerte sich dann auch später persönlich darum, dass der Eingang mit Felsen zugesprengt wurde. Nur eine verwucherte Öffnung in den Berg gab die Möglichkeit in sein Inneres zu gelangen. Nur er wusste das, er und Konradin, dem er alle paar Monate schrieb - der sich tatsächlich alle paar Monate meldete. Das erste Mal nach drei Jahren, als er ihm schrieb, er sei in New Orleans sesshaft geworden. Benjamin konnte fast nicht glauben, dass ein Mann wie Black, sein bester Freund Black, sesshaft geworden sei. Dass er aber einen Platz am Meer wählte, hätte er auch erraten können.

Dabei war Konradin nicht sicher, ob es so gut war, einen Platz am Meer zu finden. Nachts stand er oft mit seiner alten Piratenflagge in den Händen, die er mit sich genommen hatte - das einzige von der "Ada Pearl" - auf dem Balkon des Hotels, in dem er kurzzeitig wohnen wollte, und sah in die Ferne, sah aufs Meer - das Meer, das alles hatte, das ihm alles genommen hatte, seine vierte Liebe in diesem Leben. Seine erste und größte Liebe Adaleta, seine zweite die "Ada Pearl" und die Piraterie, die dritte der Rum und die vierte das Meer.
Er schien nicht für die Liebe gemacht, dabei hatte er so viel Leidenschaft zu geben. Er verlor sein Mädchen, verlor sein Schiff, verlor sein Dasein als Pirat und auch den Rum - das Schnapsglas voll und das Abfüllen seiner Opfer konnte man hier nicht zählen - ... es blieb das Meer und so blieb auch er.

In New Orleans - La Nouvelle-Orléans, am Meer, hier bei der einzigen Liebe, die ihm noch geblieben war. Dennoch war es nicht zu vergleichen mit der Karibik. Und so musste er feststellen, dass es vor dem Meer noch etwas anderes gab, das er liebte: Seine Heimat. Und auch diese hatte er verloren. Freiwillig zwar, aber ihm kam es nicht freiwillig vor. Er hätte das türkisfarbene Wasser einfach nicht ertragen, all diese Schönheit erinnerte ihn an Ada, nichts schien von ihr unberührt. Auch nicht sein Kopf, seine Gedanken, seine Erinnerungen, die mehr schmerzten als der ganze Verlust.
Doch es musste weitergehen. Er war Pirat. Ein Pirat gab nicht auf - weder zu Wasser, noch auf dem Land.
Er begann diese Stadt zu lieben, die so viel für die Zukunft versprach und sich stetig erweiterte. Er hielt sich mit mehr oder weniger zwielichtigen Jobs über Wasser, bestahl seine Opfer und lebte alsbald in einem kleinen Haus, das 1788 wie so viele andere durch einen Großbrand vernichtet wurde. Es schien ihm nicht vergönnt zu sein. Nur 344 Gebäude blieben von den knapp 1100 stehen. Die Ursache war ungeklärt. Konradin half die Stadt wieder aufzubauen, sechs Jahre - für nichts. Denn Anfang Dezember 1794 zerstörte ein erneutes Feuer weitere 200 Häuser im French Quarter, diesmal allerdings war seines nicht darunter. Er sah es als Zeichen, als kleine Chance, dass nicht doch alles umsonst gewesen war.

Als 1795 der Hafen von den Amerikanern genutzt werden durfte, ging es auch bei ihm bergauf. Das "Recht auf Niederlassung" erlaubte ihm wie allen anderen Einwanderern, sich selbst zu verwirklichen und er stieg in den Handel ein. Bedingt zwar, weil er das Tagesgeschäft nicht übernehmen konnte, aber er war seinem Rum wieder näher, denn dieser war es, der ihm eine kleine Marktlücke versprach. Er ließ ihn sich von Benjamin beschaffen und zuschiffen, vertrieb ihn in den großen und kleinen Bars und Clubs, die sich zunehmend über die Stadt verteilten.

Von der Kolonierückgabe an Frankreich und den späteren Verkauf durch Napoleon an die Vereinigten Staaten bekam er nur am Rande etwas mit. Es störte das Geschäft nicht und er hätte sich auch nicht stören lassen. Er machte damit kein Vermögen, doch konnte er sein Haus unterhalten und seinen ausladenden Lebensstil in den Kneipen und Salons, den Clubs und Bars und den Frauen, von denen keine sein Herz berührte, sondern nur seine Lust befriedigten.
Die Stadt wuchs, überschritt die 10.000 Marke der polyglotten Einwohnerschaft und je mehr Trubel um ihn war, desto besser konnte er vergessen.
Er lernte einige Sprachen, hier ein bisschen, dort ein bisschen und fand sich schnell mit allen zurecht.
Es waren die seltenen Momente der Einsamkeit in der Nacht, wenn er aufs Meer hinausblickte - so weit, dass er glaubte, in die Karibik sehen zu können - die es ihm schwer machten, das Leben vollkommen zu genießen. Doch die Zeit heilte die Wunden. Langsam zwar, mit tiefen Narben, aber sie war unerbittlich und zwang ihn in die Realität. Ein bisschen durfte er sogar von seiner Heimat genießen, denn die kreolische Karibikkultur war auch in New Orleans an einigen Stellen wiederzufinden.

Er bemitleidete sich nur selbst ein bisschen, dass er nichts von dem leckeren Pepperpot - einem Fleisch-Eintopf - probieren konnte, der überall in seiner Heimat bekannt war. Oder die Meeresfrüchte direkt eingeschifft. Der Geruch nach Fisch und Meer am Hafen ließ ihn immer wieder Heimweh und Sehnsucht verspüren. Irgendwann bat er Benjamin, ihm doch auch Meeresschnecken zu liefern und damit schien er einen großen Profit zu machen und eine weitere, etwas größere Marktlücke entdeckt zu haben. Auch ließ er sich Yamswurzeln und Okraschoten kommen, verkaufte sie an kreolische Küchenmeister und so orderte er auch das typische Callaloo, ein sattgrünes Blatt, das sich zentral in den karibischen Speisen verarbeiten ließ. Letztendlich war sein Lieferbestand auch um Kochbananen, Süßkartoffeln und Maniok, Mango und Papaya und natürlich Zuckerrohr erweitert. Das Geschäft fluorierte.

Nach der gewonnenen Schlacht von New Orleans im Januar 1815 verdoppelte sich die Bevölkerung in den Jahren darauf und wurde die größte Stadt im Süden Nordamerikas. Aus dem Sklavenhandel hielt Konradin sich allerdings heraus. Nicht, weil er es moralisch nicht vertreten hätte, so hatte er früher doch selbst etliche davon, es war viel mehr die Erinnerung daran und die Umstände, die ihn zwangen, sich lieber auf Lebensmittel und Rum zu konzentrieren. Hier hatte er begonnen, hier wollte er weitermachen. Zumindest, solange das Geschäft so gut lief und er damit etwas Geld beiseite scheffeln oder seinen Lebensstil finanzieren konnte.

Vom Piraten zum Händler - es war eine eigenwillige Wendung und sie hielt auch nur in dieser Zeit an. Letztendlich war er noch immer der Halunke und Schurke und würde es auch bleiben. Doch um Fuß zu fassen konnte er seine Verhandlungsstrategien, die er zuvor dazu genutzt hatte, Schmuggelware und Diebesgut zu verhökern, jetzt auch gut für ehrliche Geschäfte gebrauchen. Schließlich wollten die Leute übers Ohr gehauen werden und so brachte er es zu Höchstpreisen, konnte die Kunden und Käufer um den Finger wickeln, wie kaum ein zweiter. Er trieb die Preise hoch, in dem er günstigere Waren einkaufte oder schlechtere offenkundig als solche auswies.

Seine freie Zeit verbrachte Konradin vor allem im Vergnügungsviertel Storyville, vergnügte sich mit Prostituierten. Der amerikanische Bürgerkrieg änderte nicht viel an seinem Arbeits- und Lebensstil, auch wenn New Orleans eingenommen wurde. Sie waren doch alle Amerikaner - die einen aus der Karibik, die anderen aus dem Süden, die Sieger aus dem Norden. Für Konradin machte das keinen Unterschied. Wie er auch keinen Unterschied zwischen Vampiren und Menschen machte.
Die Vampire, die in die sogenannte "Neue Welt" kamen und die er kennenlernte, schienen zum Großteil sehr von sich eingenommen zu sein, wollten über den Dingen und vor allem über den Menschen stehen. Der Pirat konnte damit nichts anfangen und so vertiefte er diese Bekanntschaften nicht weiter.

Er sollte tatsächlich derart bis in die Moderne weitermachen. Er erlebte die aufstrebenden Jazzmusiker wie Louis Armstrong. Auch lernte die berüchtigte Voodoo-Priesterin Marie Laveau kennen und viel später starb ihre Tochter versehentlich durch seinen Blutdurst und sein Unvermögen, sie in dieser Nacht zu erkennen, da war ihre gleichnamige Mutter allerdings schon einige Jahre tot. Es tat ihm nicht wirklich leid, denn sie war nur ein Abklatsch ihrer Mutter gewesen. Dennoch hätte es natürlich nicht sein müssen.
Und noch sehr viele Jahre später sollte Anne Rice, die als Howard Allen O'Brien in New Orleans geboren wurde, ihre Bücher veröffentlichen. Natürlich hatte sie eine gute Grundlage aus dieser Stadt erhalten, denn hier fanden sie sich wieder: Die Vampire der alten in der neuen Welt, die schon längst nicht mehr so eingeteilt wurde.
Er wusste, dass Anne wohl den ein oder anderen Kontakt gehabt haben musste, doch die meisten Elemente ihrer Bücher waren lachhaft an den Haaren herbei gezogen. Schade drum, denn die Storyelemente waren tatsächlich recht ansprechend, auch wenn ihm eindeutig zu wenig heterosexuelle Erotik darin vorkam.

Mittlerweile hatte Konradin auch das Handelsgeschäft eingestellt. Es wäre viel zu auffällig gewesen, hätte er die Firma, die sich mittlerweile weit entwickelt hatte, weitergeführt, weil er nicht älter wurde. So verkaufte er sie über einen Anwalt, um sich weiterhin verdeckt zu halten und erhielt eine gute Summe heraus, die es ihm ermöglichte, sich anderweitig selbständig zu machen.
Es war ihm schon lange aufgefallen, wie aufstrebend die Filmwirtschaft nun arbeitete. Es wurden immer bessere und schönere Talente gesucht und viele der Prostituierten und auch jungen Frauen, die er für sich gewann, strebten zum Film, wollten singen und später wollten sie auch Photomodell werden.

Also ergriff der Pirat die Gelegenheit beim Schopf und brachte sich selbst das Photographieren und Filmen bei. Letzteres blieb eher bei einem Versuch, lediglich ein Dokumentarfilm über New Orleans, über das Rotlichtmilieu und die Kultur entstand, der nie irgendeine Bekanntheit erreicht. Die Recherchen dazu hatten ihm allerdings so viel Freude bereitet, dass er sich um einen Job beim Fernsehen bemühte - für Reportagen, für die Arbeit im Hintergrund und auch für die Talentsuche, das allerdings erst später.
Das erste - die Photographie - reichte in seiner Zeit gerade ganz gut dazu, die Bilder der Mädchen, die er traf und für schön erachtete, an verschiedene Stellen zu schicken. Manche von ihnen wurden tatsächlich gebucht, andere rutschten in die Erotikindustrie ab, was aber nicht sein Fehler war.
Somit gründete er eine bürolose Firma, die sich der Talentsuche widmete und bekam nach etlichen Jahren durch einen Kontakt die Information, dass eine Burlesquebar, die sich in New Orleans schon lange einen Namen gemacht hatte, nun auch weiterziehen wollte - eine Zweigniederlassung mit neuem Namen in einer neuen Stadt. Sie wollte ihn fest engagieren, Erfahrung hatte er genug, wofür er aber auch nach Phoenix ziehen sollte.

Phoenix. Er musste es erst auf der Karte suchen, bis er es fand. Er hatte sich mit dem Landesinneren nahezu überhaupt nicht beschäftigt. Nie war ihm in den Sinn gekommen, die Küste zu verlassen. Auch nicht, als er soweit gewesen wäre, wieder in seine Heimat zurückzukehren - jedenfalls oberflächlich soweit gewesen wäre.
Benjamin hatte ihn damals besucht, wollte sich wohl selbst überzeugen, dass es seinem Freund wirklich gut ging und hätte ihn wohl auch mitgenommen, weil es schien, als wäre es möglich. Es waren aufreibende vier Wochen gewesen und vieles war über Konradin herein geschwappt, was ihm bewies, das er niemals zurück in die Heimat gehen konnte. Nicht jetzt und wahrscheinlich nie mehr.

Seither schmerzte ihn das Meer wieder zusehends. Benjamin hatte einen Film mitgebracht und Photographien. Einen Film und Bilder von seiner "Ada Pearl", wie sie da stand, auf dem Halbtrockenen, in der Höhle, gewartet und versorgt all die Jahre von Benjamin persönlich.
So sehr er sich darüber freute, so dankbar er ihm über dieses Geschenk war, es tat schrecklich weh. Auf einmal tat alles wieder so schrecklich weh, als wäre es gestern gewesen. Nein, er konnte nicht mehr am Meer bleiben, das wurde ihm nun klar.
Phoenix, Wüste ... so gänzlich alles, was er hasste, trockene Hitze und Meerlosigkeit. Aber wohl der beste Ort, um wieder zu sich selbst zu finden, die Gedanken an Ada und an die See zu verdrängen. Vielleicht wäre es nach einiger Zeit wieder möglich, nach New Orleans, seine zweite Heimat, zurückzukehren. Vielleicht. Doch in diesem Moment wusste er, wollte er weiter. Weg von hier, weg von diesem Schmerz, weg von der Erinnerung, die ihn zu übermannen schien.
"MÖGEN DIE SCHWARZEN FLAGGEN [...] AUCH VON DEN WELTMEEREN VERSCHWUNDEN SEIN, DIE PIRATEN SIND NOCH IMMER UNTER UNS." ~ MARLIES LEHMANN-BRUNE ~ "PIRAT ZU SEIN IST HOCHAKTUELL!" ~ ZDF/HEUTE JOURNAL 2001

WENN DAS LEBEN KEIN LUTSCHER IST, DANN KAUFE DIR EINE TÜTE ZUCKER, STREUE DIE KRISTALLE VOR DICH AUF DEINEN LEBENSWEG UND IMMER WENN DU AUF DIE SCHNAUZE FLIEGST, IST DA DIESES BITTERSÜßE GEFÜHL VON HOFFNUNG, DASS ES JETZT NUR BESSER WERDEN KANN. ~ SIRPA K. WEILER


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